„Made in Aachen“: Von 13.000 Betrieben liegen viele mitten in der Stadt

„Made in Aachen“ : Von 13.000 Betrieben liegen viele mitten in der Stadt

„Erstaunlich“, dieses Attribut maß Gesa Horn der Tatsache zu, dass es in Aachen nicht weniger als 13.000 Betriebe gibt. In der Tat: Wer hätte das gedacht und außerdem noch gewusst, dass diese 22 Prozent der gesamten Fläche der Großstadt im doch so grünen Dreiländereck einnehmen? Und sich ein Großteil davon sogar in der Innenstadt befinden?

„Das fällt gar nicht auf“, bewertete die Projektleiterin MIA diesen Tatbestand, der auch den meisten Zuhörern in der Halle 60 unbekannt gewesen sein dürfte.

Früher hatten Tücher und Nadeln aus Aachen internationale Bekanntheit, heute sind es eher Süßwarenprodukte oder Reifen. Doch es tut sich im Bereich Produktion noch wesentlich mehr in Aachen. MIA steht nämlich für „Made in Aachen“, und zum Thema „Produktion in Aachen“ hatte der städtische Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa in die Halle des ehemaligen Schlachthofs eingeladen. Dabei wurde nicht nur der Ist-Zustand beleuchtet, sondern auch wie sich das Label „Made in Aachen“ in Zukunft entwickeln kann und wird. „Wir sind gerne am Standort Aachen“, präsentierte Gregor Siebert von der Firma Abiomed Europe einen Weltmarktführer mit Sitz an der Vaalser Straße – mit Wachstumsraten von derzeit rund 30 Prozent im Jahr. Also ein Paradebeispiel für MIA, dem auf drei Jahre angelegten Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und an dem mehrere Institute der RWTH mitarbeiten.

Abiomed entwickelt Kreislaufunterstützungssysteme, etwa die kleinste Herzpumpe der Welt: „Die Idee wurde hier geboren, und wir wollen der Stadt etwas zurückgeben“, erklärt der Produktionsmanager, weshalb man auch in Zeiten stürmischer Expansion am Standort Aachen festhalte. Zurzeit sind 400 Mitarbeiter in der Aachener Europazentrale beschäftigt, jedes Jahr werden 60 bis 100 neu eingestellt. Die Pumpen werden minimalinvasiv über die Leiste eingeführt, erklärte Siebert.

Zunächst habe Abiomed nur einen Teil des Firmensitzes in der Nähe des Uniklinikums genutzt, den dann ganz gekauft und inzwischen ausgebaut, weil er zu klein geworden sei: „Die Produktion eignet sich hervorragend in der Stadt.“ Im Grunde sei Abiomed eine Manufaktur: „Die Mitarbeiter kleben im Reinraum ein paar Teile zusammen.“ Seine Kollegen seien zufrieden mit den kurzen Wegen zu Wohnungen, Schulen, Geschäften oder Kinos, „besser als auf der grünen Wiese in der Eifel. Aachen ist ein attraktives Umfeld“.

Es gibt auch Probleme

Gleichwohl gebe es auch Probleme: „Wer expandiert, braucht Fläche.“ Und da müsse man in Aachen halt in die Höhe gehen – das sei aufwendiger. Und schon die Pläne, ein Fahrradhaus für E-Bikes zu errichten, erforderten langwierige Genehmigungsverfahren: „Man muss sich ins städtische Umfeld einfügen.“

Dieses Problem sei auch ihm bekannt, erklärte wenig später Heinrich Töller von der 1899 gegründeten und ebenfalls erfolgreichen Traditionsbäckerei Töllerei. Das Biobrot wird dort nach traditionellen Rezepten hergestellt und kann nicht nur am Firmensitz an der Jülicher Straße gekauft werden, sondern über eine App im Internet morgens bestellt und mittags an 40 Abrufpunkten in Empfang genommen werden: „Mittlerweile haben wir Platzprobleme.“ Dinge, die Michael Schmitz, Abteilungsleiter Unternehmensförderung bei der Stadt, geläufig sind. Sowohl finanzielle wie inhaltliche Unterstützung sei möglich: „Wir sind jeden Tag in Unternehmen unterwegs, um Probleme für die Zukunft zu lösen.“ Andere Städte beneideten Aachen um seine Wirtschaftsförderung, den Kontakt zu den Hochschulen und die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Dr. Sebastian Stiehm von der „agiplan GmbH“, Berater für Stadt- und Regionalplanung, bestätigte, dass es in Aachen ganz gut laufe, weil die Stadt offen auf Unternehmen zugehe.

Dafür ein Beispiel ist die „aixACCT GmbH“, ein Start-Up aus der RWTH, das Prüfverfahren für Materialien anbietet, und nach den Worten von Moderator Dieter Haack ebenfalls zum Weltmarktführer aufgestiegen ist. Ein Großteil der Mitarbeiter komme von den Hochschulen, erklärte Mitarbeiter Dr. Bernd Reichenberg.

In diese Reihe von Vorbildern passte natürlich auch die e.GO Mobile AG, die jetzt ersten Kleinwagen ausliefert. Ein Autowerk mitten in der Stad, ganz ohne jeden Protest, wunderte sich Moderator Haack, vor 15 Jahren sei das undenkbar gewesen. „Wir sind eher eine Elektro-Großgeräte-Produktion als ein klassisches Automobilwerk“, berichtete Olaf Wendt, Marketing-Chef bei e.GO, die Ansiedlung in Rothe Erde. Man arbeite nach neuen Verfahren und brauche so für die Elektromobile kein großes Presswerk oder eine aufwändige Lackierstraße.

Es gibt also viele Gründe, in Aachen eine Firma zu gründen. Allerdings herrscht bei deren Nachbarn nicht immer eitel Sonnenschein. 40 Prozent der befragten Anwohner befürchteten nämlich negative Folgen wie Lärm, Abgase, Geruch oder Parkprobleme, das haben Befragungen von MIA in den drei Untersuchungsgebieten Aachen West, Aachen Nord und Rothe Erde ergeben. Austausch sei wichtig, empfahl MIA-Projektleiterin Horn, etwa Einladungen zu Festen und Führungen: „Die Leute wollen wissen, was hinter der Schranke passiert.“

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