Aachen: Volleyball-Historie der „Ladies“: Auf Leiter des Erfolgs noch Stufen frei

Aachen : Volleyball-Historie der „Ladies“: Auf Leiter des Erfolgs noch Stufen frei

So ganz will man dem Mann nicht glauben. Er steht vor rund 150 Gästen, die ihn ausnahmslos kennen — und genauso sicher auch mögen —, und sagt: „Ich bin schon nervös.“ André Schnitker ist heute Hallensprecher der Ladies in Black, die seit zehn Jahren in der ersten Volleyball-Bundesliga spielen.

Für Schnitker Anlass genug, zu einem „Dia-Abend“ über dieses Jahrzehnt einzuladen. Und wer ihn schon einmal in seinem Wohnzimmer, der Halle Neuköllner Straße, bei einem Spiel erlebt hat, der glaubt das mit der Nervosität nicht so ganz.

Wie dem auch sei — für seinen „Dia-Abend“, den unser Fotograf Andreas Steindl natürlich mit digitalen Bildern bestückt, hat er sich in Bernd Büttgens einen bühnenerfahrenen Moderator an seine Seite geholt. Der — von Beruf Pressesprecher der Stadt Aachen — ist selbst oft bei den Spielen anzutreffen und weiß, wovon er spricht und was er fragt.

Selbstverständlich lässt sich André Schnitker nicht das Mikrofon aus der Hand nehmen, denn für ihn ist der Abend in der Halle der Veranstaltungstechniker von „eventac“ auch eine persönliche Rückschau mit vielen Bildern und Emotionen. Und vor allem Menschen. Man darf gewiss behaupten, dass der Mann mit dem schneeweißen Haar Volleyball in Aachen aus der Grauzone herausgeholt hat.

Als Trainer und Manager früher bei Alemannia Aachen, heute beim PTSV Aachen, der die Abteilung nach der Alemannia-Insolvenz übernommen hat. Daran erinnern sich vor allem viele Spielerinnen, die den Weg in die Erstklassigkeit mitgegangen sind. Zum Beispiel Esther Stahl und Alex Preiß, die heute Heinze heißt und Lufthansa-Pilotin ist.

Sie erinnern daran, dass sie vor zehn Jahren erst durch das grüne Licht der damaligen Alemannia-Verantwortlichen Horst Heinrichs und Jörg Schmadtke der sportlichen Qualifikation auch den faktischen Aufstieg folgen lassen konnten. Damals ging es nur um den Klassenerhalt. „Sechs Punkte reichten damals. Aber ich hatte große Angst, dass bei einem Abstieg der Traum von der Volleyball-Erstligastadt Aachen sofort wieder geplatzt wäre“, erinnert sich Schnitker. Es kam anders. In Spielen gegen Chemnitz wurde die Klasse gesichert.

Damals hätte niemand gedacht, dass die Ladies wenige Jahre später einmal Abonnement-Meister Dresden in den Play Offs schlagen würden. Oder das Pokalfinale in Halle gegen Stuttgart nur hauchdünn verlieren würden. Damals gab auch das Aachener Publikum eine blendende Visitenkarte ab.

Büttgens und Schnitker erinnerten in den Talks mit Lucie Schulze — früher Wicks —, Ex-Trainer Stefan Falter und der aktuellen Erfolgstrainerin Saskia van Hintum an die vielen positiven Geschichten, aber auch den Fast-Abstieg und die Insolvenz in der PTSV-Zeit. Aber gerade die ist derzeit eine Erfolgsära, die in den bleibenden Spielen mit Platz 4 in der Liga und den Play Offs gekrönt werden könnte.

Zahlreiche Videobotschaften ehemaliger Spielerinnen wie Jana Poll aus Griechenland oder Ron Ponte aus Israel zeugen von den bleibenden Verbindungen, die in den zehn Jahren Erstliga-Volleyball gewachsen sind. Da ist es auch für die Talkgäste selbstverständlich, sich mit ihren Unterschriften auf Devotionalien zu verewigen: auf der Aufstiegstrommel, einem signierten Pokalfinal-Trikot, das OB Marcel Philipp wieder zur Verfügung gestellt hat, und einem Ball mit Unterschriften der Sportlerinnen.

Diese Gegenstände werden am Ende des Abends versteigert. Der Erlös fließt genau wie die Einnahme aus den Tickets und dem Getränkeverkauf auf das Konto der Hospizstiftung Region Aachen. Auch das ist typisch für André Schnitker und „seine“ Ladies.

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