Aachen: Volles Haus zum Weihnachtskonzert von Carmina Mundi

Aachen : Volles Haus zum Weihnachtskonzert von Carmina Mundi

Es ist noch eine halbe Stunde Zeit, bis das Weihnachtskonzert des Aachener Chores Carmina Mundi beginnen soll und doch gibt es in der City-Kirche kaum einen freien Stuhl. Die Anbetungskapelle muss „geplündert“, werden und auch dann reicht es noch nicht. Etliche Konzertbesucher setzen sich auf den Boden, andere bleiben stehen.

Volles Haus also für das Konzert „Nacht und Licht“, für das Chorleiter Harald Nickoll Barockmusik und Zeitgenössisches ausgewählt hatte.

Angelegt war der Abend als ein A-cappella-Konzert, wenn man von den wenigen Beiträgen absieht, in denen sich der Geiger Andreas Schäfer zum Chor dazu gesellt, beziehungsweise von der irischen Melodie, mit der er solistisch einen Akzent setzte. Nickoll und sein Chor zeigen deutlich eine Vorliebe für die modernere Tonsprache mit dem feinen Gespinst an Dissonanzen. Etwa in der Version des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ des skandinavischen Komponisten Jan Sandström, für das sich der Chor aufteilte.

Während ein Teil sich unter der Empore des Gotteshauses aufstellte und dort den vierstimmigen Choral intonierte, legte der andere Teil aus dem Chorraum heraus einen teils dissonanten Klangteppich. Beides verband sich zu einem beeindruckendes Gebilde, das der Überschrift des Abends gerecht wurde.

Besonders die saubere Intonation zeichnete Carmina Mundi aus und belegte, auf welch hohem Niveau sich dieser Laienchor bewegt. Ein weiterer Verdienst ist zweifellos, dass der Klangkörper sich Komponisten widmet, die eher unbekannt sind. So Mircea Valeriu Diaconescus „Lumina lina“ oder Alexei Larins „Angeli v nebi“.

Bob Chilcotts Hirtengesang „The shepard’s carol“ und Benjamin Brittens Lobgesang auf Maria „A Hymn tot he Virgin“ zählten da fast schon zu den Klassikern, ebenso wie Hugo Distlers „Ich brach drei dürre Reiselein“, in dem die Barbarazweige besungen werden. Das Barockzeitalter deckte Nickoll mit Chorsätzen von Michael Praetorius (In dulci jubilo und Es ist ein Ros entsprungen) und der Motette „Lobet den Herrn alle Heiden“, BWV 230, von Johann Sebastian Bach ab.

Bei aller Qualität, die dieses Konzert aufzuweisen hatte, gab es aber auch ein paar Schwachstellen. In der Bachmotette war doch deutlich zu spüren, dass der Chor mit den technischen Anforderungen beschäftigt war, weshalb die Spannung des Werkes etwas verloren ging.

Die von Nickoll gewählten Tempi widersprachen teilweise der Weihnachtsfreude, die ausgedrückt werden sollte. So hatte das „In dulci jubilo“ schon einen etwas überzogenen getragenen Charakter. Das tat aber dem Erfolg des Abends keinen Abbruch. Für den weit mehr als nur freundlichen Applaus bedankte sich das Ensemble mit mehreren Zugaben.