Aachen: Voller Stopp: Kostenexplosion im Neuen Kurhaus

Aachen : Voller Stopp: Kostenexplosion im Neuen Kurhaus

Die Zahl, die da unter dem Strich steht, wird für die städtischen Verantwortlichen ein Schock gewesen sein. Denn es ist nicht gerade leicht zu verdauen, wenn man mitgeteilt bekommt, dass sich die Kosten für den Umbau des Neuen Kurhauses jetzt auf 38,65 Millionen Euro statt der bislang kalkulierten 25,5 Millionen belaufen sollen.

Zu der nun konkret berechneten Summe kommt das als Generalplaner beauftragte Büro „Höhler und Partner“. Die niedrigere Summe war noch eine grobe Kostenschätzung. „Da kann man nicht einfach drüber hinweggehen“, sagte am Mittwoch auch Oberbürgermeister Marcel Philipp bei einer kurfristig anberaumten Pressekonferenz. Konsequenz: Alle weiteren Planungen sind gestoppt worden.

Mietverträge waren fast fertig

Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Unterzeichnung der Mietverträge mit den zukünftigen Nutzern der denkmalgeschützten Immobilie am Stadtpark fast unterschriftsreif waren. Doch auch aus deren Unterzeichnung wird auf unabsehbare Zeit nichts. Die geplante Neueröffnung im Jahr 2020 wird es dementsprechend ebenfalls nicht geben. Denn es ist völlig unklar, wie es weitergehen wird.

„Wir werden alles auf den Prüfstand stellen und das gesamte Paket noch einmal aufschnüren“, so Philipp. Woran es ganz genau liegt, dass die Kosten dermaßen über der Grobkalkulation liegen, vermag man bei der Stadt noch gar nicht zu sagen: „Es ist eine Vielzahl von einzelnen Punkten“, so der OB. Zu tun haben könnte das Ganze zum Beispiel mit der vorgesehenen „Nutzungsdichte“.

Ins Kurhaus sollen dereinst das Spielcasino, eine Gastronomie sowie eine Art „Event-Ausstellung“ des Anbieters „Explorado“ einziehen. Darüber hinaus ist eine Club-Nutzung im Untergeschoss vorgesehen, die erst nachträglich ins Portfolio aufgenommen worden war. Bis zu 4000 Personen sollen sich gleichzeitig im Kurhaus aufhalten können. Doch diese enorme Zahl bringe auch hohe Anforderungen etwa bei der Klima- und Brandschutztechnik sowie bei der Statik mit sich. Auch hier werde man nochmals untersuchen, ob das unbedingt so sein muss.

Eine fröhliche Botschaft sei das Ganze nicht, wie auch Klaus Schavan als Chef des städtischen Gebäudemanagements einräumt. Auf die Planer warteten allerdings bisher schon böse Überraschungen in dem Gebäude, das die Stadt nach 40 Jahren wieder von „Westspiel“ übernahm. Schavan nennt da als Beispiel Deckenkonstruktionen, die nicht so gebaut worden seien, wie es in den statischen Unterlagen steht.

Und es ist auch nicht das erste Mal, dass die Kalkulationen nach oben schießen. Angefangen hatte man 2012 mit rund 16 Millionen Euro. „Da wussten wir über die Gebäudesub-stanz aber noch gar nichts und es gab auch keine konkreten Nutzungskonzepte“, sagt Schavan. Dann ging es hoch auf rund 22 Millionen Euro — bis man auf umfangreiche Asbestvorkommen stieß. Wegen der nötigen Sanierungen kamen nochmal drei Millionen drauf. Und jetzt das.

Schavan und Philipp sehen aber auch etwas „Gutes im Schlechten“. Nämlich dass die enorme Kostensteigerung nicht erst bekannt wurde, nachdem schon alle Verträge unterschrieben und der Umbau im Gange wäre. So biete sich jetzt die Chance, alles noch einmal neu zu bewerten und sich auch die nun vorliegenden Planungen nebst Kostenkalkulation noch genauer anzusehen. Das seien immerhin zwei Wäschekörbe an Unterlagen, so Schavan, der auch betont, dass alle bisher eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen ohnehin fällig gewesen wären.

Völlig andere Nutzung?

Denkbar, so Philipp, sei nun zum Beispiel eine Reduzierung der Nutzungen. Dann kämen aber auch weniger Mieteinnahmen herein. Bislang wurde so kalkuliert, dass die Mieteinnahmen die städtischen Kosten decken. Sollte man sich doch für das vorliegende „Gesamtpaket“ entscheiden, wäre die Kostendeckung auch nicht mehr gegeben.

Dann müsste der städtische Haushalt das Defizit ausgleichen. Denkbar sei auch, dass alles, was jetzt geplant ist, über den Haufen geworfen und eine ganz neue Idee entwickelt wird. Fest steht für den OB nur: „Das Gebäude hat eine angemessene Lösung verdient.“ Welche das sein wird, muss unerwarteter Weise nun auch die Politik noch einmal von vorne beraten. Ende völlig offen.