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Trauer um Günter Carpus: Visionärer Unternehmer und Mitmensch

Trauer um Günter Carpus : Visionärer Unternehmer und Mitmensch

„Wir entwickeln Gebäude, die Wissen vermehren – für eine hoffnungsvolle Zukunft“– diese Vision trieb Günter Carpus stets an und er hat sie von der Vision zur Realität werden lassen. Am Freitag vergangener Woche ist der Unternehmer nach längerer Krankheit gestorben.

1982 gründete Carpus mit seinem Partner Peter Winkler das Büro Carpus+Partner, welches heute als Unternehmensverbund mit 300 Mitarbeitern weltweit anspruchsvolle Projekte bearbeitet. Er agierte weit über sein erfolgreiches Unternehmen hinaus und engagierte sich für die gesellschaftlichen Belange unserer Region und Zeit. Er verstand es, mit Menschen in Diskussion und Diskurs zu einem neuen Denken zu gelangen und für diese neuen Ideen höchstpersönlich mit Charisma und Energie zu kämpfen. Ob Campus Melaten, die Mitgründung der Aachen Building Experts oder die Einführung des Studiengangs-Smart Building Engineer, alle erfuhren die tatkräftige Unterstützung des rastlosen Visionärs. Bei allen Projekten war seine Triebfeder der Mensch als Zentrum und der nachhaltige Sinn des Vorhabens. Nie der kurzfristige Aktionismus, sondern der langfristig strategische Ansatz fand seine Gunst. Am vergangenen Freitag ist Günter Carpus an seinem 68. Geburtstag im Kreis seiner Familie gestorben.

In diversen Verbänden, Vereinen und Initiativen war Günter Carpus ein unverzichtbarer Mitstreiter im wahren und besten Sinne. Dabei ging es ihm nicht um den oberflächlichen Applaus, sondern um Haltung und Sinnhaftigkeit. Die reflektorische Arbeit mit sich und seinem Wirken war Zeit seines Lebens seine Leidenschaft und dabei hat ihn der Mut nie verlassen. Mit Günter Carpus zu arbeiten hieß Veränderung. Ausruhen und Stillstand war das Seine nicht. Zu den Kunden seines Unternehmens zählen die großen DAX 30 Unternehmen, hidden champions und natürlich die öffentliche Hand. Letztere hat es ihm ermöglicht, durch diverse Projekte auf dem Campus Melaten seine Marke in Aachen zu setzen. Mit der dortigen Ansiedlung der C+P Werkstatt – einem wegweisenden Bürokomplex – war ein großer Schritt zu der gemeinsamen Vision geschafft.  Jeder spürte seinen Stolz und Begeisterung, wenn man ihn zufällig in „seinem“ Bistro beim Essen oder einem Espresso traf und unvermittelt in ein tiefgründiges Gespräch verwickelt wurde.

Im letzten Abschnitt seines Lebens gelang ihm, was vielen erfolgreichen Unternehmern verwehrt bleibt. Nämlich die rechtzeitige Übergabe an die nächste Generation und das Loslassen des geliebten Lebenswerkes zu dessen eigenem Wohl. Mit einem wiederum mutigen und weitsichtigen Prozess beteiligten Peter Winkler und Günter Carpus ihr Unternehmen vertreten durch die Mitarbeiter an der Suche nach einer hoffnungsvollen Zukunft. Das Ergebnis ist ein breitaufgestellter partnergeführter Unternehmensverbund, der mit umfangreicher Mitarbeiterbeteiligung seither ein evolutionäres Wachstum erlebt. Bei diesem Übergang war er nicht allein und viele Menschen haben ihm dabei geholfen, diesen Abschied von seinem Lebenswerk zu meistern. Diese Art von Teamspiel hat er stets genossen und war der unumstößlichen Meinung, dass „Wissen der einzige Rohstoff sei, der sich bei Gebrauch vermehrt.“

Nach diesen anspruchsvollen Jahren als Unternehmer wollte er sich verstärkt seiner geliebten Familie, seinen weitverzweigten Freunden und neuen Projekten zuwenden. Sein Anliegen war es, jungen Menschen eine Chance zu ermöglichen. Folgerichtig wurde 2018 die Stiftung „Starke Kinder“ gegründet. Die Stiftung unterstützt Projekte, die Kindern und Jugendlichen helfen auf dem Weg zu einer hoffnungsvollen Zukunft. Seit der Gründung wurden zahlreiche Projekte in Einrichtungen der Region umgesetzt und werden jährlich mehr.

Peter Winkler und Günter Carpus legten das Startkapital ein und vereinbarten mit den Mitarbeitern, dass ein beträchtlicher Teil der Gewinne des Unternehmensverbund in Zukunft in die Stiftung eingezahlt wird. Ebenso gründete und führte er als Vorstand den Verein Aachen Building Experts und schuf den Studiengang Smart Building Engineer, um dem Mangel an Fachkräften für diese Disziplin an der Wurzel zu packen.

 Mit seiner Frau Ulrike, seinen drei erwachsenen Kindern Carl, Eva und Elke und diversen Enkeln genoss er die Zeit nach seinem Ausscheiden besonders intensiv. Sie begleiteten ihn auch auf seinem letzten schweren Weg und so „hat er den Kreis des Lebens auf eine wunderbare Weise geschlossen“, wie es seine Familie formulierte.

(red)