Viertes Rudelsingen in Aachen wieder großer Erfolg

Rudelsingen im Franz : „Wie unter der Dusche – nur gemeinsam“

Bachkantaten-Gewohnte, Stadiongröler, Unter-der-Dusche-Pavarottis – beim Rudelsingen stehen sie einträchtig nebeneinander und schmettern voller Leidenschaft „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens, „Waterloo“ von Abba oder auch den einigermaßen anspruchsvollen Hit aus dem vergangenen Jahr „Kreise“ von Johannes Oerding.

Dass es beim Rudelsingen nur um den Spaß an der Freud geht, spricht viele an. Und hat sich nach der Premiere im Juni mit der vierten Auflage am vergangenen Dienstag offensichtlich herumgesprochen. Parkplätze waren in der näheren Umgebung der Franzstraße Mangelware und schnell hatte sich eine lange Schlange vor Im Innern knubbelte es sich entsprechend. Da „wir aber am besten im Stehen singen“, wie Chorleiter Jörg Siewert erklärte, fand doch noch jeder ein Steh-Plätzchen.

Siewert ist der Anleiter und Gitarrist im Rudelsingen-Duo, das alle paar Monate im Aachener Franz zum gemeinsamen Schmettern aufruft. Steffen Walter bedient derweil mit stoischer Miene, über die nur manchmal ein Lächeln huscht, das Klavier. Zusammen sorgen sie für den richtigen Sound, der noch durch Unterstützung vom Band verstärkt wird. So musste auch am Dienstag keiner auf den richtigen Beat verzichten und konnte sich auch an so manchem E-Gitarren-Solo vom Original erfreuen.

Keine Genre-Grenzen

Genre-Grenzen kennt das Rudelsingen nicht. Da stehen aktuelle Hits neben Klassikern wie „Über den Wolken“, Genres wie Country, Soul, Pop, Volkslied und Schlager werden direkt nacheinander angestimmt. Und Siewert und Walter sparen in der Programmzusammenstellung auch nicht mit Anspruch. „I love Rock’n Roll“ von Joan Jett and the Blackhearts war angesichts der Textfülle auf schnellem Beat wohl einer der schwersten Songs des Abends. Sprechgesang war für so manchen ebenfalls eine Herausforderung.

Doch eigentlich geht es beim Rudelsingen ja ohnehin ums Mitmachen unabhängig vom eignen Vermögen. „Das ist wie unter der Dusche singen, aber eben gemeinsam“, erfreute sich eine Sängerin sogar an einem von Siewerts und Walters „Geheimnisliedern“ – ein Song, der zwar in der Gema-Liste seit Jahrzehnten unter den Top10 liegt, aber wohl kaum einer der Besucher öffentlich als sein Lieblingslied deklarieren würde. Um herauszufinden, was Geheimnislieder sind, muss man übrigens selbst zum Rudelsingen gehen – so eine der wenigen Regeln.

Weihnachtsgeschenk

Nicht festgelegt ist hingegen das Alter, um eingelassen zu werden. Beim vierten Aachener Rudelsingen, bei dem deutlich mehr als die Hälfte zum ersten Mal da waren, standen und trällerten 70-Jährige einträchtig neben 20-Jährigen. Textzeilen wie „Haben wir hier schlechtes Klima, fahren wir sofort nach Lima“ aus dem Neue-Deutsche-Welle-Song „Sommersprossen“ ließen zum Beispiel die 20-jährige Auszubildende Rita Teresenkova zwar verwundert die Augenbrauen hochziehen, aber spätestens bei der Wiederholung des Refrains war auch sie voll dabei. Verena Damm hatte ihr und anderen Freunden das Rudelsingen zu Weihnachten geschenkt: „In der Gruppe ist das wirklich witzig“, fand die 25-Jährige, die viele der Lieder auch eher von ihrem Vater kennt.

Schönste Erinnerung an die eigene Jugend beschleicht hingegen regelmäßig eine vierköpfige Freundinnen-Gruppe aus Belgien, die von Beginn an Rudelsingen-Fans sind. Hedi Jacobs, Claudia Eickhoff, Astrid Pauquét und Carine Bindels waren auch am Dienstag in der ersten Reihe voll bei der Sache, schunkelten und jubilierten mit Leidenschaft nicht nur so „komplizierte“ Textzeilen wie „Uhh, uh, uhuhuhuhuhuh“ von den 4 Non Blondes. „Das ist unglaublich befreiend, man kann seinen Alltag vergessen“, meinte Hedi Jacobs. Und ihre Freundin Claudia Eickhoff meinte: „Nach so einem Abend geht man entspannt und voller Glücksgefühl nach Hause.“

Die nächste Chance auf Stressabbau und Glückhormone gibt es am 2. April wieder im Café Franz. Der Vorverkauf läuft bereits.