Vier Schulen in Aachen beteiligen sich an Projekt "Erasmus +"

„Erasmus +“ an Aachens Schulen : Unterricht, der im wahren Wortsinn Grenzen überschreitet

Das EU-Programm „Erasmus +“ verbindet Schüler und Lehrer in ganz Europa. In Aachen wurden zum laufenden Schuljahr vier Projekte bewilligt. Neben den schulischen Inhalten, geht es aber vor allem um kulturelle Verständigung.

Wenn die Bürger des tschechischen Liberec shoppen gehen, dann gleicht das manchmal einer kleiner Europareise. Erst geht es nach Polen, dann nach Deutschland und dann wieder zurück nach Tschechien. „Irgendwo ist immer etwas anderes besonders günstig“, berichtet der 15-jährige Jan. Dass der Schüler des Aachener Pius-Gymnasiums die Gepflogenheiten in der knapp 800 Kilometer entfernten Stadt, die ebenfalls in einem Dreiländereck liegt, kennt, liegt an „Erasmus +“ – und natürlich der Gastfamilie, bei der er kürzlich eine Woche verbracht hat. Seine Gasteltern hätten ihm von der europäischen Shopping-Tour berichtet. Und dabei immer wieder betont, dass das noch vor wenigen Jahrzehnten so nicht möglich gewesen wäre, als es die Europäische Union und damit die Freizügigkeit noch nicht gab.

Eine Beteuerung, die man auch in Aachen gerade bei Vertretern älterer Semester immer wieder hört. Trotz kultureller Unterschiede gibt es also viele Gemeinsamkeiten zwischen den Tschechen in Liberec und den Deutschen in Aachen – eine weitere Erkenntnis, die der Schüler von dem Austausch mitnimmt.

Es sind Erfahrungen wie diese, die das Programm der Europäischen Union (EU) jedes Jahr hundert- und tausendfach ermöglicht. Am Pius-Gymnasium erarbeiten seit Schuljahresbeginn Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse mit ihren Lehrern unter dem Titel „Zusammen, aber anders: kulturelle Identitäten – europäische Werte – gemeinsame Herausforderungen“ innerhalb von zwei Jahren mit ihren jugendlichen (und erwachsenen) Partnern in Liberec, Barcelona und Leipzig eine gemeinsame Wanderausstellung. Dazu gehören Austausche vor Ort genauso dazu wie die regelmäßige Kommunikation über Internetdienste.

Dass Schulunterricht im wahren Wortsinn grenzüberschreitend gelingen kann, zeigt nicht nur dieses von der EU geförderte Projekt. Insgesamt vier „Erasmus +“-Projekte wurden zum laufenden Schuljahr an Aachener Schulen bewilligt. Sie heißen „Welterbe Erde – Unsere Gemeinsame Zukunft?“ am Inda-Gymnasium, „Together in Europe for a sustainable future“ am Couven-Gymnasium und „Sing and Move! Kinderlieder und Bewegungsaktivitäten für Prager und Aachener Kindergärten“ an der Käthe-Kollwitz-Schule. Die Schwerpunkte sind zwar jeweils anders, gemeinsam ist ihnen aber vor allem eins: Sie bieten einzigartige Erlebnisse, an die sich die Schüler (und auch die beteiligten Lehrer) noch viele Jahre erinnern werden.

Davon ist zumindest Uta Steinel-Schrenk überzeugt. Sie ist die Koordinatorin des „Erasmus +“-Projekts am Inda-Gymnasium und weiß als solche ganz genau, wie viel Arbeit der erfolgreichen Bewerbung vorausging – „etwa 60 Stunden“, überschlägt sie. Die Arbeit lohne sich jedoch – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die an dem Projekt beteiligten Lehrer. Ein weiteres Plus: Man baut Vorurteile ab. In Zeiten der Globalisierung und des Brexit sei europäische Zusammenarbeit besonders wichtig, sind sich die Schulleiter der beteiligten Aachener Gymnasien Arthur Bierganz (Inda), Ulrich Brassel (Pius) und Michael Göbbels (Couven) einig.

Im Gegensatz zu Jan hat die 13 Jahre alte Chidinma ihren Austausch noch vor sich. Mit einer jungen Griechin habe sie aber schon jetzt regen Kontakt, berichtet die Schülerin des Couven-Gymnasiums. Auf Englisch unterhalte man sich über Musik, Serien, das unterschiedliche Schriftsystem. „Wir haben zwar sozusagen keine geografischen Grenzen mehr, dafür aber kulturelle“, sagt sie. Und das sei ganz schön spannend.