Aachen: Vier Jahre Haft für Investor Kahlen

Aachen: Vier Jahre Haft für Investor Kahlen

Die Liste der Straftaten ist außerordentlich lang - am Dienstag hat der Aachener Investor und Architekt dafür eine empfindliche Strafe kassiert.

Steuerhinterziehung in sieben Fällen, Beihilfe zur Steuerhinterziehung in zwei Fällen, versuchte Steuerhinterziehung, Kreditbetrug, Betrug in zwei Fällen, vorsätzlicher Bankrott in drei Fällen, vorsätzliche Verletzung der Buchführungspflicht in zwei Fällen und vorsätzliche Insolvenzantragspflichtverletzung in vier Fällen - das ist die Liste der Straftaten, wegen derer das Landgericht Duisburg am Dienstag den Aachener Architekten Professor Hans Kahlen verurteilt hat. Mit entsprechenden Folgen: Kahlen muss vier Jahre ins Gefängnis.

Rund 2,5 Millionen nachgezahlt

Elf Verhandlungstage dauerte der Prozess in Duisburg, der eigentlich noch deutlich länger angesetzt war. Wie Landgerichtssprecher Bernhard Kuchler auf Anfrage sagte, habe Kahlen letztlich jedoch ein Geständnis abgelegt. Noch im Frühjahr hatte der Architekt gegenüber Medien die Vorwürfe bestritten.

Außerdem, so Kuchler, habe Kahlen knapp 2,5 Millionen Euro sozusagen auf den Tisch gelegt, um seine Steuerschuld zu begleichen. Das zusammen hat ihm vermutlich einiges an Haft erspart. Kahlen selbst kommentierte den Richterspruch auf Anfrage freilich nicht. „Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wir werden in Ruhe beraten, wie wir nun vorgehen”, sagte er. Für das Projekt Kaiserplatz-Galerie, das der Investor maßgeblich angestoßen hat, habe der Duisburger Beschluss „allenfalls psychologisch Einfluss”. Er werde sich weiter dafür einsetzen, dass es voranschreite.

Vorausgegangen waren der Verurteilung umfangreiche Ermittlungen über lange Zeiträume hinweg. Bereits vor Jahren hatte es Hausdurchsuchungen gegeben. Laut Kuchler waren mehrere Behörden an den Ermittlungen beteiligt, darunter die Duisburger Polizei und Steuerfahnder.

Das Gericht sah es letztlich als erwiesen an, dass der Architekt ein Netzwerk von zehn Firmen aufbaute, „um Gewinne und Einkünfte zu verschleiern”. Einige hundert sichergestellte Urkunden dienten als Beweismittel, Zeugen gab es hingegen nur wenige.

Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber in Aachen macht man sich nun einmal mehr Gedanken um die Zukunft der Kaiserplatz-Galerie. Als deren „geistiger Vater” gilt Kahlen. Herbert Pontzen als Geschäftsführer der zuständigen Projektentwicklungsgesellschaft Aachen hatte jedoch bereits im März zu Beginn des Prozesses betont, dass dies rein gar nichts mit dem Projekt selbst zu tun habe.

So sei Kahlen nur einer von mehreren Gesellschaftern - und auch nicht der größte. Jüngst liefen laut Pontzen Verhandlungen mit Investoren, die in das Projekt einsteigen wollten.

Was wird aus der Bastei?

Planungsdezernentin Gisela Nacken zeigte sich am Dienstagabend zwar überrascht über das Urteil. Auch sie glaubt jedoch nicht, dass die Entscheidung negativen Einfluss auf die derzeit mit Abstand größte Investition in Aachen hat. „Schließlich wird das Projekt längst von einer unabhängigen Gesellschaft geführt und ist nicht direkt namentlich mit Herrn Kahlen verbunden.”

Auch SPD-Fraktionschef Heiner Höfken glaubt nicht an Konsequenzen: „Diesen Zug können wir gar nicht mehr stoppen, selbst wenn wir es wollten.” Und auch Michael Rau (Grüne) sagte: „Die Kaiserplatz-Galerie ist nicht an die Person Kahlen gebunden.”

Bestürzung löste die Nachricht von Kahlens Verurteilung nicht nur bei Vertretern aus Politik und Verwaltung aus - so engagiert der Geschäftsmann sich seit Jahren für das Theater K. Als Besitzer der Bastei stellt er dem Ensemble eine Bühnenplattform zu bevorzugten Konditionen zur Verfügung. „Wir kennen Herrn Kahlen nur als wichtigen Förderer und Freund, der regelmäßig unsere Aufführungen besucht”, sagte Ensemble-Mitglied Annette Schmidt. „Aber selbst wenn die Bastei jetzt zur Disposition gestellt werden müsste, würde das Theater K. als solches keinesfalls gefährdet.”

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