Aachen: Vier Gesichter, eine Botschaft: Toleranz

Aachen: Vier Gesichter, eine Botschaft: Toleranz

Geboren wurde sie vor 37 Jahren im Alten Klinikum an der Goethestraße. Für ihre Mama war das sozusagen ein Heimspiel. Die hat nämlich schon damals dort gearbeitet - insgesamt übrigens 40 Jahre lang. Ihre Tochter nannte sie Seriban, Seriban Ceylan.

Nichts Besonderes? Eben. Klar, dass die junge Frau mit Stolz sagt: „Ich bin Öcher! Hier ist mein Zuhause.” Was also unterscheidet Seriban Ceylan von gut 245000 anderen Aachenern? Eigentlich gar nichts.

Außer vielleicht dies: Wenn die gelernte Busfahrerin, deren Eltern in den Fünfziger Jahren aus der Türkei nach Deutschland kamen, kommende Woche wieder Gas gibt für tausende Öcher, dann könnte es passieren, dass sie selbst quasi in doppelter Ausführung mitfährt. Ab Dienstag nämlich wird ihr Konterfei von hunderten Plakaten in den Aseag-Gefährten lächeln und von zahlreichen Plakatwänden der Stadt.

„Nicht nur über Probleme reden”

Die Botschaft? Eigentlich auch keine besondere. „Ich bin Öcher!”, heißt nämlich auch die neue Kampagne, mit der die Stadt jetzt in die Vollen geht. „Wir zeigen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund, die stellvertretend stehen für die Vielfalt, die unsere Stadt ausmacht”, erläuterte Sozialdezernent Heinz Lindgens das Anliegen im Rathaus.

Denn: „Wir wollen nicht ständig nur über die problematischen Ausnahmen in Sachen Integration reden, sondern auch über die erfreuliche Regel”, ergänzt Integrationsbeauftragte Iris Kreutzer. „90 Prozent der Menschen ohne deutsche Wurzeln sind längst ganz normale Mitglieder dieser Gesellschaft.”

Also holte die Stadt bereits lange vor der allgegenwärtigen Debatte um Sarrazin und Co. vier bekannte Partner ins Boot: Mit Lindgens und Heinrich Emonts, dem Leiter des Fachbereichs Soziales und Integration, präsentierten Aseag-Vorstand Michael Carmincke, Rolf-Leonhard Haugrund, Verwaltungsdirektor des Marienhospitals, und Manfred Paul, Leiter der Hauptschule Aretzstraße, die konzertierte Aktion im Ratssaal.

Tenor: Schließlich heißen deren bewährte Mitarbeiter seit Jahr und Tag nicht nur Noppeney, Plum, Jansen oder Schmitz - sondern genausogut Seriban Ceylan. Oder Dr. Willy Vuenze Kuyitila, 48, seines Zeichens Chemielehrer an der Aretzstraße, oder Maria Elena Ruddigkeit, 42, OP-Schwester in Burtscheid, oder Robert Grabo, 42, Polizist in Aachen-Mitte: Vier von rund 78000 Aachenern aus 156 Nationalitäten, die ihre Gesichter und auch ihre Biografien, wie sie am Freitag berichteten, mit Begeisterung für die neue Kampagne zur Verfügung gestellt haben.

Weil sie alle als individuelle Persönlichkeiten und ganz normale Arbeitnehmer die menschliche und kulturelle Vielfalt in dieser Stadt repräsentieren - und dafür kämpfen wollen, dass das so bleibt. Dr. Willy Vuenze Kuyitila brachte das so auf den Punkt: „Ich liebe meine Arbeit als Lehrer. Ich sehe mich nicht als Ausländer, sondern einfach als Menschen. Es macht mich glücklich, dass ich in meinem Beruf so vielen jungen Leuten helfen kann, die aus den unterschiedlichsten Kulturen kommen.”

Mehr von Aachener Zeitung