Lebensraum für Flora und Fauna: Vielfalt des Westwalls ausgezeichnet

Lebensraum für Flora und Fauna : Vielfalt des Westwalls ausgezeichnet

„Man muss schon genau hingucken“, sagt Manfred Aletsee, Geschäftsführer der Naturschutzstation des Naturschutzbundes (Nabu) Aachen, wenn er vom Westwall spricht.

Manche Abschnitte des der militärischen Verteidigungsanlage des Zweiten Weltkriegs wurden gesprengt, andere abgebaggert. Ein beträchtlicher Teil steht aber noch.

Aufgrund der vielen umherstehenden und mit Moos überwuchernden Betonklötze ermöglicht der Westwall allerdings keinerlei Nutzung. „Die Natur hat sich das Gebiet zurückgeholt“, erklärt Aletsee. „Im Extremfall hat sich sogar Wildnis entwickelt.“ Denn dort, wo der Mensch nicht hinkommt, machen Pflanzen und Tiere keineswegs Halt. Das Ergebnis ist eine große Artenvielfalt im Bereich des einstigen Westwalls.

Das Projekt „Biotopverbund im Westen — der Westwall — umgesetzt von der Nabu-Naturschutzstation Aachen sowie der Naturschutzstation Haus Wildenrath — versucht, diesen Rückzugsraum für Flora und Fauna zu fördern. Nun wurde das Projekt als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Überreicht wurde die Anerkennung von Bürgermeisterin Margrethe Schmeer. Ausgezeichnet werden Vorhaben, die sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

50 Vogelpaare von 15 Arten

Vor allem Lebensformen, die auch ursprünglich in der Region vorkommen, besiedeln die Umgebung der militärischen Denkmäler. „Holunder, Kirsche, Weißdorn oder Hainbuche“, zählt Aletsee beispielhaft auf.

Ebenso in der Tierwelt: Bei einer Zählung am Aachener Westwall konnten rund 50 Brutvogelpaare von 15 verschiedenen Arten entdeckt werden — auf einer Fläche, die halb so groß wie ein Fußballplatz ist. Mit dem Gelbspötter oder der Dorngrasmücke leben auch zwei seltene Vögel in dem Gebiet. „Drumherum gibt es vielleicht fünf Arten“, meint Aletsee. Die Betonklötze selbst schaffen zudem Lebensraum von untypischen Arten.

Finanziert wird das rund 226.000 Euro teure Projekt vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Hälfte der insgesamt dreijährigen Förderlaufzeit sei bereits vergangen, sagt Christoph Boddenberg vom LVR-Fachbereich Regionale Kulturlandschaft. In Zukunft soll der Fokus des Projekts vor allem darauf gesetzt werden, Landwirte und Eigentümer zu gewinnen, die den Lebensraum als solchen erhalten. „Mit ersten, kleinen Erfolgen“, resümiert Manfred Aletsee. Auch eine Beschilderung und der Einsatz digitaler Medien sind angedacht, um vorbeifahrende Radfahrer künftig über die Artenvielfalt des Westwalls aufzuklären.

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