Aachen: Viele schließen sich den streikenden Kindergärtnerinnen an

Aachen: Viele schließen sich den streikenden Kindergärtnerinnen an

Das schöne Wetter deuteten die Streikenden am Dienstag als „ein gutes Omen”. Und auch als sich der Buchstabe „R” vom Transparent löste, war das für die Erzieherinnen und Erzieher ein positives Zeichen.

Spontan überreichten sie den grünen Buchstaben als Symbol für fehlende Ressourcen an Elke Münich, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Denn neben den Arbeitsbedingungen bemängeln die Aktiven im Kita-Streik auch die Personalnot in den Einrichtungen.

„Das R hänge ich nun in mein Büro”, erklärte Münich. „Doch auch ohne das Erinnerungsstück weiß ich, welches Durchhaltevermögen die Streikenden an den Tag legen. Das ist nicht ohne.” Denn nicht nur der Ton der empörten Eltern werde allmählich schärfer, auch bei den Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden hatten die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsberufe bisher noch keinen Erfolg.

Trotzdem bleiben die Kindertagesstätten weiterhin geschlossen. Am Dienstag boten lediglich sechs Einrichtungen Notplätze an. „Der Andrang hielt sich jedoch in Grenzen. Wir denken, das hängt mit den Pfingstferien zusammen”, sagte Rita Clösges vom städtischen Presseamt. Heute sind acht Kitas geöffnet.

Die Suche nach einer alternativen Betreuung für die Kinder bringt einige Eltern in ernste Probleme. „Viele Anrufer haben kein Verständnis für die Streikenden”, sagte Clösges und meint damit die Servicenummer Call Aachen, die unter 432-0 Auskunft über die verfügbaren Notplätze gibt.

Doch vom Unmut der Eltern war bei der gestrigen Stadtrallye nichts zu spüren. Im Gegenteil. Nachdem sich rund 300 Menschen zum Protest vor dem Jugendamt getroffen hatten, schlossen sich ihnen viele Verbündete an: die Verdi-Vertrauensleute der Stadtverwaltung, die Belegschaft der Volkshochschule und der Stadtbibliothek sowie des Stadtbetriebs, die Vertrauensleute des Aachener Klinikums und einige Eltern. Gemeinsam zogen sie laut protestierend zum Katschhof, um dort erneut ihre Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Nicht nur die Erzieher befinden sich derzeit im Streik. Auch die Mitarbeiter der städtischen Offenen Ganztagsschulen kämpfen gegen die „herrschende Bahnhofshallen-Pädagogik”. Und das „solange, bis unsere Forderungen erfüllt werden”, sagte Catrin Renzelmann. Die Sozialpädagogin arbeitet in der Kita Königsberger Straße und ist selbst Mutter von drei Kindern. „Ich kann also beide Seiten verstehen. Aber dieser Streik ist notwendig.”

Deshalb sangen 300 Menschen bei strahlendem Sonnenschein die Protestlieder zu bekannten Schlager-Melodien und zogen - mit Trillerpfeifen und Trommeln bewaffnet - vom Katschhof in die Harscampstraße und zum Theaterplatz. „Denn es müssen endlich ernstzunehmende Verhandlungen geführt werden”, erklärte Viktor Petje von Verdi Aachen.