Aachen: Viele Gedanken sind jetzt bei den Menschen im Gazastreifen

Aachen: Viele Gedanken sind jetzt bei den Menschen im Gazastreifen

Schnee überdeckt vieles. Der Alltag wirkt sehr viel gedämpfter, wenn er von einer weißen Pulverschicht überzogen wird. Ruhig waren die letzten Tage für Otmar Steinbicker trotzdem nicht. Genau wie für die rund 80 Menschen, die sich mit ihm vor dem Rathaus versammelt haben.

„Unsere Gedanken sind bei den Menschen im Gazastreifen”, sagt Steinbicker. Was das heißt, macht der Vorsitzende des Aachener Friedenspreises beklemmend deutlich. „Unsere Gedanken sind mitten im Krieg. Dort rattern Maschinengewehre, dort explodieren Bomben. Es sterben Menschen”, sagt Steinbicker.

Deswegen hat der Aachener Friedenspreis e. V. auf dem Markt eine Mahnwache organisiert. Für die Teilnehmer ist nicht entscheidend, welche Seite die Schuld an der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten trägt. Sie harren in beißender Kälte aus, entzünden Kerzen auf dem gefrorenen Kopfsteinpflaster, weil sie ein Zeichen setzen wollen. Das Blutvergießen müsse beendet werden. Schnell.

Die gleiche Botschaft ist zeitgleich am Kugelbrunnen zu vernehmen. Dort veranstaltet das Aachener Antikriegsbündnis eine Kundgebung mit 24 Teilnehmern. Gefordert wird, dass sich die Bundesregierung „ernsthaft für eine politische Lösung einsetzt” und nicht weiter Verständnis für die Militäraktionen Israels aufbringt.

Auf dem Markt mag Steinbicker die Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand nicht aufgeben. Auch wenn er weiß, dass er wahrscheinlich nicht von langer Dauer sein wird. „Ein Waffenstillstand wird gebrochen, von wem auch immer”, sagt Steinbicker.

Umso wichtiger seien deswegen intensivere Verhandlungen, auch wenn es schwer sei. Denn nur Gespräche könnten dem Gazastreifen wirklich dauerhaften Frieden bringen. Anschließend werden Grußworte verlesen, die dem Aachener Friedenspreis von vergangenen Preisträgern zu geschickt wurden. „Als alteingesessene Israelin habe ich schon schon einige Kriege miterlebt, aber dieser Krieg scheint mir der ungeheuerlichste zu sein”, schreibt zum Beispiel Roni Hammermann aus Tel Aviv. Auch ihre Gedanken sind bei den Bewohnern des Gazastreifens. Bei den Menschen, für die der Krieg blutige Realität ist.

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