Viele Forster sehen ihren Stadtteil vernachlässigt

Zahlreiche Baustellen in Forst : „Ein absolut vernachlässigter Stadtteil“

Wird der Stadtteil Forst-Schönforst von Politik und Verwaltung vernachlässigt? Das jedenfalls sagen immer mehr Forster. Sie haben gute Gründe dafür, wie sich bei einer Bürgerversammlung in der Aula der Gemeinschafts-Grundschule Schwalbenweg herausstellte.

Mehr als 100 Bürger saßen in der Aula dicht an dicht. Eingeladen hatten das Bürgerforum Schönforst und die Interessengemeinschaft Forster Bürger/Siedlergemeinschaft Schönforst. Für jeden Besucher lag ein Fragebogen aus. Gleich die erste Frage brachte es auf den Punkt: „Wie wird Ihrer Meinung nach der Stadtteil Forst von Politik und Verwaltung behandelt im Vergleich zu den Nachbarstadtteilen Brand und Eilendorf?“ Als mögliche Antwort konnten die Bewertungen von „viel besser“ über „besser - gleich gut - schlechter“ bis hin zu „viel schlechter“ angekreuzt werden.

Nach dem zweistündigen Meinungsaustausch bedarf es keiner Prophetie zu sagen, wie das Ergebnis der Umfrage ausfallen wird. Ob in Brand, Eilendorf oder Haaren – überall geschehe sichtbar etwas im Ortsbild, dort setzten sich die Bezirksbürgermeister durch, sagen die Forster, nur in ihrem Stadtteil herrsche Stillstand. Eine Dame sagte es klipp und klar: „Forst ist ein absolut vernachlässigter Stadtteil.“

Dabei zählen die Forster nach Angaben ihrer Sprecher mehr als 20.000 Menschen zwischen Rothe Erde und Brand. Das große Gebiet Forst-Schönforst, rechts und links der es zweiteilenden Trierer Straße, gehört zum Stadtbezirk Aachen-Mitte. Während aber beispielsweise in der Bezirksvertretung Brand „nur Brander Themen“ debattiert würden, sagen die Forster, komme ihr Stadtteil in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte „nur selten“ vor.

„Wird der Stadtteil Forst künftig von Gewerbegebieten erdrückt?“ hieß das Thema des Abends. Doch zur Sprache kam alles, was den Bürgern seit Jahren Sorgen macht. Zwei Mitarbeiter des Projektentwicklers Landmarken AG stellten zunächst den Stand der Dinge und möglich Varianten zum Neubau-Komplex mit Wohnen, Büros und Kleingewerbehof inklusive Geschäften und Gastronomie vor. „Wir wollen Forst ein neues Herz geben“, so das Ziel mit dem Zeitplan 2021/2022 auf einem Areal nahe der Bodelschwinghstraße und einem Teilstück der Lützow-Kaserne an der Trierer Straße. So optimistisch sich das anhörte, blieb dennoch der Eindruck, dass Vieles noch unklar ist zwischen den Plänen des Investors und den Zielen der Stadt.

Der Schuh drückt

Die Forums-Sprecher Bernd Braun, Marco Claßen und Willi Homberg zählten Themen auf, wo die Forster seit Jahren der Schuh drückt. Einzelhandel und Gastronomie liegen im Argen, Autoverkehr und Gewerbegebiete belasten. Große Sorgen bereitet in den Wohngebieten Schönforst ein geplantes Gewerbegebiet im Eck Eisenbahnweg/Madrider Ring, schlappe 100 Meter von den Wohnhäusern entfernt – „hier wird alles zugebaut, das ist nicht so richtig schön“.

Schon zu den Klassikern der Probleme in Forst zählt die sich zuspitzende Verkehrssituation – vornehmlich mit Staus in der Reinhardstraße, aber auch anderswo. Die Bezeichnung „Einkaufsmeile“ für den kleinen Geschäftsbereich zwischen Schopenhauerstraße und Neuhausstraße führte zu Gelächter im Publikum.

265.000 Euro

Zwar lagen einst 265.000 Euro für Umbaumaßnahmen parat, „doch passiert ist nix“. Marode ist die Situation dort wie am nahen Trierer Platz. Der bietet keinerlei Aufenthaltsqualität, Glascontainer und parkende Autos „zieren“ ihn. Seit Jahren liegt die Burg Schönforst als Brache da – „ein Rattenspielplatz“. Gereon Hermens von der engagierten Projektwerkstatt Fahrradfreundliches Brand erläuterte schwungvoll mögliche Strecken für die Radvorrang-Route Brand-Innenstadt durch Forst. Er forderte „ein Radwegekonzept für Forst“.

Außer Sebastian Breuer von den Grünen ließ sich von der Politik niemand blicken; wobei allerding zu beachten ist, dass an diesem Abend die turnusmäßigen Fraktionssitzungen stattfanden. Breuer sprach von einem Ratsantrag der Grünen mit dem Ziel, im Anschluss an ein auslaufendes Programm für Haaren ein Förderprogramm für Forst aufzulegen. Seit Jahren hingehalten, blickte die Forster skeptisch.

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