Aachen: Viel zu früher Abschied: Joachim Rubner tot

Aachen: Viel zu früher Abschied: Joachim Rubner tot

Der Anruf war eindeutig, eine wirkliche Schreckensmeldung, die uns die traurige Gewissheit vermittelte, dass unser langjähriger Kollege und Freund Joachim Rubner tot ist. Er starb im Alter von nur 58 Jahren. Ein Anruf, der so markant, so brutal die Endlichkeit unseres Tuns, unseres Lebens, unserer Gemeinsamkeiten kennzeichnet. Heute bleibt nur der Rückblick. Wie viel schöner wäre ein gemeinsamer Ausblick gewesen!

Achims Leben. Für uns, seine Kolleginnen und Kollegen, war es in erster Linie natürlich sein Leben als Journalist, aber auch als Gesprächspartner jenseits aktueller betrieblicher Ereignisse. Achim war in den 80er Jahren einer „meiner“ ersten freien Mitarbeiter in der „A-1“, der Lokalredaktion Aachen, wurde später Volontär und ab 1. Juli 1988 Redakteur. Er hatte einen großen Anteil daran, dass aus dieser Lokalredaktion ein wirklich erfolgreiches Ressort wurde, das die Kolleginnen und Kollegen später zurecht „1 A“ nannten.

Präzise, zuverlässig, engagiert

Die Aachener Zeitung war ein ganz wesentliches Stück in seinem viel zu kurzen Leben. Bei diesem Redakteur ging, salopp formuliert, die Post ab. Achim war ein Vollblut-Journalist, auf der Uhr der Recherche der nie rastende Sekundenzeiger. Bei ihm war jedoch diese Schnelligkeit nie eine Gefahr für Gründlichkeit. Er arbeitete präzise, zuverlässig, engagiert. Bei ihm spürte man, dass dieser Beruf keine bloße Pflichterfüllung war. Er hatte Spaß am lokalen Journalismus, an dieser Stadt und an den Begegnungen mit ihren Menschen. Kein Gespräch war ihm zu lästig, kein Termin zu viel.

Seine Berichterstattung zeichnete sich durch schnörkellose Dokumentation von Fakten und die Exklusivität eines mit Bedacht entwickelten Netzwerks aus. Seine individuelle Persönlichkeit basierte auf der gediegenen Hochschulausbildung als sprachbegabter Geisteswissenschaftler. Der Anglist lernte trotz seines anstrengenden und zeitlich aufwendigen Berufs abends noch französisch, weil seine Frau Anja ihn überzeugt hatte, endlich einmal Urlaub in Frankreich zu machen. Da wollte er sich verständigen können. Und zwar perfekt!

Achim konnte sich vorzüglich über gelungene Berichte freuen, und er konnte sich ebenso vorzüglich über manchen Zeitgenossen ärgern. Sein typischer Kommentar lautete dann: „Der hat doch einen an der Waffel.“ Dieses Werturteil kam selten vor, aber es war gerade deshalb so vernichtend. Und oft völlig zutreffend.

Achim Rubner verband die Rolle des Spezialisten und des Generalisten in einer Person. Viele Themen hat er sich im Laufe der Jahre akribisch erarbeitet, ein besonderes Augenmerk galt zuletzt der Umweltpolitik und dem Naturschutz. Er interessierte sich für jedes andere spannende Thema, ebenfalls für Interviews und Kommentare. Sogar über Karneval schrieb er — manchmal, eher distanziert, aber voller Respekt. Der neu belebte Schaufenster-Wettbewerb beim Reitturnier trug seine Handschrift, da hatte er sich in den Kopf gesetzt, dass 100 Aachener Geschäfte mitmachen sollten: Er schaffte das über Jahre regelmäßig.

Er schaute als Journalist genau hin. Er verglich. Und wunderte sich hin und wieder. Er war, wie es sich für jeden guten Journalisten gehört, neugierig. Er war angriffslustig und unerschrocken. Er war seriös und fair. Er war auch manchmal stur. Aber er war dialogfähig. Nie unversöhnlich. Und vor allem: Er war ein liebenswerter Mensch und deshalb ein überall beliebter Kollege.

Mit Rückgrat

Der Lokalteil ist das Herz einer regionalen Zeitung. Vor allem hier wird das Engagement, die vermittelnde Art, natürlich auch die Polarisierung in die Zeitungszeilen gepumpt, hier entscheidet sich das Klima einer menschlichen und glaubwürdigen Zeitung. Achim hat diese Aufgabe mit Gradlinigkeit und Rückgrat bewältigt. Er war ein anständiger Journalist, der nicht begierig und sensationslüstern auf die Ausrutscher der Anderen wartete, er war jedoch niemand, der Zimperlichkeit für ein Verfassungsgebot hielt.

Vor drei Jahren ereilte ihn bei einem Sturz ein schlimmer gesundheitlicher Schicksalsschlag, fortan war er auf Pflege, Betreuung, ständige Hilfe angewiesen. Er war in einem Maße gehandicapt, wie es seine willensstarke Persönlichkeit nur schwer ertrug. Am Ende hatte er keine Kraft mehr und wohl auch keinen Lebensmut, der den Hebel noch einmal herumgelegt hätte.

Wir sind sehr traurig, ihn so früh verloren zu haben. Und unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Frau Anja.

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