Müttercafé des Kinderschutzbundes Aachen: Viel mehr als ein Treffpunkt bei einem Kaffee

Müttercafé des Kinderschutzbundes Aachen : Viel mehr als ein Treffpunkt bei einem Kaffee

Der Name könnte missverstanden werden: „Müttercafé“. Klingt im ersten Moment wie „auf einen Kaffee mit Müttern“, also lauschig plaudern bei einem Heißgetränk. Dabei geht es in Wirklichkeit in der Einrichtung des Aachener Kinderschutzbundes um viel mehr.

Nämlich um elementare Sozialarbeit und Betreuung von Familien in schwierigen Situationen oder – noch besser – um die rechtzeitige Vermeidung dieser Situationen. Das Müttercafé an der Düppelstraße hat einen Namenszusatz, der etwas sperrig wirkt, aber einen kompletten Spot auf die wichtige Arbeit wirft: psychosoziale Anlaufstelle und multikulturelle Begegnungsstätte. Das Team um Leiterin Britta Mohr leistet wichtige Arbeit, nicht nur für das Ostviertel, für die ganze Stadt.

Die Anlaufstelle für Mütter mit Kindern unterscheidet sich in ihrem Beratungsangebot von den Mütter- und Elterncafés in vielen Schulen und Kindergärten, die in der Tat eher so etwas wie ein Treffpunkt oder eine Kommunikationsstelle sind. An der Düppelstraße finden feste Konzepte Anwendung, auf die jeweilige Situation zugeschnitten. Britta Mohr darf ein konkretes Beispiel nennen, bei dem einer Familie ganz entscheidend geholfen wurde.

Die Eheleute haben einen älteren Sohn und eine zweieinhalbjährige Tochter. „Das Mädchen beherrschte lange Zeit die ganze Familie. Wenn das Kind etwas nicht bekam, fing es an zu toben und zu schreien, und die Eltern gaben immer schneller klein bei, um ihre Ruhe zu bekommen. Ein Teufelskreis war in Gang gesetzt“, stellt die Bereichsleiterin die Ausgangssituation dar. Ein Hilfeplan wurde erstellt. Klare Erziehungsziele wurden verabredet, Hausbesuche gemacht, und anschließend wurden neue Verhaltensweisen eingeübt.

„Und schnell sahen wir erste Erfolge“, berichtet Mohrs Kollegin Rebecca Braun. Die Eltern wurden zusehends sicherer im Umgang mit ihrer Tochter. Sie erkannten im Alltag den Wert von konsequentem Verhalten, zeigten ihr Grenzen auf und gaben damit Orientierung und Sicherheit. Sie selbst bekamen dadurch wieder Freiraum für ihre Partnerschaft, und das Familienleben wurde von allen als entspannter erlebt.

Selbstverständlichkeiten, die in vielen Familien gelebt werden, bilden die Basis für viele Gespräche und Diskussionen. In deutschen Familien genauso wie in denen mit Migrationshintergrund. Letztere machen einen großen Teil des Spektrums in der Einrichtung aus. „Rund zehn Nationen haben wir regelmäßig hier“, erklärt Rebecca Braun. „Was einerseits als bereichernd empfunden wird, stellt uns auch vor Herausforderungen.“

In manchen Kulturen ist es eher tradiert, Kindern jeden Wunsch zu erfüllen, grenzenlos zu erziehen und den „Profis“ in den Einrichtungen die unangenehmen Seiten der Erziehung zu überlassen. Das Müttercafé begleitet Familien mit ihren Kindern in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstufen und versteht sich als Vorstufe und Wegbereiter, damit die Kinder später in Kita und Schule besser Fuß fassen können.

Tatsächlich sei auch die Gemeinschaft der Mütter ein wichtiges Regulativ. Was Britta Mohr an einem scheinbar banalen Beispiel verdeutlicht: „Eine Mutter hatte zu Hause keine Lust mehr auf den Stress mit ihren Kindern beim Zähneputzen und hat kurzerhand die Zahnbürsten weggeworfen…“ Solch ein Verhalten wird im Gespräch mit den anderen Müttern aufgegriffen, und die Tipps aller anderen Mütter sind dabei immer willkommen.

Ein Grundprinzip ist aber trotz aller Bedeutung der Angebote, trotz der Bandbreite von Vernachlässigung bis Verhätschelung das Prinzip der Freiwilligkeit. Die Mütter müssen die Hilfe wollen. Dabei ist die breite Vernetzung der Einrichtung von großer Bedeutung: Ärzte, Anwälte, Psychotherapeuten, Hartz IV-Beratung, die anderen Stellen des Kinderschutzbundes und vor allem das Jugendamt sind wichtige Kooperationspartner, um im Bedarfsfall auch an die richtigen Stellen weiter zu vermitteln.

www.kinderschutzbund-aachen.de/muettercafe

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