Aachen: Videos belegen brutale Attacke an Tankstelle

Aachen: Videos belegen brutale Attacke an Tankstelle

Der Aachener Rockerkrieg, bei dem zumeist im Ostviertel ansässige Vertreter der Hells Angels und Angehörige des rivalisierenden Motorradclubs Bandidos vor allem im vergangenen Jahr mehrmals auf offener Straße ihre Revierkämpfe austrugen, war am Mittwoch quasi „live“ im Aachener Landgericht zu sehen.

Angriff aus heiterem Himmel

Vor der 7. Großen Strafkammer hatte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking veranlasst, den vier Angeklagten im Alter zwischen 26 und 37 Jahren, die ihnen zur Last gelegten Taten per Videobeweis vorzuspielen. Denn die vier Angeklagten, die am 6. September 2015 gemeinsam mit weiteren, bislang nicht identifizierten Tätern an der Tankstelle Ecke Eisenbahnweg / Trierer Straße zwei mutmaßliche Bandido-Mitglieder überfielen und einen von ihnen dabei schwer verletzten, schweigen bislang auf Anraten ihrer zahlreichen Anwälte zu den Vorwürfen.

Angeklagt sind die vier mutmaßlichen Hells Angels wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch. An der Tankstelle, das zeigen deutlich die Videoaufnahmen aus verschiedenen Kamera-Blickwinkeln, ging es an jenem Sonntag gegen 17.28 Uhr aus aus heiterem Himmel los. Fünf Minuten vor dem Massenüberfall — so war es auf der Übersichtskamera Nummer 12 zu sehen — hatten zwei Personen an der äußeren Tanksäule nahe der viel befahrenen Trierer Straße angehalten, um einen Mercedes SLK zu betanken.

Dann schlichen plötzlich „dunkle Gestalten“ mit Kapuzen-Shirts um die Ecke der Tankstelle und griffen die beiden an. Die Opfer, die wie erwähnt der Gruppierung Bandidos zugerechnet werden, flüchteten in den Kassenraum der Tankstelle, der ebenfalls aus verschiedenen Blickwinkeln videoüberwacht wurde. So zeigte die Kamera an der Eingangtüre, wie das spätere Opfer eilig hereinkam, verfolgt von einem dunklen Angreifer mit einem Baseballschläger in der Hand. Auch das zweite mutmaßliche Bandido-Mitglied wurde unmittelbar verfolgt und noch im Bereich der Eingangstür mehrfach mit einem Baseballschläger malträtiert.

Das alles spielte sich im Shop der Tankstelle ab. Dann eskalierte die Auseinandersetzung vor den Augen des verschreckten Tankstellenpersonals, das sich vorsichtshalber hinter der Kasse in Sicherheit gebracht hatte, und wurde richtig blutig. Dorthin hatte sich der erste der beiden Verfolgten geflüchtet und wollte sich dort in einer Ecke verschanzen. Das Messer, was er bei sich trug, wurde ihm von einem der Angreifer im Gerangel und unter Zuhilfenahme des Baseballschlägers abgenommen. Kurt darauf steckte die Klinge, so zeigen es die Aufnahmen, im Körper des mutmaßlichen Bandido.

Nach dem Messerstich, so war auf den Afzeichnungen zu sehen, verschwand der Angreifer. Der Verletzte bemerkte zunächst offenbar nicht viel von seiner schweren Wunde, wurde jedoch von seinem Begleiter gestützt. Unmittelbar vor der Kassentheke brach er aber dann zusammen.

Hohes Sicherheitsaufkommen

Kurze Zeit später — um 17.35 Uhr — eilte ein herbeigerufener Rettungswagen herbei. Die Sanitäter versorgten den Verletzten, dann wimmelte auf dem kleinen Tankstellengelände vor Polizisten. All das hatten die Überwachungskameras aufgezeichnet.

Im Gerichtssaal herrschte bei der Vorführung der Videos gespannte Stille, „befreundete“ Zuschauer der Angeklagten Rocker sahen sich den Vorfall an. Daher herrschte auch am Mittwoch wieder die höchste Sicherheitsstufe rund ums Landgericht. Es kam jedoch zu keinen Störungen des Gerichtsprozesses.

(wos)