Aachen: Verweste Leiche im Wohnheim entdeckt

Aachen: Verweste Leiche im Wohnheim entdeckt

Nur neun Tage nach der Ermordung einer 71-jährigen Frau in ihrer Wohnung in der Oppenhoffallee ist einen Straßenzug weiter, in der Kongressstraße 18-20, die Leiche eines 55-jährigen Mannes gefunden worden. Der Leichnam wies bereits starke Verwesungsspuren auf.

Die Polizei geht auch in diesem Fall von einem Kapitalverbrechen aus. „Die Obduktion hat eine unnatürliche Todesursache gegeben“, erklärte Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage der Aachener Zeitung. Weitere Details zur Todesursache wollte die Staatsanwaltschaft „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht preisgeben.

Der Tote war bereits am Donnerstagnachmittag entdeckt worden. Er wohnte in einem Übergangswohnheim der Stadt. In der Kongressstraße 18-20 sind etwa zwei Dutzend mittellose Personen untergebracht, viele stammen aus dem Obdachlosenmilieu. „Die Menschen werden regelmäßig vom Sozialamt betreut und besucht, um Hilfestellung bei der Rückkehr in ein normales Arbeitsleben zu geben“, erklärte Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Auch das 55-jährige Opfer wurde in regelmäßigen Abständen aufgesucht. Als zwei Sozialarbeiterinnen am Donnerstagnachmittag vor der verschlossenen Wohnungstüre des 55-Jährigen standen, nahmen sie starken Verwesungsgeruch war. Ein Nachbar berichtete ihnen zudem, dass man den Mann seit Tagen nicht mehr gesehen habe. Die Sozialarbeiterinnen verständigten einen Schlüsseldienst und alarmierten die Polizei. Der Einsatzort ist bei den Beamten durchaus bekannt. 25 Delikte weist die Einsatzstatistik für diese Wohnheim-Adresse seit Januar 2012 auf — meist ging es um Ruhestörungen.

„Nachdem man am Donnerstag die Wohnung betreten und die Leiche gefunden hatte, war klar, dass der Mann schon einige Zeit tot sein musste“, schilderte Klösges die Eindrücke der städtischen Mitarbeiterinnen. Sie wurden am Freitag — ebenso wie der Hausmeister und weitere Bewohner des Hauses — von der Polizei befragt. Hinweise auf einen dringend Tatverdächtigen hätten sich zunächst nicht ergeben, erklärte Oberstaatsanwalt Deller. „Wir gehen davon aus, dass wir schon bald weitere Einzelheiten bekanntgeben können“, sagte er. Am Freitag stellte die Spurensicherung vor Ort weiteres Beweismaterial sicher.

Vor wie vielen Tagen der 55-Jährige umgebracht wurde, sei noch unklar, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Verwesungsgeschwindigkeit hänge von vielen Rahmenbedingungen ab — etwa der Raumtemperatur, erläuterte Deller. Präzise Rückschlüsse auf Todeszeitpunkt, Tathergang und — bestenfalls — den Täter sollen weitere Untersuchungen ermöglichen.

Sachdienliche Hinweise können an das Polizeipräsidium unter 9577-31101 gerichtet werden.