Aachen: Vernissage zur Ausstellungseröffnung zu Mies van der Rohe

Aachen: Vernissage zur Ausstellungseröffnung zu Mies van der Rohe

„Ich liebe Aachen, aber Aachen liebt mich nicht“. 1962 soll Mies van der Rohe dieser Überzeugung gewesen sein. Nach dem vergangenen Donnerstagabend müsste der gebürtige Aachener, wenn er denn doch leben würde, seine Aussage unbedingt revidieren.

Hunderte Besucher strömten zur Vernissage der Ausstellung „Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA“ in das Ludwig Forum. Jung und Alt nahmen im Beisein von Oberbürgermeister Marcel Philipp am Festakt teil.

Ausstellungseröffnung „Mies-van-der-Rohe“: Der Andrang zur Vernissage, die eher ein Festakt war, war gewaltig. Rund um die Mulde des Ludwig Forums mussten zahlreiche Besucher stehen. Foto: Andreas Steindl

Den Anlass nannte Andreas Beitin, Leiter des Ludwig Forums, „in aller Bescheidenheit eine Weltpremiere“. Im Kontext von moderner und zeitgenössischer Kunst präsentiert die Ausstellung mit rund 50 Leihgaben aus dem MoMA, dem New Yorker Museum of Modern Art, weltweit erstmalig in diesem Umfang die Collagen und Fotomontagen des international renommierten Architekten.

Andreas Beitin, Leiter des Ludwig Forums: „Jede Skizze ist ein eigenständiges Kunstwerk.“ Foto: Andreas Steindl

„Weniger ist mehr“

Mies’ klarer, schlichter Stil — getreu dem Leitsatz „Weniger ist mehr“ — machte ihn zu einem der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Gestaltungsprinzipien finden sich auch auf den Collagen und Fotomontagen wieder. Diese reichen von dem eingereichten Entwurf für das Bismarck-Denkmal am Rhein (1910) über seine Tätigkeit in den USA bis hin zu dem Entwurf für die Neue Nationalgalerie in Berlin aus den 1960er Jahren. Für Beitin sind sie mehr als nur skizzenhafte Begleiter des architektonischen Entstehungsprozesses. „Jedes einzelne ist ein eigenständiges Kunstwerk”.

Eine Besonderheit liegt auch darin, dass Mies bereits in seinen Werken Architektur und bildende Kunst miteinander verbindet. In vielen Collagen finden sich Reproduktionen von Werken befreundeter oder geschätzter Künstler, die er zum Teil selbst sammelte. Die Ausstellung hat diesen Aspekt aufgegriffen und stellt mehrere Originale aus, auf die in den Collagen Bezug genommen wird. Mit dabei sind unter anderem Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee und Wilhelm Lehmbruck. Auf der 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche werden zudem Arbeiten von sechs zeitgenössischen Künstlern präsentiert, die sich unmittelbar mit Mies’ Schaffen auseinandersetzen.

Die Idee zur Ausstellung hatte Brigitte Franzen, ehemalige Leiterin des Ludwig Forums und Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung. In Ihrer Rede lobte sie die Umsetzung der Idee durch ihren Nachfolger Beitin. Lobenswert, so waren sich alle Redner einig, war auch die Unterstützung durch die vielen Kooperationspartner und Förderer.

Dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat, zeigen die ersten Reaktionen der Besucher. Claus Richter studiert Bauingenieurwesen und findet gerade das Experimentelle an den Arbeiten spannend.

„Ich muss wiederkommen“

Architekt Hans-Walter Mohr hat sich schon als Student oft mit Mies beschäftigt und zeigt sich von seiner Klarheit beeindruckt. Der Aachener ist sich nach einem ersten Durchgang schnell sicher: „Ich muss wiederkommen”.