Aachen: Verliebt in einen Roboter: Das muss Slapstick sein

Aachen: Verliebt in einen Roboter: Das muss Slapstick sein

Auf den ersten Blick wirkt der Dreh zur Serie „Herzen in Weiß“ normal. Ein Mann mit Knochenbrüchen liegt im Krankenhaus-Bett, daneben sitzt die weinende Mutter. Aber dann lacht die Krankenschwester grundlos auf. Und auch der Arzt scheint nicht ganz bei der Sache zu sein: „Das ist ein reiner Routineangriff“, versichert er seinem Patienten.

Der cholerische Regisseur Chance wird wütend. Denn sein Schauspieler hat offensichtlich einen „Vokalfehler“. „Es ist nichts im System, bestimmt nicht“, beeilt sich eine Dame am Computer zu sagen.

Nichts im System? Der Zuschauer des Theaterstücks „Ein komisches Talent“ ist verwirrt. Im Space des Ludwig-Forums sieht er sich die 20. Aufführung des Theater Tacheles an. Dann wird ihm klar: Die Schauspieler der hier dargestellten Krankenhaus-Serie sind keine Menschen — sie sind Aktroiden, also Roboter, die alle Darsteller aus Kostengründen ersetzt haben. Zwei Damen am Computer sind für ihre Programmierung zuständig.

Diese Idee des englischen Theaterautoren und Satirikers Alan Ayckbourn ist absolut abgefahren. Typisch britisch. So skurril wie die Anfangsszene geht das gesamte Stück weiter. Ein Fan des Regisseurs — gespielt von Tobias Valtinat — heuert bei ihm als Assistent an. Adam (Philipp Michalschik) glaubt in der lachenden Krankenschwester Jacie (Ramona Rettmann) ein Talent entdeckt zu haben. Heimlich bringt er ihr klassische Comedy-Techniken bei. Obwohl Chance ihm versichert: „ Sie hat keinen Humor.“ Schnell — der Zuschauer ahnte es schon — verliebt Adam sich in die niedliche und überzeugend gespielte Aktroidin.

„In dem Stück geht es darum: Was ist Liebe? Kann man sie programmieren? Ist sie ein chemischer Prozess“, erklärt Regisseur Stephan Wurfbaum. Er mag die Slapstick-Einlagen des Bühnenwerks. Es ist eine Hommage an Komiker wie Buster Keaton oder Laurel und Hardy. Dem Zuschauer gefiel‘s: „Das war doch ganz amüsant, diese Phrasendrescherei und die Typisierung der Verhaltensweisen“, so Ernst Dyzak. Eine andere Zuschauerin ist begeistert davon, „dass sich die Komik so langsam aufgebaut hat“.

Zurück zum Stück: Adam und Jacie brennen gemeinsam durch. Es kommt zu lustigen Szenen am Restaurant-Tisch, die zum Fremdschämen animieren: Aktroidin Jacie muss nach dem Essen durch eine Schraube am Unterleib geleert werden. Das übernimmt Adam — unter dem Restauranttisch. Am Set wird bereits nach den beiden gesucht. Und auch die Presse hat Wind von ihrer Liebelei bekommen. Wie es mit den beiden weitergeht?

Das können die Zuschauer erfahren, und zwar am Donnerstag, 25. April, Freitag, 26. April und Samstag, 27. April jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 28. April um 11 Uhr — mit Frühstück. Einlass in das Space im Ludwig Forum ist jeweils eine halbe Stunde bzw. morgens eine Stunde vor Beginn.

Karten gibt es an der Abendkasse sowie in der Buchhandlung Schmetz am Dom.

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