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Verkehr auf dem Campus in Aachen stets im Blick

„Intelligente Mobilität“

Verkehr auf dem Campus stets im Blick

Jederzeit im Blick der Kameras und Sensoren: Die unscheinbaren Kästen an den Laternenmasten sorgen dafür, dass die aktuelle Verkehrssituation auf dem Campus Melaten jederzeit umfassend dokumentiert werden kann. FOTO: Harald Krömer

Aachen Was passiert wann, wo und wie im Straßenverkehr? Umfassende Antworten sollen in Kürze 46 Messstellen auf dem Campus Melaten übermitteln. Im „Testfeld“ nahe dem Uniklinikum entwickelt die RWTH derzeit ein komplexes digitales System zur permanenten Erfassung der Situation vor Ort.

Auf dem Campus Melaten ist „intelligente Mobilität“ inzwischen mehr als eine technische Vision: Vielmehr steht der gesamte Verkehr im Bereich zwischen Campus-Boulevard, Forckenbeckstraße und einem Teilstück des Seffenter Wegs in Kürze sozusagen unter verschärfter Beobachtung – ganz real, Sekunde für Sekunde.

Nicht weniger als 46 Messstellen hat das RWTH-Institut für Kraftfahrzeuge (ika) in der vergangenen Woche dort eingerichtet, um das Verkehrsgeschehen „vor Ort“ in allen Nuancen zu erfassen. „Dazu haben wir Kameras und Laserscanner in rund sechs Metern Höhe an Laternenmasten installiert, die Fußgänger, Radfahrer und Kfz im gesamten Umfeld permanent im Blick haben“, erläutert Projektleiter Laurent Klöker. Und damit sollen auch und vor allem die ambitionierten Pläne zum Einsatz selbstständig fahrender Autos in Kürze ein großes Stück weit auf die Zielgerade einbiegen, hoffen die Experten. Ziel ist die Schaffung einer umfassenden Datengrundlage, um automatisierte Fahrfunktionen zu entwickeln und abzusichern.

Das komplizierte Verfahren gilt als essenzieller Bestandteil des groß angelegten Förderprogramms „ACCorD“ zur Entwicklung eines digitalen „Korridors“ für (vorerst zumindest teilweise) selbstständig agierende Fahrzeuge zwischen Dreiländereck und Düsseldorf: Bereits gegen Ende des Jahres sollen sie auf dem Campus unterwegs sein, während sie in Echtzeit mit Daten zur Verkehrssituation im weiteren Umfeld „gefüttert“ werden, um aktuell auf die realen Gegebenheiten – zum Beispiel hinter der nächsten größeren Kreuzung – reagieren zu können. In den kommenden Monaten sollen zwei weitere digitalisierte Testfelder an der Bundesstraße 56 bei Aldenhoven und am Autobahndreieck Jackerath errichtet werden.

Finanziert wird das Projekt in der Trägerschaft des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt – Kostenvolumen rund 11,11 Millionen Euro – zum größten Teil aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Beteiligt sind neben dem ika und dem RWTH Aachen-Institut für Straßenwesen unter anderem die Aachener Unternehmen Moove GmbH (ehemals E.Go.Moove GmbH) und Ford sowie der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalisierung und Europa der Stadt Aachen.

Datenschutz gewährleistet

Das ausgeklügelte „Monitoring“ vor Ort soll in den kommenden Wochen starten, berichtet Klöker – und betont, dass der obligatorische Datenschutz selbstverständlich jederzeit gewährleistet sei. „Kennzeichen oder Personen können nicht identifiziert werden“, unterstreicht er. Die Laserscanner bilden vielmehr sogenannte Punktwolken ab, um die Bewegungen von Fahrzeugen und Fußgängern aus der Vogelperspektive festzuhalten. Bilder, die per Kamera übermittelt werden, werden grundsätzlich nicht gespeichert. Und schon in wenigen Monaten soll das spannende Experimentierfeld erweitert werden: „Dann werden zunächst Fahrzeuge auf dem Campus unterwegs sein, die mit entsprechenden digitalen Erfassungssystemen ausgerüstet sind“, berichtet der ika-Doktorand. Sie erhalten dabei zum Beispiel auch Informationen über Positionen von Fußgängern, die sich gerade außerhalb des „analogen“ Sichtfelds, etwa im Schatten von Bussen oder Lkw, befinden. In einem weiteren Schritt sollen dann teils automatisierte Forschungsfahrzeuge zum Einsatz kommen, die prekäre Situationen quasi jederzeit im Blick haben.

Auch in unmittelbarer Umgebung des eigentlichen „Testfelds“ auf dem Campus wird zudem intensiv am „intelligenten Korridor“ gearbeitet. So werden derzeit Ampelanlagen auf der Vaalser Straße mit modernster Hard- und Software ausgerüstet, die Infos über ihre eigenen Signalphasen per WLAN oder Mobilfunk an die Bordcomputer übermitteln können. Letztlich soll damit auch eine Kommunikation zwischen den motorisierten Verkehrsteilnehmern ermöglicht werden. Schließlich wird eine zentrale Datenbank eingerichtet, in der alle anonymisierten Informationen verarbeitet werden, damit sie für weitere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie für Simulationen genutzt werden können – um der „intelligenten Mobilität“ ganz neue Wege vor allem im Zeichen des Umweltschutzes und der Sicherheit zu bahnen.

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