Aachen: Vergewaltigung in der JVA: Prozessbeginn

Aachen : Vergewaltigung in der JVA: Prozessbeginn

Weil sie einen Mithäftling brutal misshandelt und sexuell gefügig gemacht haben sollen, müssen sich die heute 28-jährigen Strafgefangenen Adrian L. und Pascal K. seit Mittwoch vor der 5. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts verantworten.

Dort hat die Staatsanwaltschaft die beiden wegen sexueller Nötigung, Körperverletzung sowie der Nötigung zu einer fälschlichen Beschuldigung angeklagt. Denn laut Staatsanwaltschaft sollen die beiden ihr Opfer gezwungen haben, einen dritten unbeteiligten Strafgefangenen zu beschuldigen, er habe die Taten begangen.

Der zweite Angeklagte Pascal K. aus Stolberg steht „nur“ wegen Beihilfe zu diesen Taten vor der Strafkammer. Haupttäter soll Adrian L. aus Heinsberg sein, der 2014 im Alter von 24 Jahren wegen räuberischer Erpressung zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Er hatte sein Opfer laut Staatsanwaltschaft im März 2015 im Duschraum der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen ins Visier genommen, wo er einen sichtbaren Hautausschlag bei ihm bemerkte.

In der Anklageschrift heißt es, die beiden Täter hätten das Scheuermittel „Ata“ besorgt und den Flurkumpel in einer Zelle damit auf den befallenen Hautstellen eingerieben und mit einer Drahtbürste „abgeschrubbt“. Die Schmerzen sollten als Warnung dienen, dass er ab dann sexuell gefügig für Adrian L. sein sollte. Auch private Sachen habe er abgeben müssen.

Als Hauptvorwurf steht eine Vergewaltigung des misshandelten Opfers am 24. März 2015 in dessen eigener Zelle im Raum. An dem Abend soll Adrian L. und sein Gehilfe in die Zelle des Malträtierten gegangen sein. Da habe L. sein Opfer gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Als der sich weigerte, soll er laut Anklage so lange Faustschläge kassiert haben, bis er seinem Peiniger dann doch zu Willen war. Anschließend wollte die Täter die Sache dann einem anderen Häftling anhängen. Die beiden Angeklagten äußerten sich am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen.

Das Opfer ist inzwischen wieder entlassen und war für den Mittwoch als Zeuge geladen. Er kam jedoch nicht und wird jetzt am nächsten Verhandlungstag, dem kommenden Freitag, von der Polizei abgeholt und dem Gericht vorgeführt.