Aachen: Verein zur Förderung Sehbehinderter feiert 50-jähriges Bestehen

Aachen: Verein zur Förderung Sehbehinderter feiert 50-jähriges Bestehen

Ohne das Engagement der Eltern hätte es den Verein zur Förderung Sehbehinderter gar nicht gegeben. Und auch die Johannes-Kepler-Schule wäre wahrscheinlich nur ein Traum geblieben. „Damals gingen Kinder mit Sehbehinderungen in eine herkömmliche Schule“, erinnerte Konrektorin Armgard Gessert während der 50-Jahr-Feier an vergangene Zeiten.

Dort mussten sie sich ohne jegliche Unterstützung oder Hilfsmittel zurechtfinden. Die Eltern gründeten erst einen Verein zur Förderung Sehbehinderter und setzten sich dann für eine eigene Schule ein. Seit 1976 ist sie am Hander Weg In Laurensberg beheimatet, davor ist sie immer wieder umgezogen.

Heute bestimmt die Inklusion den Alltag der Schüler und Lehrer. Die Johannes-Kepler-Schule, heute in Trägerschaft des Landschaftsverbandes Rheinland, hat keine Klassenzimmer mehr. Die Lehrer fahren zu ihren Schülern, die längst in Regelschulen unterrichtet werden.

Sie betreuen von der Eifel bis nach Heinsberg 76 Kinder in der Frühförderung, 55 Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf und 35 weitere Kinder in der allgemeinen Beschulung. Insgesamt sind rund 170 Kinder auf die ein oder andere Weise an die Johannes-Kepler-Schule gebunden, so Gessert. Überflüssig sei diese noch lange nicht, betont sie. Sie sei das Zentrum für die Belange und Bedürfnisse der Schüler, der Lehrer und nicht zuletzt auch der Eltern.

Zweifelsohne aber ist die Inklusion, die an Schulen umgesetzt werden soll, für die Johannes-Kepler-Schule eine Wendemarke. Aus einer Präsenzschule, in der Unterricht in Klassen stattfindet, wird eine Integrations- und Beratungsschule.

Allerdings haben nicht unbedingt alle Schüler die Veränderungen mit Jubel begrüßt. „Es gab auch Schüler, die es vorgezogen hätten, in der vertrauten Schule zu bleiben“, so Sabine Epple, erste Vorsitzende des Sehbehinderten-Vereins. Doch auch ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Der Verein öffnete sich mit der Inklusion einer größeren Gruppe von Sehbehinderten, fördert aber auch weiterhin in erster Linie die Schule und ihre Beratungsangebote.

Laut Prof. Frank Stein, zweiter Vorsitzender des Vereins zur Förderung Sehbehinderter, befindet sich die Welt der Sehbehinderten derzeit in einem großen Wandel. Die Nutzung von Gebrauchsgegenständen wie Haushaltsgeräten, Internet und Büchern werde immer einfacher. Handys, die bei der Gesichtserkennung helfen, und Navigationssysteme, die auch für Sehbehinderte nutzbar sind, sind demnach schon lange keine Zukunftsmusik mehr. Stein zeichnete im Rahmen der 50-Jahr-Feier ein Bild vom „Leben eines Sehbehinderten im Jahre 2020“. Auf dem Programm standen auch eine Reihe weiterer Vorträge für Menschen mit Sehbehinderungen.

Und schließlich nahmen Verein und Schule das Fest zum Anlass, um zwei Mitarbeiterinnen für ihre langjährige Treue zu danken. Sabine Epple, die erste Vorsitzende des Vereins, wurde für 25 Jahre Vereinsmitgliedschaft ausgezeichnet, und Hildegard Plager war über 20 Jahre lang Lehrerin an der Johannes-Kepler-Schule. Auch ihr galt ein ganz ausdrücklicher Dank.

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