Verein wehrt sich gegen eine Bebauung des Landschaftsschutzgebiets

Flächennutzungsplan der Stadt Aachen : Umweltschützer wollen die Beverau erhalten

Mit einem neuen Flächennutzungsplan will die Stadt Aachen die grundsätzliche Bebaubarkeit von Flächen regeln. Eine dieser Flächen liegt in der Beverau. Dagegen wehren sich die Mitglieder des Vereins Umwelt- und Landschaftsschutz Aachen-Beverau – und zwar bereits seit Jahren.

Wer den Eselsweg entlang läuft, könnte schnell vergessen, dass er sich auf Aachener Stadtgebiet befindet: Weit und breit außer Wiese und Wald nichts zu sehen. Hier, zwischen Adenauerallee, Lintertstraße und Kornelimünsterweg liegt das Landschaftsschutzgebiet Beverau. Dass das so bleibt, dass also hier keine Häuser gebaut werden, dafür kämpft seit Jahren die Bürgerinitiative Beverau, die Ende 2017 im Verein Umwelt- und Landschaftsschutz Aachen-Beverau aufgegangen ist. Seitdem die Stadtverwaltung ihren neuen Entwurf für den Flächennutzungsplan 2030 veröffentlicht hat, macht der Verein wieder auf sein Anliegen aufmerksam. Denn die Stadt sieht auch in der Beverau Potenzial für Wohnbebauung.

„Seit 2014 engagieren wir uns für den Schutz der Beverau“, sagt Georg Franz, Vorsitzender des Vereins. Seinerzeit sah der Vorentwurf des Flächennutzungsplans (FNP) vor, 18,5 Hektar für Wohnungsbau zu erschließen (Variante 1). Ein Unding in den Augen der Umwelt- und Landschaftsschützer. Damals, noch als Bürgerinitiative, hatten die Aktiven 3000 Unterschriften für den Erhalt der Beverau gesammelt. Seitdem hat sich einiges getan, das potenzielle Wohngebiet wurde auf 9,2 Hektar (Variante 2) und in der jüngsten Fassung auf 7,6 Hektar (Variante 3) verkleinert. Immer noch zu viel, finden die Vereinsmitglieder.

„Die Beverau sollte nicht bebaut werden, auch nicht in dem jetzt vorgesehenen Stück“, betont Jochen Linke, Schatzmeister des Vereins. Zum Einen sei das Areal wichtig als Entstehungsort von Kaltluft, die wiederum gerade in den Sommermonaten in der Stadt für Abkühlung sorgt, und nicht nur das: „Dadurch, dass die kalte, saubere Luft von der Beverau in die Stadt zieht, wird die aufgeheizte, mit Schadstoffen belastete Luft ausgetauscht“, sagt Linke. Würde die Fläche bebaut – sei es auch nur das verkleinerte Areal von 7,6 Hektar – würde deutlich weniger Kaltluft in die Aachener Innenstadt einfließen. „Leiden würden darunter unter anderem die Bürger im Frankenberger Viertel“, erklärt Jeanette McGrath, ebenfalls Mitglied im Vorstand. Belegt werde die These durch eine wissenschaftliche Studie der RWTH aus dem Jahr 2000.

Foto: ZVA/Grafik

Hinzu komme, dass die Beverau Lebensraum sei für eine Vielzahl von Tierarten, so Linke: Hasen, Füchse, Störche oder Rehe, beispielsweise. Und die, so sind sich die Mitglieder des Vereins sicher, fühlen sich ausgerechnet in dem Gebiet wohl, das jetzt noch für eine mögliche Bebauung vorgesehen ist. „Auf den Feldern südlich des Eselswegs ist es viel ruhiger“, sagt Georg Franz. Das liege zum einen daran, dass hier weniger Lärm von der Adenauerallee zu hören sei. Auch sei die grelle Straßenbeleuchtung im Süden des Areals nicht mehr so stark.

Man habe die Fläche Beverau intensiv geprüft, erklärt das städtische Umweltamt auf Anfrage unserer Zeitung. Aufgrund einer Vielzahl von Eingaben – und unter anderem aus Bodenschutzgründen – sei die oben beschriebene Verkleinerung auf nun 7,6 Hektar erfolgt. „In dieser Abgrenzung wird eine Inanspruchnahme für insgesamt verträglich gehalten“, heißt es aus der Verwaltung. Diese Flächenabgrenzung finde sich nun in dem Entwurf, über den politisch beraten wird.

Kein preisgünstiger Wohnungsbau

Abgesehen von den Umweltschutzaspekten haben die Mitglieder des Vereins Umwelt und Landschaftsschutz Aachen-Beverau Zweifel daran, dass an dieser Stelle die Wohnungsnot in Aachen gelindert werden kann. „Die Häuser, die hier gebaut würden, wären sicherlich nicht im preisgünstigsten Segment“, schätzt Jeanette McGrath, die sich gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern weiterhin für den Schutz der Beverau einsetzen will. Außerdem würde, so ergänzt Georg Franz, durch ein neues Baugebiet die Verkehrssituation auf der ohnehin schon sehr belasteten Adenauerallee und Trierer Straße noch verschärft.

Geplant sind unter anderem Gespräche mit Politikern unterschiedlicher Parteien. Jeannette McGrath sagt: „In Sachen Klimaschutz dürfen wir einfach keine Kompromisse mehr eingehen.“