Aachen: Verein Nepalhilfe bittet um Unterstützung

Aachen: Verein Nepalhilfe bittet um Unterstützung

Grenzenlose Hilfe — das hat sich die „Nepalhilfe Aachen“ (NHA) in jeglicher Hinsicht auf die Fahnen geschrieben. 1991 gründete der Aachener Verleger Helmut Falter gemeinsam mit Freunden den Verein.

25 Jahre später ist er die zweitgrößte private Hilfsorganisation zu Nepal in Deutschland, zählt rund 350 Mitglieder und konnte etwa zwei Millionen Euro Spenden sammeln, welche seitdem in zahlreiche Projekte in den Bereichen Bildung, Dorfentwicklung und Gesundheit geflossen sind. Frauenalphabetisierung, Schulbau, Wasserversorgungsanlagen, der Bau von Lehmöfen, Health Camps, die Herstellung und Verteilung von Rollstühlen und anderen Hilfsmitteln für Behinderte. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

Den Zerstörungen folgt der Wiederaufbau: Dazu werden dringend weitere Spenden benötigt.

Dabei setzt die NHA seit jeher auf Organisationen, Experten und Repräsentanten vor Ort. Aber auch Mitglieder des Vereins treten regelmäßig die lange Reise von Deutschland nach Nepal an, um sich persönlich über den Stand einzelner Projekte zu informieren. Einer von ihnen ist Ralf Pütz, der seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich für die NHA tätig ist, mittlerweile als stellvertretender Vorsitzender. Der 49-Jährige besuchte vor 30 Jahren zwischen Abitur und Zivildienst erstmalig Nepal. Von da an ließ ihn das Land nicht mehr los. Dass er dieses durch seine Arbeit nun auch unterstützen kann, ist für ihn ein Glücksfall. Denn das ist dringend nötig: Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Den 25. April des vergangenen Jahres hat auch Pütz noch in lebhafter Erinnerung. Erdbeben der Stärke 7,6 und 6,6 erschütterten das Distrikt Gorkha, dem die NHA seit vielen Jahren verbunden ist. Die Auswirkungen: katastrophal. Doch es kam noch schlimmer. Am 12. Mai wurde auch das Distrikt Dolakha von starken Erdbeben heimgesucht, denen zahlreiche Nachbeben folgten. Knapp 9000 Tote, mehr als 22.000 Verletzte, mehrere Hunderttausend zerstörte Gebäude — so die traurige Bilanz. Glück im Unglück: Keinem der Mitarbeiter der NHA, die sich zu dem Zeitpunkt vor Ort befanden, ist etwas passiert.

Ein Jahr liegt das erste Erdbeben mittlerweile zurück. Sehr viel ist noch zu tun. Das ist auch das Fazit der NHA. Unmittelbar nach den Erbeben leistete sie mit 30.000 Euro finanzielle Soforthilfe für drei Krankenhäuser im Distrikt Gorkha und in Kathmandu. Im Mai organisierte sie mehrere Hilfstransporte für Familien, die in Lapsibot (Gorkha) sowie Benighat und Dhusa (Dhading) leben.

„Das hört sich so einfach an, war aber in Anbetracht der Zerstörungen, auch der Straßen, keine leichte Aufgabe für unseren lokalen Repräsentanten Ravi Kandel“, blickt Pütz zurück. Weitere Probleme kamen hinzu und machten den Wiederaufbau fast unmöglich: politische Fehlentscheidungen, Knappheit von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Sprit aufgrund einer Blockade der Grenze nach Indien sowie weitere Nachbeben.

Dennoch konnte die NHA wichtige Projekte planen und vorbereiten, die nun schnellstmöglich umgesetzt werden sollen. Das Ziel: Insbesondere für Kinder soll das Leben möglichst normal weitergehen. Daher werden im Distrikt Dolakha zwölf Schulen von der NHA wieder aufgebaut.

Finanzielle Unterstützung erhält der Aachener Verein bei dem 310.000 Euro umfassenden Projekt vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, fachliche von der Deutsch-Nepalischen Hilfsgemeinschaft aus Stuttgart. Diese stellen unter anderem einen Projektleiter und einen Ingenieur vor Ort. Momentan sind viele Schulkinder noch in Übergangsklassenräumen aus Wellblech untergebracht.

Die neuen Schulgebäude, die jeweils mit zwei Klassenräumen ausgestattet sein werden, sind zudem erdbebensicher. „Dass diese Schulgebäude wieder saniert oder aufgebaut werden können, ist vor allem der enormen Spendenbereitschaft vieler Menschen zu verdanken“, erklärt Pütz. Mehrere Hundert Spender — darunter Einzelpersonen, Schulklassen, Schützenbruderschaften und nepalische Studierende in Aachen — haben nach den verheerenden Erdbeben spontan Geld- oder Sachspenden beigesteuert.

Pütz war selbst im Oktober des vergangenen Jahres drei Wochen lang vor Ort und hat sich ein Bild von der Situation gemacht. Er ist zuversichtlich, dass nun schnell mit dem Aufbau begonnen werden kann. Aber nicht nur damit: Die NHA unterstützt auch die fünfjährige Ausbildung und Begleitung von Lehrern in der neuen Unterrichtsform „Multi Grade Multi Level“ — kurz MGML, bei der jahrgangsübergreifende Klassen gebildet und Kinder individuell unterrichtet werden. So soll langfristig die Unterrichtsqualität verbessert werden.

Auf seiner letzten Reise ist Pütz aber noch eine andere Sache aufgefallen: „Aus Angst vor weiteren Erdbeben zieht es zurzeit kaum Touristen nach Nepal. Somit bricht fast ein ganzes Gewerbe in dem Land weg, denn viele Menschen in Nepal leben vom Tourismus“, erklärt Pütz. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran und reist bald wieder in seine „zweite Heimat“. Dann unternimmt er mit Freunden eine Trekking-Tour durch Nepal. „Ich hoffe aber auch, dass ich dann die Einweihung unserer ersten Schule miterleben kann.“

Mit Spenden können die Projekte der Nepalhilfe Aachen unterstützt werden: Aachener Bank, IBAN: DE96 3906 0180 2100 0000 19

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