Aachen: Verbund: Damit die Opfer nicht alleine bleiben

Aachen: Verbund: Damit die Opfer nicht alleine bleiben

Es ist ein Schritt, der längst überfällig sei, sagt Martin Czarnojan über den neuen „Aachener Verbund Psychosoziale Prozessbegleitung von Frauennotruf und Straffälligenhilfe“.

Der Geschäftsführer der Straffälligenhilfe ist von der frisch besiegelten Kooperation mit dem Frauennotruf begeistert und hofft, dass viele Betroffene von schweren Sexual- und Gewaltstraftaten zukünftig davon profitieren werden.

Der Hintergrund ist ein ab Januar 2017 in Kraft tretendes Gesetz, das verletzten Opfern von Straftaten das Recht auf eine sogenannte psychosoziale Prozessbegleitung zuerkennt. Dass ausgerechnet die auf den ersten Blick unterschiedlichen sozialen Träger zusammen agieren, erklärt Agnes Zilligen vom Frauennotruf folgendermaßen: „Die Kooperation zum Opferschutz setzt sich aktiv für die Umsetzung des Beschlusses ein. Konkret bedeutet dies, dass wir unter anderem die Interessen von Opfern thematisieren, an fachspezifischen Veranstaltungen teilnehmen oder regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch organisieren.“

Ein Baustein, der innerhalb des Gesetzes realisiert wird, sind gezielte Ausbildungen zum psychosozialen Prozessbegleiter, die vom Land NRW anerkannt werden. Nina Körner vom Frauennotruf absolviert aktuell diese Zusatzausbildung. „Eine ganz typische Situation ist beispielsweise das Begleiten von Opfern zum Prozess. Viele Frauen wissen gar nicht, was sie dort erwartet, und sie empfinden die Situation als sehr belastend. Wir begleiten sie bis in den Gerichtssaal. Bisher konnten wir allerdings nicht garantieren, dass wir auch wirklich in der Verhandlung anwesend sind, da es auch passierte, dass wir keine Erlaubnis erhielten. Mit dem neuen Gesetz kann das nun nicht mehr eintreten“, so Körner. Und Zilligen ergänzt: „Die hilfesuchenden Frauen haben ab Januar einen Anspruch auf eine kostenfreie psychosoziale Prozessbegleitung. Bisher haben wir das immer innerhalb unseres Trägers finanziert.“

Dass die Straffälligenhilfe ebenfalls Akteur in dem neuen Bund ist, ist für Czarnojan absolut nachvollziehbar, wie er sagt: „Wenn wir es schaffen, dass die Täter nicht mehr rückfällig werden, dann leisten wir gleichzeitig auch Hilfe für die Opfer, die sich wieder sicher fühlen können. Es profitieren also beide Seiten, und natürlich können auch Männer die neue Prozessbegleitung in Anspruch nehmen“.

Landesweit ist die Zusammenarbeit des Frauennotrufs und der Straffälligenhilfe bisher die erste dieser Art.