Aachen: Ursulinerstraße: Einladung zum Sitzen oder Stolpern?

Aachen: Ursulinerstraße: Einladung zum Sitzen oder Stolpern?

Ihren Platz in der Jahreschronik 2010 haben die steinernen Würfel bereits sicher, denn die Reaktionen auf die Blöcke auf der neu gestalteten Ursulinerstraße waren vielfältig: von Bürgern, seitens der Politik und von Vertretern von Behindertenorganisationen.

Und die Richtung ist stets dieselbe: Die drohenden Stolperfallen sollen wieder weg. Wie berichtet hatte sich vor allem die Vorsitzende der Regionalgruppe von „Pro Retina”, einer Selbsthilfevereinigung von Sehbehinderten, gemeldet: „Für Blinde und Sehbehinderte wird das eine regelrechte Slalomstrecke”, reklamierte Dietlind Schudoma-Wollgarten.

Am Dienstag ergriff die SPD-Fraktion der Bezirksvertretung Aachen Mitte die Initiative. Sie will, dass die Verwaltung die neuen Steinwürfel „unverzüglich” entfernt. Nun ist diese ausführende Hand eines politischen Beschlusses gewesen. Und der spiegelt ein klares Votum aller zuständigen Ausschüsse für die Steine, die als gestalterisches Element der Neuplanung des Bereichs Elisengarten/Ursulinerstraße aus einem Wettbewerb resultieren.

Aber, so formulieren es Marlies Diepelt und Heiner März von der SPD-Fraktion: „Die aufgestellten Steinwürfel stehen eindeutig im Widerspruch zu den Ausführungen zu Barrierefreies Bauen insbesondere in den Abschnitten Gehwege und Hindernisse”. Der Beschluss bedeutet nach Überzeugung der SPD nicht, dass die Würfel aufgestellt bleiben müssen, wenn man neue Erkenntnisse zu barrierefreiem Bauen habe. Und die seien in der Sitzung der jüngsten Bezirksvertretung vorgestellt worden. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt hatte in einem Schreiben OB Marcel Philipp aufgefordert, „die Barrieren wieder zu entfernen”.

Ob der Widerstand gegen die Blöcke Aussicht auf Erfolg hat, ist offen. Denn Harald Baal, Chef der CDU-Ratsfraktion und Vorsitzender des Planungsausschusses, sieht die Möblierung der Ursulinerstraße als Ergebnis eines Wettbewerbs mit Beschluss. „Die Grundidee war, den Bereich Elisengarten zum Platz zu erweitern. Und die ist toll umgesetzt.” Die Gestaltung sei Geschmacksache, ihm gefalle sie jedenfalls. Auch die Belange der Menschen mit Behinderung seien berücksichtigt. Baal: „Die Interessen sind eingebunden. Es hieß, dass sich Sehbehinderte an den Gebäudekanten orientieren. Und das ist wohl unproblematisch”

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