Aachen: Urban Elsässer startet Projekt „Faltenpop“ gegen das Altern

Aachen : Urban Elsässer startet Projekt „Faltenpop“ gegen das Altern

„Die Südstraße ist doch irgendwie wie Aachens Berlin“, findet Urban Elsässer. Also urban-independent, doch auch gemütlich-alternativ und durch das Südstraßen-Fest weithin bekannt für ehrliche Rockmusik. Elsässer ist Dozent an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, möchte in der alten Heimat aber auch gern wieder aktiv werden.

Sein Projekt nennt sich „Faltenpop — Songwriting für junggebliebene Alte“ und wird in „Aachens Berlin“ seine Heimat finden.

Die noch junge Musikschule von Sascha Katterbach in der Südstraße bietet die Räume, wenn die „Alten“, also alle ab 60 Jahren, ihr Leben in Musik verpacken. Das ist das Ziel, das Elsässer mit seinem Team für den Kurs ausgegeben hat: Song komponieren, Text schreiben, aufnehmen und im besten Fall selber performen. Sorge, dass er damit die Kursteilnehmer überfordert, hat der Dozent für den Masterstudiengang „Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität“ nicht, obwohl er keinerlei musikalische Vorbildung erwartet.

„Die meisten erfolgreichen Popsongs bestehen in der Grundlage aus drei Tönen. Wenn wir Popgrößen wie Ed Sheeran entmystifizieren, traut sich jeder zu, einen guten Song zu schreiben“, weiß er von ähnlichen Kursen und Coachings.

Das Ziel sei ja nicht, die Charts zu stürmen. „Es geht vielmehr um eine Retrospektive des eigenen Lebens“, erklärt der 58-Jährige. Die heute 60- bis 70-Jährigen gehören zur 68er-Generation. „Sie sind mit Rockmusik groß geworden.“ Und sie haben schon einiges erlebt — in jedem Fall genug, um darüber einen Song zu schreiben. „

Manche lernen sich dadurch neu kennen. Sie sind selbst wirksam und erleben sich kreativ in Gemeinschaft“, sieht der Musiker und Psychologe einen echten Anti-Aging-Effekt in der eigenen Musik. „Diese Erlebnisse unterscheiden sich oft sehr von dem, wie sie sich im Berufsleben erlebt haben.“

Garantiert wenig Musiktheorie

Neugierde sei das einzige, was die Kursteilnehmer mitbringen sollten. Alles andere ergebe sich im Laufe des Semesters. Zusammen mit Elsässer, Markus Proske und Yenn Anetzberger arbeiten sich die Teilnehmer mit Melodik, Harmonik und Arrangement an ihren eigenen Song heran. „Es besteht die Erlaubnis zu spielen“, erläutert Elsässer die Herangehensweise, die rein gar nichts Musiktheoretisches vorsieht.

Mal hilft der Computer, mal spielt Elsässer auf der Gitarre oder am Klavier das, was die Teilnehmer durch Bewegung vorgeben. Atemübungen, Bodypercussion und andere Körperübungen lösen mögliche Widerstände auf. „Musik ist emotionales Management“, meint Elsässer. Ein äußerst persönliches Produkt wird der Song schließlich durch den Text aus dem eigenen Leben.

Welche positive Kraft Musik im Zusammenhang mit Biografiearbeit entwickeln könne, zeige ihm regelmäßig die Arbeit mit Menschen mit Demenz: „Singt ein Altenpfleger dem ehemaligen Seemann ein Seemannslied vor, kann der plötzlich ohne Angst unter die Dusche gehen. Die Frau, die schon seit langer Zeit nicht mehr spricht, singt plötzlich die vierte Strophe des angestimmten Liedes. Alle anderen konnten sich nicht mehr daran erinnern.“ Welche Kraft könne dann erst ein selbst geschriebener und selbst aufgenommener Song entfalten?

Diese Frage lässt sich in dem Projekt „Faltenpop“ ergründen. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei Urban Elsässer (Telefon 0176/ 10350986, www.elsaesser-urban.de) oder in der Musikschule Katterbach (Telefon 1602674, www.katterbach-music.de) melden.