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Aachen: Unwetter in Aachen: Wenn es plötzlich wie aus Eimern schüttet

Aachen : Unwetter in Aachen: Wenn es plötzlich wie aus Eimern schüttet

Es sind Momente wie diese, in denen einem schlagartig vor Augen geführt wird, wie Redewendungen entstehen: Denn als am späten Sonntagabend gegen 22.45 Uhr der Himmel über Aachen seine Schleusen öffnet, schüttet es plötzlich wie aus Eimern. Und das kann man, wie am Tag danach die Messwerte der Aachener Wetterstation in Orsbach belegen, ohne jede Übertreibung so schreiben.

Schließlich wird dort um 23.10 Uhr registriert, dass in den vergangenen zehn Minuten mal eben 22,5 Liter vom Himmel gefallen sind — pro Quadratmeter. So viel Regen, wie beispielsweise im gesamten April 2017 in Aachen gemessen wurde.

Es ist der Höhepunkt eines heftigen Unwetters, das das Stadtgebiet an vielen Stellen unter Wasser setzt und bisweilen auch mit einer Hagelschicht bedeckt. Bis gegen 1.30 Uhr, also binnen knapp drei Stunden, fallen in Orsbach rund 60 Liter pro Quadratmeter. Rechnet man diesen Wert auf die 160 Quadratkilometer des Aachener Stadtgebiets hoch, über dessen Zentrum nach Einschätzung der Feuerwehr auch der Schwerpunkt des Unwetters lag, kommt man auf erstaunliche Zahlen. Gut 9,5 Millionen Kubikmeter Wasser gehen demnach über der Stadt nieder — mehr als die Hälfte dessen, was die Großstadt Aachen pro Jahr an Wasser verbraucht.

Das Öcher Erdreich muss also kräftig schlucken, was in der zu großen Teilen versiegelten Innenstadt ein Ding der Unmöglichkeit ist. In den Senken staut sich das Wasser, die Kanalisation gerät rasch an ihre Grenzen, Gullydeckel werden hochgedrückt, Autos bleiben in den Fluten liegen, Keller laufen voll. Und in den Leitstellen von Polizei und Feuerwehr stehen die Telefone nicht mehr still.

Bis zu 400 Notrufe

Bis zu 400 Notrufe gehen in der heißen Phase des Gewitters pro Stunde in der städteregionalen Leitstelle der Feuerwehr ein. So viel wie sonst an einem ganzen Tag. Insgesamt 1300 Anrufe registriert die Feuerwehr am Montagmittag mit Blick auf die turbulente zurückliegende Nacht, die etwa 260 Einsatzkräften von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Technischem Hilfswerk Schwerstarbeit zumutet.

Rund 410 Einsätze werden gefahren, und das noch bis in den Montagnachmittag hinein: Die Feuerwehr pumpt Hunderte vollgelaufene Keller leer, sie wird zu überschwemmten Trafohäuschen und Aufzugschächten gerufen. Und dann sind da noch die vielen Brandmelder, die durch das Unwetter und die Wassermassen ausgelöst werden.

Nur sägen muss man diesmal nicht. Anders als bei den ersten Stürmen in diesem Jahr gibt es kein Kleinholz. Bäume kommen bei allem Blitz und Donner nicht zu Schaden, wie der Lagedienstführer der Feuerwehr, Martin Schnieder meier, am Montag berichtet. Nicht der Wind ist diesmal das Problem, sondern das Wasser.

Und das auch noch am Montag, obwohl es da kaum noch regnet. Im morgendlichen Berufsverkehr herrscht vielerorts das Chaos, weil der in der Nacht überflutete Prager Ring wegen langwieriger Aufräumarbeiten zwischen Jülicher Straße und Breslauer Straße gesperrt ist. Eine Teilsperrung dauert bis in den späten Nachmittag an, immer wieder staut es sich an vielen Ecken der Stadt.

Aufs Unwetter folgt die Mainacht

Währenddessen arbeiten die Einsatzkräfte immer noch Notrufe ab. Manche von ihnen sind mehr als zwölf Stunden im Dauereinsatz, wofür Martin Schniedermeier vor allem den rund 200 Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr ein dickes Lob ausspricht. „Ohne sie könnten wir solche Situationen wie diese überhaupt nicht bewältigen“, sagt er. Und prophezeit: „Morgen werden die Kollegen fertig sein mit der Welt.“

Morgen? Nun ja. Zeit zum Verschnaufen bleibt an diesem Montag kaum. Denn auf die Unwetternacht folgt sofort die Mainacht. Und diese kann für Polizei und Feuerwehr traditionell schnell unruhig werden. Auch ganz ohne Blitz und Donner.