Aachen: Unübersehbares Signal gegen Fanatismus

Aachen: Unübersehbares Signal gegen Fanatismus

Drei Priester im Spiel mit einem Heiligenschein: Das ist das Motiv, das der Aachener Künstler Detlef Kellermann als Illustration für den Artikel 15 der Menschenpflichten der Vereinten Nationen gewählt hat. Stefan Wieland, Pressesprecher des Bistums Aachen, freut sich über diesen Ausdruck „purer Lebensfreude“, der nun als zehn-mal-fünf-Meter-großes Banner am Gerüst des Bischöflichen Generalvikariats im Herzen der Stadt für Aufmerksamkeit sorgen soll.

Artikel 15 der an die Menschenrechte angelehnten Menschenpflichten ist ein Statement gegen Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege und fordert alle Menschen zu Toleranz auf. „Und diesen Artikel will die katholische Kirche nun unterstützen“, sagt Wieland und freut sich, dass das Bistum gerade diesen Text mit der humorvollen Bebilderung gewählt hat, um dafür die Patenschaft zu übernehmen.

menschmja1 24.07.2017 mensch das projekt Nikos Geropanagiotis, Stefan Wieland, Detlef Kellermann, Manuela Koch-Geropanagiotis Foto: Michael Jaspers

Der Künstler hat im Rahmen seines Projekts „Mensch!“ insgesamt 18 Artikel der Erklärung der Vereinten Nationen bebildert. Viele der so entstandenen Bannern sind schon in der Stadt und am Campus zu sehen. „Das Projekt ist Teil einer Trilogie“, sagt Kellermann, bei der es um Menschenwürde, Menschenpflichten und Menschenrechte gehe. Gerade den zweiten Teil zu den Menschenplichten findet er besonders schön, „weil er auch gut zum Lutherjahr passt“.

Denn das Aufhängen der Banner erinnere doch auch ein wenig an das Anschlagen der Thesen, meint er. Dass das Bistum Aachen nun Pate für das Banner am Bischöflichen Generalvikariat ist, freut Wieland ganz besonders. „Das Banner hängt hier an einer exponierten Stelle, so dass die Menschen sich sehr gut damit auseinandersetzen können“, meint er.

Die ersten Reaktionen auf Kellermanns Kunstprojekt sind offensichtlich sehr positiv. „Viele finden es gut, dass es nicht immer nur um Rechte geht, sondern auch einmal um Pflichten“, meint Wienand, der auf Diskussionen zu Fragen wie „Was geschieht in unserer Gesellschaft, und wofür ist Toleranz gut?“ hofft.

Zu jedem Teil der Trilogie gibt es ein Buch, dass die entsprechende Thematik aufgreift. Im zweiten Band stehen die 18 Artikel der Menschenpflichten im Mittelpunkt. Die entsprechenden Banner werden durch Patenschaften finanziert. Im dritten Teil der Trilogie sollen die Menschenrechte gewürdigt werden. Um sie entsprechend darzustellen, sollen beleuchtete Werbeflächen angemietet werden. „Und auch dann werden wir wieder Paten suchen“, meint Kellermann.

Das Banner am Bischöflichen Generalvikariat wird so lange zu sehen sein, wie das dortige Gerüst steht, „also bis Ende des Jahres etwa“, meint Wieland. Über die Platzierung des Banners freuen sich alle gleichermaßen. Kellermann hatte sogar ursprünglich die Idee, so etwas wie einen Podest mit einem roten Teppich zu kreieren, den man besteigen sollte, um die Botschaft besser zu sehen. „Das hätte den jeweiligen Betrachter besonders hervorgehoben“, meint Kellermann. Als „zu kompliziert und kaum genehmigungsfähig“ legte er die Idee wieder ad acta. Dass die Passanten aber nun ihren Kopf erheben müssen, um den Artikel 15 zu lesen, gefällt ihm sehr gut.

Der Text des Artikel 15 der Menschenpflichten der Vereinten Nationen im Wortlaut: Während Religionsfreiheit garantiert sein muss, haben die Repräsentanten der Religionen eine besondere Pflicht, Äußerungen von Vorurteilen und diskriminierende Handlungen gegenüber Andersgläubigen zu vermeiden. Sie sollen Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anstiften noch legitimieren, vielmehr sollen sie Toleranz und gegenseitige Achtung unter allen Menschen fördern.