Aachen: Unterschiede bei Glühweintest auf Aachener Weihnachtsmarkt

Aachen: Unterschiede bei Glühweintest auf Aachener Weihnachtsmarkt

Wenn Professor Andreas Jupke Rot sieht, kommen die Wissenschaftler des RWTH-Lehrstuhls für Fluidverfahrenstechnik in Fahrt — dann wird nämlich statt Biokraftstoff ausnahmsweise Glühwein unter die Forscherlupe genommen.

Geschmeckt haben dem Team — seit acht Jahren begleitet von der Aachener Zeitung — vor allem die Eigenkreationen unter den 15 Anbietern rund um Dom und Rathaus auf dem Aachener Weihnachtsmarkt. Systemgastronomen hingegen setzen meist auf industrielle Massenware — was an den ermittelten Werten der hier von den Ingenieuren Tim Maßmann, Miriam Faulde und Lukas Schiffer untersuchten Stichproben aber kaum ablesbar ist.

Test absolviert: Professor Andreas Jupke, Wissenschaftlerin Miriam Faulde sowie MAC-Chef Manfred Piana und Glühweintreff-Chef Marcel Schmitz (beide links). Foto: Andreas Steindl

Verblüffend: Im Laufe der Jahre ist der Zuckeranteil in den meisten Glühweinen stetig gestiegen. Zwischen 131 Gramm (Goldener Schwan) und 80 Gramm (Hexenhof) pro Liter pendelten die Werte diesmal — gut zehn Prozent mehr als der Schnitt vor Jahren. Kalorien-Rekordhalter 2015 ist die Hütte 16 mit einem Brennwert von 246 Kilokalorien pro 0,2-Liter-Becher. Das entspricht der Kalorienmenge beim Verzehr eines Hamburgers — schmeckt aber auch mindestens so lecker. Hier stellten die RWTH-Verfahrenstechniker mit 13 Volumenprozent zudem den höchsten Alkoholwert fest, fast vier Prozentpunkte mehr als im Goldenen Einhorn (Markt) und am RWTH-Glühweinstand vor dem Kármán-Auditorium.

Test absolviert: Professor Andreas Jupke, Wissenschaftlerin Miriam Faulde sowie MAC-Chef Manfred Piana und Glühweintreff-Chef Marcel Schmitz (beide links). Foto: Andreas Steindl

Ab 78 Grad Celsius verdampft Alkohol. Deshalb ist es wichtig, dass die meisten Glühweine mit 65 bis 75 Grad Celsius ausgeschenkt wurden. Nur Hexenhaus und Hanswurst lieferten mit 55 Grad Celsius leicht unterkühlte Glühweine ab. Wobei der edle Tropfen aus dem Hexenhof mit 174 Kilokalorien pro 0,2-Liter-Stiefel fast schon ein Diätwunder ist. Übrigens: Die Stiefelspitze wurde in den vergangenen Jahren zwangsverkürzt — aus hygienischen Gründen. Weil man mit Spülgeräten die Keramikbecher von innen nicht bis ins letzte Eck ausschrubben konnte, wurde abgerundet. Vielleicht liegt‘s daran, dass die Füllmenge leicht unter der 0,2-Liter-Marke blieb. Mit Abstand am meisten drin war bei unserem Test im Hanswurst und in der Hütte 16 — rund ein Viertel über der 0,2-Liter-Marke geschenkt.

Üppig bemessen wird auch im Öcher Glühweintreff — seit 40 Jahren, wie Weihnachtsmarktchef Manfred Piana weiß. Der Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City sammelte schon am Stand der Eltern von Glühweintreff-Chef Marcel Schmitz 1976 erste Erfahrungen in Sachen Glühweinverkauf. Sie waren die Ersten in Aachen. „Er ist so lecker wie damals, aber früher sah es nach einem vollen Abend auf dem Weihnachtsmarkt schrecklich aus. Der Boden war ein Meer aus Bechern“, erinnert sich Piana. Das ist längst vorbei. Pfand sei Dank.

Der Thermobecher von Schmitz (50 Cent Pfand) hält die Temperatur — das hat der Lehrstuhl von Professor Jupke mehrfach untersucht — besser als die Keramik- und Glaskonkurrenz, die meist drei Euro Pfand (3,50 Euro im Goldenen Schwan, gar keines bei RWTH und Einhorn) nimmt. Den billigsten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt (sonst Standardpreis 3 Euro) gibt‘s übrigens im Kiosk (1,50 Euro). Das schmeckt man allerdings auch. Und dann sieht schlimmstenfalls der Kunde Rot.

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