Verdichterstation für Zeelink-Gaspipeline: Unterm Aachener Kreuz wird gebuddelt

Verdichterstation für Zeelink-Gaspipeline : Unterm Aachener Kreuz wird gebuddelt

Auf Würselener Stadtgebiet nordöstlich des Aachener Autobahnkreuzes wird sie entstehen: die neue Verdichterstation für die Erdgaspipeline Zeelink. Sie soll dazu dienen, den Druck auf der rund 215 Kilometer langen Rohrleitung, die das deutsche Netz mit den Gas-Terminals im belgischen Zeebrügge verbinden soll, konstant zu halten.

Dafür lässt der Bauherr Open Grid Europe (OGE) bis 2021 eine 140 Millionen Euro teure Anlage auf einem circa vier Fußballfelder großen Areal bauen. Betrieben wird die Verdichterstation elektrisch – also ohne Schadstoffemissionen. Doch dafür muss die Regionetz GmbH zunächst einmal den Stromanschluss legen.

Was sich der Laie nun als Graben ausheben, Kabel rein und Erde draufkippen vorstellt, sieht in der Realität allerdings ganz anders aus als bei einem üblichen Hausanschluss. Denn die Verdichteranlage braucht bei Spitzenlasten derart viel Strom, dass man dazu eigens das im Jahr 2000 errichtete Umspannwerk Verlautenheide erweitern musste.

Per Schwertransport mit je 95 Tonnen Gewicht wurden zwei neue Transformatoren aus Regensburg angeliefert, montiert und die Anlage um dutzende Masten, Drähte und Isolatoren erweitert. Beide Trafos arbeiten redundant. Falls einer ausfällt, kann der andere die Station versorgen.

Insgesamt wird der Netzanschluss über eine Leistung von 50 Megawatt verfügen. „Das ist ein Fünftel der Höchstlast der ganzen Stadt Aachen“, machte Ralf Albertz, Projektleiter der Regionetz GmbH, deutlich. „Aachen hatte im Jahr 2017 eine Spitzenleistung von 242 Megawatt“, bestätigte auch Stawag-Pressesprecherin Eva Wußing. Man spricht vom „mit Abstand größten Netzanschluss-Auftrag für die Regionetz GmbH“.

Und diese Stromleitung – bestehend aus 18 armdicken Mittelspannungskabeln – muss einmal quer durch das Aachener Kreuz auf die gegenüberliegende Seite verlegt werden. Die Lösung: ein 550 Meter langer Tunnel. Die Trasse unterquert die Fahrbahnen, über die tausende Fahrzeuge rollen, ohne dabei den Verkehr zu beeinträchtigen.

Ohne dass es ein einziger Autofahrer mitbekommt, gräbt sich ein Arbeiter im verborgenen Untergrund mit einem kleinen Bagger in rund zehn Metern Tiefe unter der Fahrbahn hindurch. Lediglich ein kleiner blauer Kran ist sichtbar, der am Startloch unweit vom Umspannwerk entfernt im Fünf-Minuten-Takt die mit Erde gefüllten Loren zu Tage fördert.

Über einen Bildschirm kann man verfolgen, wie sich die Baggerschaufel Stück für Stück durch Kies und Sand vorwärts gräbt. Damit der 1,6 Meter breite Tunnel nicht einstürzt, werden mehr als 150 je dreieinhalb Meter lange Betonrohre im Startloch hinunter gelassen und dort nacheinander mit einem Druck von 400 bar in den Tunnel gedrückt. Zwei bis drei Rohre schafft die Mannschaft pro Tag. So entsteht seit Mai vergangenen Jahres eine massive Unterquerung, in die später ein Regalsystem für Rohre und Leitungen eingebaut werden kann.

Sicher unter Tage: Aus speziellen Schächten wird der Aushub aus dem Vortrieb herausgehoben. Foto: Andreas Cichowsli/Andres Cichowski

Doch auch diese Methode hat ihre Tücken. Denn zwischen weniger erwähnenswerten archäologischen Funden könnten auch ganz andere Relikte im Boden schlummern. „Auf historischen Archivbildern haben wir zwei Bombentrichter festgestellt“, bemerkte Günther Geßenich, Leiter Oberbau des zuständigen Ingenieurbüros. Luftaufnahmen von 1944 zeigten außerdem Granatensplitter. Das Problem: Die damaligen Flieger hatten immer drei Bomben dabei. „Das bedeutet, dass innerhalb von 50 Metern noch ein Blindgänger liegen könnte“, erläuterte Albertz. Deswegen war beim sogenannten „Teilschnittverfahren“, einer bergmännischen Stollenbauweise, Vorsicht geboten. Gefunden wurde glücklicherweise nichts.

500 Meter sind bereits geschafft, bis Freitag sollen die restlichen 50 Meter folgen. Damit kann der Tunnel rund einen Monat früher als erwartet fertig gestellt werden. Die Inbetriebnahme des Netzanschlusses ist für September geplant.

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