„Der Dom leuchtet“: Und dann brennt der Dom im Regen lichterloh

„Der Dom leuchtet“ : Und dann brennt der Dom im Regen lichterloh

"Der Dom leuchtet": Die Geschichte des Bauwerks in Lasern und Musik

Es schüttet in Strömen, aber Christoph Hillen strahlt. Der Lichtdesigner hockt in seiner Regieloge, der Regen prasselt — aber noch lauter draußen der Applaus. Glücksmomente nach ungezählten Arbeitsstunden. 20 Minuten „Der Dom leuchtet“ sind gelaufen. Es gibt Bravo-Rufe. Tausende Zuschauer sind ergriffen, begeistert — und vor allem verblüfft. So hat man den Aachener Dom noch nie gesehen.

Die gigantische Technik — 14 Hochleistungsprojektoren, hohe Lautsprechertürme — und die von Art Director Matthias Büsching (Power + Radach) erdachten elf kunstvoll animierten Szenen sowie Musik und Soundeffekte von Komponist Frank Stumvoll haben für Gänsehaut-Momente auf dem Katschhof gesorgt. Der Plan ist aufgegangen.

Das freut die Macher (v.l.) Franz Kretschmann, Sprecher des Domkapitels, OB Marcel Philipp, MAC-Geschäftsführer Manfred Piana, Dombaumeister Helmut Maintz, Bischof Helmut Dieser, Dompropst Manfred von Holtum sowie Stadtsprecher Bernd Büttgens auf dem Katschhof. Foto: Steindl

„Der Dom ist das weit über die Grenzen hinaus bekannte Wahrzeichen unserer Stadt. Wir sind stolz auf unser Münster und sind darum bemüht, es in bestem Zustand zu halten“, erklärt Oberbürgermeister Marcel Philipp im Gespräch auf der Katschhof-Bühne kurz vor der Show. „Die Aachener haben über Jahrhunderte ihren Dom mit großer Hingabe geschützt. Dass dies bei ,Der Dom leuchtet‘ auf lichtkünstlerische Art gezeigt wird, beeindruckt mich sehr. Die konkrete und liebevolle Auseinandersetzung mit der Architektur des Doms macht dieses Lichtprojekt so besonders und wertvoll“, fügt er hinzu.

Blick aus der Regieloge bis zur ersten Reihe: Aus Computern werden die Bild- und Tondateien über die Hochleistungsprojektoren und Boxentürme auf dem Katschhof ausgespielt. Der Aufwand ist immens — und sorgt selbst bei Regenwetter für Begeisterung bei tausenden erwachsenen und ganz jungen Besuchern. Foto: Andreas Steindl

Die Baupläne des Jahres 798 unter dem Mauerwerk, der Pakt mit dem Teufel, der große Stadtbrand mit lodernden Flammen aus der Chorhalle, Luftangriffe mit einem donnernden Flugzeugschatten und Flaklichtern aus dem Zweiten Weltkrieg, Adolf Hitlers scheppernde Stimme — und immer wieder sinfonische Orchestrierung sowie packende Soundeffekte. Und immer wieder der Sieg des Guten über das Böse. Das passt hier perfekt zusammen.

Blick aus der Regieloge bis zur ersten Reihe: Aus Computern werden die Bild- und Tondateien über die Hochleistungsprojektoren und Boxentürme auf dem Katschhof ausgespielt. Der Aufwand ist immens — und sorgt selbst bei Regenwetter für Begeisterung bei tausenden erwachsenen und ganz jungen Besuchern. Foto: Andreas Steindl

„1200 Jahre Domgeschichte darstellen, ist hier in einzigartiger Weise gelungen“, lobt Dombaumeister Helmut Maintz. Dass das Bauwerk bebt, mit Lasern zerschnitten, gedreht, geöffnet und gewendet wird, hat ihm nie Sorgen bereitet. „Ich war ja in die Entwicklung des Projekts eingebunden. Es ist einfach schön — vor allem weil ja die Bürger Aachens und damit das Gute gewinnt“, betont er. Dompropst Manfred von Holtum, Manfred Piana (Geschäftsführer des Veranstalters Märkte und Aktionskreis City) und Bischof Helmut Dieser erhalten Beifall für diese durchaus moderne und mutige Darstellungsform. Wobei der Aachener Oberhirte naturgemäß den religiösen Fokus schärft: „Dieses Münster ist seit 1200 Jahren ununterbrochen Gotteshaus, war schon im Mittelalter die viertmeistbesuchte Pilgerstätte der Welt. Der Dom eint Menschen in versöhnter Verschiedenheit“, sagt er.

Strahlen trotz strömenden Regens: (v.l.) Lichtdesigner Christoph Hillen, Professor Leif Kobbelt (RWTH), Bernd Steinbrecher und Art Director Matthias Büsching (beide Power + Radach) freuen sich über die tolle Premiere. Foto: Andreas Steindl

Erst auf den zweiten Blick

Ganz unterschiedlich reagieren Menschen auf dem Katschhof, als sie den Dom im abendlichen Lichtgewand zum ersten Mal sehen. Viele erkennen erst auf den zweiten Blick, dass da ein Bild des Münster auf die Mauern des Münsters gelegt wurde. Mit Schatten, Lichtspielen — alles künstlich aus dem Computer. Alles nur möglich dank des zentimetergenauen 3D-Scans, den Professor Leif Kobbelt von der RWTH (Lehrstuhl für Informatik, Computergrafik und Multimedia) mit viel Aufwand digitalisiert hat. Und dank der Hauptsponsoren Sparkasse Aachen, Stawag, Generali, Grünenthal, Fraunhofer Gesellschaft, Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft und Regio Medien AG. Auch sie erhalten zum bombastischen Finale des Lichtkunstwerks starken Applaus.

„Besonders der brennende Dom hat mich berührt“, sagt Zuschauerin Maria Wegner nach der Show. Ihr Mann Frank-Joseph pflichtet bei: „Die Kriegsszenen haben mich zurückversetzt, ich bin wirklich angefasst“, sagt der Senior. Natalie Cremer ist mit ihren zwei zehn und 13 Jahre alten Kindern da. Alle eingepackt in wasserdichte Regenkleidung. „Das war teils wie bei Krieg der Sterne, dann wieder wie ein klassisches Konzert — der Klang hat mich ungehauen“, sagt die Mutter. Was wiederum Frank Stumvoll, den Sounddesigner von „Der Dom leuchtet“, freut: „Es war mir eine Ehre, diese Lichtinstallation akustisch zu beleben. Ich freue mich auf die Reaktionen der nächsten Tage“, sagt er. Wenn die Menschen allabendlich strömen, ohne Regen...

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