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Aachen: Unbequemer Kritiker des kommunistischen Systems

Aachen : Unbequemer Kritiker des kommunistischen Systems

„Für uns in Aachen ist es ungewöhnlich, von Karl zu sprechen, aber nicht Karl den Großen zu meinen”, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp in seiner Ansprache zur Verleihung des ersten Kulturpreises Karl IV. an Miloslav Kardinal Vlk, emeritierter Erzbischof von Prag. „Doch auch Karl der Vierte gehört zu einer Reihe von Königen, die sich um die Bedeutung unserer Stadt bemüht haben.”

Kultur, Kunst und Wissenschaft

Der Kulturverein Aachen-Prag möchte mit der Preisverleihung Personen und Institutionen auszeichnen, die sich für die Intensivierung der Kontakte zwischen den Städten Aachen und Prag sowie Deutschland und der Tschechischen Republik und für die Förderung von Kultur, Kunst und Wissenschaft beider Länder engagieren.

Mit Karl IV., der am 25. Juli 1349, also vor genau 661 Jahren, in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt wurde, hat sich der Verein einen Patron gewählt, der ein „konkreter Ausdruck des Vereinszweckes” ist, wie Preisträger Vlk selbst in fließendem Deutsch bemerkt.

„Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Menschheit, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln und einander vergeben zu können.” Gerade Länder wie Tschechien, die während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland angegriffen und terrorisiert wurden, müssten lernen zu vergeben. Und das gehe am besten durch Kontakte auf kultureller, politischer und wissenschaftlicher Ebene.

Vlk wurde 1932 als Bauernsohn geboren und hatte schon früh die Vision, Priester zu werden. Doch nach seinem Abitur ging er nicht zum Seminar, sondern arbeitete ein Jahr in einer Maschinenbaufirma und ging dann zwei Jahre zum Militär.

„Das damalige kommunistische System wollte das Priestertum unter seine Kontrolle bringen”, erklärt Professor Dr. Hans Hermann Henrix in seiner Laudatio. „Aus diesem Grund weigerte sich Vlk, in das System einzusteigen.” Nach seinem Militärdienst studierte er Archivwissenschaften, promovierte und arbeitete im Stadtarchiv von Budweis. Doch sein Drang, Geistlicher zu werden, war stärker. Und so studierte er an der Theologischen Hochschule in Leitmeritz.

1968 wurde er zum Priester geweiht und wurde Sekretär des Budweiser Bischofs. Doch seine dem kommunistischen System gegenüber unbequeme Haltung und sein politisch verdächtiges Ansehen bei den Gläubigen mündeten nach Niederschlagung des Prager Frühlings erst in eine Abkommandierung zum Landpfarrer und dann in den Entzug der Lizenz. Nachdem er sich unter anderem als Fensterputzer durchschlagen musste, bekam er nach der Wende 1989 seine Befugnisse zurück. Daraufhin ging es Schlag auf Schlag: Er wurde erst Bischof von Budweis, dann Erzbischof, dann Kardinal.

Hochkarätige Jury

Neben Vera Blazek, der Vorsitzenden des Kulturvereins Aachen-Prag, gehörten der Jury noch Stadtdirektor Wolfgang Rombey, Dompropst Helmut Poqu, Milena Kozumpliková, Bürgermeisterin Stadtbezirk Prag 3, Professor Dr. Harald Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Mittlere Geschichte am Historischen Institut der RWTH, und Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, an.