Unbekannte hängen Zettel am Vennbahnweg in Aachen aus

Aufruf zu Fußgänger-Rechten : Mysteriöse Zettelaktion am Vennbahnweg

Touristisch wird der Vennbahnweg gerne als Fernradweg oder Premiumradweg beworben. Doch neben den Radfahrern und Skatern, die vor allem in der warmen Jahreszeit in großer Zahl auf der Trasse zwischen Aachen und Luxemburg unterwegs sind, haben dort auch Spaziergänger und Fußgänger ihre Rechte. Darauf machen derzeit Unbekannte im Bereich Walheim und Schmithof mit selbstgebastelten Aushängen unter der Überschrift „Radfahrer aufgepasst“ aufmerksam.

Über Nacht hätten die Zettelchen plötzlich an vielen verschiedenen Stellen gehangen, sagt Hanjo Koop, der in Schmithof wohnt und die Vennbahntrasse selbst gern für Hundespaziergänge nutzt. Aus eigener Anschauung kann er von allerlei Konflikten berichten, zu denen es beinahe täglich zwischen Spaziergängern und Radfahrern komme, die sich gegenseitig den Platz streitig machten. „Es gibt immer wieder lautstarke Auseinandersetzungen“, sagt er. Auch alte Leute würden oftmals von Radfahrern angepflaumt, wenn sie nicht schnell genug zur Seite gingen.

So zeigt auch Koop Verständnis für die Zettelaktion, die auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt aus dem Jahr 2012 verweist. Auf kombinierten Geh- und Radwegen – wie dem Vennbahnweg – seien Radfahrer zur besonderen Rücksichtnahme verpflichtet, wird auf dem Aushang erläutert.

Bei unklaren Verkehrslagen müssten Radfahrer Schritt fahren und jederzeit anhalten können. Unaufmerksamkeit oder Schreckreaktionen von Fußgängern müssten immer miteinkalkuliert werden. Fußgänger dürften darauf vertrauen, rechtzeitig gewarnt zu werden, erst dann müssten sie eine Passage freigeben. Keinesfalls seien Fußgänger verpflichtet, stets nach Radfahrern Ausschau zu halten und ihnen das schnelle Weiterkommen zu ermöglichen.

Wer diese Form der Aufklärung für notwendig und angebracht hält, ist unklar. Für Hanjo Koop ist sie allerdings die Folge einer aus seiner Sicht „halbherzigen Planung“, die er nicht nur an der Vennbahn, sondern auch an vielen weiteren Stellen im Stadtgebiet immer wieder feststellt. „Man braucht vernünftig breite Radwege und vernünftige Gehwege, aber nicht gemeinsam“, sagt er.

Damit spricht er ein Thema an, das längst auch Konsens unter Umwelt- oder Radfahrverbänden wie dem Fahrradclub ADFC ist. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen häufen sich die Konflikte, sagen sie. Denn Radfahrer kämen nicht zügig voran und Fußgänger würden bedrängt und gefährdet. Eine Trennung der Flächen sei daher Voraussetzung dafür, „die beiden nachhaltigsten Fortbewegungsarten“ wirksam zu fördern.

Derweil sind der städtischen Verwaltung im betroffenen Vennbahnabschnitt gar keine besonderen Probleme zwischen Radfahrern und Fußgängern bekannt, wie das städtische Presseamt auf Anfrage mitteilt. Auch bei dem für Kornelimünster und Walheim zuständigen Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen sind zumindest aus diesem Bereich bisher noch keine Beschwerden eingegangen.

Gaststätte „Bahnhofsvision“

Als besonders konfliktträchtig gilt hingegen das Vennbahnstück an der Gaststätte „Bahnhofsvision“ in Kornelimünster, das bereits Thema in der Bezirksvertretung war. Auch dort gingen die Meinungen darüber auseinander, ob Radfahrer Vorrang vor den Besuchern der Außenterrasse oder spielenden Kindern haben. „Kinder haben ein Recht, da zu laufen“, ist von Thenen überzeugt, ein Recht auf freie Fahrt hätten Radfahrer hingegen nicht. Entspannung erhofft er sich von der geplanten Verschwenkung der Vennbahntrasse, die dann an einer zusammenhängenden Gastronomiefläche vorbeiführt.

Nach Angaben von Evelin Wölk vom Presseamt gibt es darüber hinaus allerdings auch Überlegungen, den Vennbahnweg von Rothe Erde bis Walheim zu verbreitern. Auch dies würde sicher dazu beitragen, dass sich Fußgänger und Radfahrer nicht so schnell ins Gehege kommen. Bis dahin könne man an die verschiedenen Nutzer nur appellieren, gegenseitig Rücksicht zu nehmen.

Denn an den Aussagen, die auf den Zetteln nachzulesen sind, gibt es aus Sicht der Stadt nichts zu beanstanden. „Das ist alles richtig, was da steht“, sagt Wölk. Wie lange sie hängenbleiben, ist allerdings noch ungeklärt. Denn eigentlich fällt die Aktion in die Rubrik „Wildes Plakatieren“, sie ist demnach verboten. Das Bezirksamt will sich der Sache annehmen.

Mehr von Aachener Zeitung