Aachen: Unbekannte Ansichten einer bekannten Stadt

Aachen: Unbekannte Ansichten einer bekannten Stadt

Viele Sehenswürdigkeiten der Kaiserstadt springen Besuchern sofort ins Auge, doch die Sehenswürdigkeiten, die jetzt ein neu erschienenes Buch vorstellt, kennen nicht einmal alle Aachener. Hausmarken und Hauszeichen an den Häusern erschließen sich nämlich erst, wenn man gezielt danach sucht — und dafür nach oben blickt.

Dann allerdings ist eine Menge zu entdecken, Heiligenfiguren, Wappentiere, Gestalten der griechischen Mythologie oder heimischen Sagen. Das sechsköpfige Autorenteam Vera Blazek, Betty Dahmen, Ruth und Georg Fiand, Joseph Gelück sowie Hubertus Peters vom Kulturverein Aachen-Prag haben 60 dieser „Hauszeichen und Haussymbole“ in Aachen“ in ihrem Buch (146 Seiten, Preis 12,80 Euro) zusammengetragen.

Ein Vortrag der tschechischen Historikerin Lydia Petráová über Hauszeichen in Prag weckte bei den Mitgliedern die Neugier, wie es wohl in Aachen aussähe. „Wir waren zu Beginn nicht sicher, ob wir mit Prag konkurrieren können“, so Vera Blazek . Doch ein anschließender Spaziergang mit der Historikern durch die Innenstadt brachte erhellende Ansichten — gleich zwei Einhörner entdeckte Petráová bei diesem Rundgang und ermunterte die Gruppe, dranzubleiben.

Zwei Jahre waren sie mit Fernglas und Kamera bewaffnet in der Innenstadt unterwegs, recherchierten in Archiven und im Amt für Bodendenkmalpflege zu Ursprung und Bedeutung der Zeichen oder fragten auch bei den Hausbesitzern und -bewohnern direkt an — mal mit mehr oder weniger Erfolg. „Vielen Hausbewohnern waren die Hauszeichen selbst noch gar nicht aufgefallen, bevor wir sie darauf angesprochen haben“, erzählt Co-Autor Hubertus Peters.

Bevor Hausnummern die Orientierung im Stadtgebiet erleichterten, übernahmen die Hauszeichen diese Funktion. Sie wiesen auf den Namen des Hausbesitzers oder auf den Berufsstand hin. „Auch nach Einführung der Hausnummern behielten Eigentümer das Anbringen von Hauszeichen bei, um ihrem Haus eine individuelle Note zu verleihen“, so Ruth Fiand.

Die Autoren haben darüber hinaus auch viele interessante Details zur Stadtgeschichte zusammengetragen, die mit den Geschichten rund um die Entstehung der Hauszeichen zusammenhängen. So sei die Madonna in der Nische des Hauses „Goldener Apfelbaum“ an der Krämerstraße erst nachträglich vergoldet worden, um den Namen zu unterstreichen. „Diese nachträgliche Vergoldung stieß bei vielen Aachenern und auch beim Künstler selbst auf Ablehnung“, erzählt Vera Blazek.

Das Buch mit einem einführenden Teil von Lydia Petráová ist so aufgebaut, dass es wie ein Rundgang durch die Innenstadt genutzt werden kann oder auch direkt bei einem Spaziergang mitgenommen werden kann. „Das bietet auch den Aachenern die Möglichkeit ,ihre‘ Stadt mal in einem neuen Blickwinkel zu betrachten“, so Hubertus Peters.

Vieles zur Bedeutung und Geschichte der Aachener Hauszeichen ist jedoch kaum erforscht . Insofern sehen die Autoren ihr Buch als eine Art „work in progress“: „Wir würden uns freuen, wenn wir Aachener dazu motivieren können, uns zu kontaktieren, wenn sie etwas zur Geschichte eines Hauszeichens wissen“, so Vera Blazek. Die anfängliche Befürchtung, man fände nicht genug Hauszeichen, hat sich indes zerschlagen. „Man findet immer wieder etwas“, so Ruth Fiand.

Material für eine Fortsetzung wäre vorhanden. Das Buch „Hauszeichen und Haussymbole in Aachen“ ist ab Donnerstag im Buchhandel erhältlich.

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