Aachen: Umweltverbände: Druck bei Aseag-Umrüstung erhöhen

Aachen : Umweltverbände: Druck bei Aseag-Umrüstung erhöhen

Bei der Umrüstung auf saubere Busse habe sich die Stadt in den zurückliegenden Jahren kaum profiliert, sagen die Aachener Umweltverbände zur Luftreinhaltung in Aachen. Wollten Politik, Stadt und Aseag möglichst abgasarmen ÖPNV, dann gleiche das Ergebnis nach dem Ausgangspunkt Luftreinhalteplan 2009 und Fortschreibung 2015 aus Sicht verschiedener Umweltverbände einem „Schlag ins Wasser“.

SCR-Technik — die Abgasreinigung mit Harnstoffeinspritzung — sei damals abgelehnt worden mit der Begründung, man setze lieber gleich auf vollelektrische Busse, um emissionsfrei zu fahren.

Bis heute fahre ein einziger Elektrobus durch die Stadt, und der nicht einmal regelmäßig. Auch das selbstgesteckte Ziel, die Aseag-Flotte in den Jahren 2015 bis 2017 mit Hochdruck auf Euro-6 umzurüsten, habe man nicht nur verfehlt, man sei es gar nicht erst angegangen, beklagen die Verbände.

Martin Christfreund (ADFC): „Der Fairness halber muss man die Anstrengungen der Stadt Aachen erwähnen, in großem Stil auf Elektrobusse zu setzen, böten diese doch immerhin die Möglichkeit, Linienbusse komplett NO2-frei durch Aachen fahren zu lassen.“ Aber — und hier schicken die Verbände zwei fette „Aber“ ins Rennen: Für die Großserie seien die Busse damals nicht reif gewesen und sie seien es bis heute nicht.

Eigentlich sollten schon etliche Elektrobusse in Aachen unterwegs sein. Nachdem allerdings ein Werk des Herstellers Sileo in Salzgitter abgebrannt war, verzögerte sich die Lieferung der Fahrzeuge immer wieder. Angepeilt ist nun das vierte Quartal dieses Jahres. Die Nachfrage nach Bussen, die elektrisch fahren, ist derzeit viel größer als das Angebot. Anbieter, die Fahrzeuge liefern, die sich für den Linieneinsatz eignen, sind rar am Markt. Deshalb sind Verkehrsunternehmen quasi gezwungen, zu nehmen, was sie bekommen können. Vom Vertrag zurückzutreten und einfach zu einem anderen Hersteller zu wechseln, ist, wenn man unbedingt Elektrobusse im Fuhrpark haben will, keine Alternative.

Was aber zur Technik eine Alternative sein könnte, darauf haben die Umweltverbände eigener Aussage nach bereits früh hingewiesen: die SCR-Technik. Mit SCR-Kats hätte man Euro-3-Stinker auf ein Niveau nahe moderner Euro-6-Busse bringen können, monieren die Verbände. Und das hätte mit dem Geld für einen einzigen E-Bus gleich ganze 50 Mal funktioniert. Stattdessen also auf das aus Verbandssicht falsche Pferd gesetzt.

Sabine Neitzel vom VCD Aachen: „Der Preis für diese Fehlentscheidung ist hoch: Die Anschaffung von Euro-6-Bussen ist stark ins Hintertreffen geraten, stattdessen fahren munter viel zu viele alte Euro-3-Stinker durch Aachen.“ In der Stadt seien, Stand 1. Januar 2018, 91 Busse ohne SCR-Technik unterwegs. Das seien 40 Prozent der Aseag-Flotte. Mittlerweile zeigt die Aseag sich dem Vernehmen nach willig, SCRT Einzug halten zu lassen. Genauere Informationen über das Wann, Wie und Wieviel wolle man noch übermitteln. Das gelte ebenso für das Thema Aufstockung der Bestellung von Elektrobussen.

(red)