Umsetzung von städtischem Projekt ist komplizierter als gedacht

E-Mobilität in Aachen : Der Ausbau von E-Zapfsäulen zieht sich hin

Etwa acht Monate ist es her, dass die Stadtverwaltung ein Projekt vorgestellt hat, mit dem die Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Aachen deutlich verbessert werden soll. Zu sehen ist bislang jedoch wenig, denn die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als zunächst angenommen.

Woran liegt es, dass in der Stadt Aachen, die sich das Thema Elektromobilität ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat, nur wenige Elektroautos auf der Straße zu sehen sind? Ein Grund könnte die durchaus noch ausbaufähige Ladeinfrastruktur sein.

„50 Ladesäulen für E-Autos gibt es aktuell in der Stadt“, sagt Axel Costard, Referent des Oberbürgermeisters für den Bereich emissionsfreie Mobilität. Geplant sei, diese Zahl auf 400 zu erhöhen. Weil das viel Geld kostet – die Säulen können je nach Ausführung mit bis zu 70.000 Euro zu Buche schlagen – hat man sich um Fördermittel des Bundes beworben. Vornehmlich sollen damit E-Zapfsäulen oder zumindest Ladepunkte auf Privatgelände finanziert werden, vor allem bei Aachener Unternehmen, die ihren Fuhrpark auf Elektroautos umstellen möchten. „Align“ heißt das 6,8-Millionen-Euro-Projekt, die Abkürzung steht für Ausbau von Ladeinfrastruktur durch gezielte Netzunterstützung“. Klingt kompliziert, ist es auch.

Rechtliche Fragen

„Wir haben festgestellt, dass die Umsetzung unserer Pläne deutlich komplexer ist als zunächst angenommen“, sagt Costard. Es gebe noch eine Menge rechtlicher Fragen zu klären, angefangen beim Eigentum über die konkreten Anforderungen jedes einzelnen Unternehmen bis hin zur Frage, was passiert, wenn eine Firma mal den Standort wechseln sollte. „Wir werden ab diesem Herbst einen neuen Kollegen mit an Bord haben, der sich um die Anfragen der Unternehmen kümmert“, verspricht Costard.

Und davon gab es bisher schon eine Menge: Bereits 150 Aachener Betriebe hätten sich nach den Zapfsäulen für E-Fahrzeuge erkundigt. Darunter seien solche, die bereits E-Autos in ihrem Fuhrpark haben, aber auch andere, für die das Thema noch komplett Neuland sei. „Das ist eine Menge Arbeit für uns, aber wir freuen uns auch über den Zuspruch“, betont Costard. Schließlich müsse die Stadt mehr tun, um den Schadstoffausstoß im Straßenverkehr zu verringern.

Ideen, wie das funktionieren könnte, gibt es jedenfalls einige: „Wir wollen Gleichstromladesäulen für Paketdienste aufstellen. Damit geht das Laden besonders schnell“, sagt Costard. So soll ein Anreiz für die Firmen gesetzt werden, um auf E-Mobile umzurüsten. Denkbar wären ähnliche Modelle beispielsweise auch für Pflegedienste oder Taxiunternehmen, also solche Firmen, die viel in der Stadt unterwegs sind, aber nicht zwingend viele Kilometer an einem Stück fahren.

Frist soll verlängert werden

Trotz des neuen Kollegen, der bald seine Tätigkeit aufnimmt: Man brauche mehr Zeit für den Aufbau der Ladepunkte als gedacht, sagt Costard, und die Frist des Bundesprogramms, Ende 2020, sei nicht zu schaffen. „Wir haben aber einen Antrag in Vorbereitung, um diese Frist noch einmal bis September 2022 zu verlängern. Und die Aussichten, dass das genehmigt wird, sind gut.“

Das kann Bernd Bauche vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches die Projektträgerschaft für „Align“ übernommen hat, nur bestätigen. Neben Aachen gibt es noch weitere neun Projektstädte, und keine davon schafft die Umsetzung bis Ende 2020.

Darum wird es auch eine Verlängerung geben – und sogar zusätzliches Geld für den Mehraufwand, den Costard angesprochen hat. „Aachen kann noch bis zu zwei Millionen Euro mehr für das Projekt bekommen“, sagt Bauche. Allerdings sei mit dem zeitlichen Aufschub und dem weiteren Geldsegen ein bisschen mehr Arbeit verbunden: Die bei „Align“ beteiligten Kommunen müssen jetzt halbjährlich statt bloß einmal pro Jahr Bericht erstatten, wie weit sie mit der Umsetzung sind.

Informiert werden sollen bald auch all die Unternehmen, die sich bereits bei der Stadt nach den Fördermöglichkeiten erkundigt haben. Noch habe er nicht alle Interessenten erreichen können, erklärt Costard auf Nachfrage. „Aber wir wollen bald ein Rundschreiben aufsetzen und über den Stand der Dinge informieren.“ Tenor: Es wird – wenn auch etwas langsamer als zunächst gedacht.

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