Aachen: Umleitung jetzt durchs Zentrum von Burtscheid

Aachen: Umleitung jetzt durchs Zentrum von Burtscheid

Burtscheider Baustellenposse, zweiter Teil: Die städtischen Verkehrsplaner haben den gewagten Versuch, einen erheblichen Teil des Verkehrs auf dem Außenring mitten durch ein beschauliches Wohngebiet zu schicken, am Donnerstag abgebrochen.

Er hatte sich auch nicht als sonderlich tauglich erwiesen. Im Gegenteil: Gegen die Maßnahme, wegen einer kleinen Stawag-Baustelle auf der Adenauerallee das Blech über Kalverbenden, Rathenauallee und Karl-Marx-Allee umzuleiten, sind in den vergangenen Tagen Anwohner wie Autofahrer in Burtscheid Sturm gelaufen.

Doppelt hält besser: Der zweifache Radweg auf der Eupener Straße vor dem Zebrastreifen am Pius-Gymnasium wartet schon lange auf Korrektur.

Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr bildeten sich seit Dienstag lange Staus, insbesondere an der Ampelkreuzung Karl-Marx-Allee/Adenauerallee, wo der umgeleitete Verkehr wieder auf den geführt wurde — allerdings ohne die Ampelschaltung anzupassen. Betroffene berichteten von 40 Minuten Zeitverlust. Auch am Donnerstag meldeten sich noch erzürnte Anwohner in der Redaktion.

Überflüssig: Parallel zum Straßenradweg gab die Stadt noch einen Fußgängerweg für Radler frei.

Ein Leser berichtete beispielsweise, dass er bereits kurz vor Beginn der Baumaßnahme die Verantwortlichen bei Stadt und Stawag auf den wegen der Umleitung zu erwartenden Verkehrskollaps hingewiesen, aber kein Gehör gefunden zu haben: „Leider bin ich bei den Menschen, mit denen ich Kontakt hatte, auf taube Ohren gestoßen oder es fehlte ein bisschen Flexibilität oder etwas guter Willen.“ Andere Betroffene beklagten den enormen Lärm, den Wegfall von Parkplätzen und die erhöhte Gefahr durch Raser in der sonst ruhigen Wohnstraße Kalverbenden.

Doch damit ist seit Donnerstagnachmittag Schluss. Kalverbenden ist nun wieder tabu, stattdessen wird der Umleitungsverkehr von der Kreuzung Siegel aus sofort über Robert-Schuman-Straße, Kapellenstraße, Viehhofstraße und Karl-Marx-Allee wieder zum Ring geführt. Ob sich diese Variante bewährt, die mitten durchs Burtscheider Zentrum führt, werden die nächsten Tage zeigen. Das engste Nadelöhr — die Kreuzung Karl-Marx-Allee/Adenauerallee —hat die Stadt aber nach eigenem Bekunden nun aufgeweitet: „Wir haben dort die Ampelschaltung für Linksabbieger verbessert. Das funktioniert jetzt“, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt.

Zuweilen hilft es aber auch nichts, wenn die Stadt lange vorher über ihre Fehler informiert wird. Beispiel Eupener Straße: Da versucht Anwohner Wolfgang Westerkamp seit 2014, einige völlig unsinnige Radfahrzeichen von der Straße zu holen. Immer wieder sucht Westerkamp Kontakt zum sogenannten „Verkehrsmanagement“ im Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Viel wird anderthalb Jahre lang telefonisch beteuert, vor Ort ändert sich nichts. Dabei wäre es so einfach: Da wurde ab der Kreuzung zur Salierallee ein per blauem Piktogramm verpflichtender Radweg auf der Straße markiert — und einige Meter daneben parallel dazu ein Fußgängerweg für Radfahrer freigegeben.

Die dürfen nun — so will es das Schild — 20 Meter auf dem Bürgersteig fahren und gleich noch über einen Zebrastreifen (!), bevor dieser Rad-/Fußweg — wieder per Schild — aufgehoben wird. „Die Schilder widersprechen sich, das ist offensichtlich und unbestritten“, sagt Westerkamp. „Aber die Stadt montiert die überflüssigen neuen Schilder einfach nicht ab. Ich verstehe das nicht; das kostet doch alles Geld“, sagt er. Und verweist auf ein weiteres Beispiel auf der Eupener Straße unmittelbar vor dem Pius-Gymnasium. Auf der einen Seite hat man den Radweg vom Bürgersteig auf die Straße verschwenkt — und exakt am Übergang den Gehweg aufgepflastert. Extreme Sturzgefahr.

Oder gegenüber: Da gibt es vor einem verengten Zebrastreifen gleich zwei Radwege nebeneinander. Beide mit eigenem Radsymbol. Wer sich für den linken entscheidet, darf sich am Fußgängerüberweg mit Autos über den Platz auf der Straße streiten. Rad und Pkw passen mangels Platz nicht nebeneinander. Nur wer den rechten Radweg nutzt, wird sicher an der Engstelle vorbeigeführt. „Mit wurde so oft versprochen, dass dies geändert wird. Diese Willkür und diese Untätigkeit kann ich nicht nachvollziehen“, ärgert sich Westerkamp.

Die Stadt bestätigt auf AZ-Anfrage, dass ihr die „dokumentierten Unzulänglichkeiten bekannt“ sind. „Es ist vorgesehen, diese mit der ausstehenden Asphaltierung der Eupener Straße bis zum Jahnplatz zu beheben. Aufwändige Fräsarbeiten zur Beseitigung der Piktogramme vorher machen nicht so viel Sinn“, teilt das Presseamt am Donnerstag mit. Ursprünglich sei dies 2015 geplant gewesen, man habe es aber auf dieses Jahr verschieben müssen — in die Sommerferien, vom 11. bis 24. Juli. Dann soll es flott gehen: „Die Arbeiten werden in zwei Abschnitten vom Pius-Gymnasium bis zum Jahnplatz vorgenommen“, erklärt die Stadt. Die falschen Schilder sollen nun in den kommenden Tagen verschwinden. Anwohner Westerkamp hofft, dass die Posse um irrsinnige Radwegmarkierungen damit endlich beendet wird — ohne weitere Fortsetzung.

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