Inklusives Sportangebot: Überschrift lautet Rücksichtnahme und Miteinander

Inklusives Sportangebot : Überschrift lautet Rücksichtnahme und Miteinander

Große Bälle, kleine Bälle, Basketballkörbe, Handballtore – und Rollstühle. Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, wird in der Viktor-Frankl-Schule an Kalverbenden bei genauerem Hinsehen zu einer bemerkenswerten Symbiose. Jeden Montag um 15.30 Uhr treffen sich in der Schulturnhalle Kinder mit und ohne Behinderung unter Anleitung von Marie Streuf und ihren Kolleginnen Mona Scheidtweiler und Caro Lerp.

Streuf absolvierte vor ihrer Ausbildung ein Praktikum unter dem Motto „Gemeinsam bewegt“, was ihr damals bereits viel Spaß und Erfahrungen brachte. Selbst Mitglied im Burtscheider Turnerbund (BTB), stellte sie fest, dass das dortige Angebot des Rolliball für Kinder mit und ohne Behinderung einzuschlafen drohte. Sie führte die Kinder ihrer Gruppe in die BTB-Gruppe und öffnete die Themen vom Ballspiel hin zu Bewegungsspielen. „BTB-Rolliball meets Gemeinsam bewegt“ lautet nun der etwas sperrige Namen.

Mittlerweile tummeln sich montags bei den Terminen bis zu 15 Kindern im Alter zwischen 4 und 15 Jahren in der Halle, der Spaß steht ihnen dabei ins Gesicht geschrieben. „Hier helfen sich alle untereinander“, weiß Streuf aus Erfahrung. Die Kinder würden sehr unkompliziert miteinander umgehen, berichtet sie. Vorurteile werden erst gar nicht aufgebaut.

Dabei ist die Rollenverteilung immer unterschiedlich, mal können die Kleineren den Größeren helfen, mal die behinderten Kinder den nicht behinderten. „Rücksicht und Miteinander sind die großen Überschriften unserer Stunden“, ist Streuf mit der Entwicklung der sozialen Kompetenzen ihrer Schützlinge begeistert. Dabei sind sie und ihre Mitstreiterinnen während der Übungszeit vollauf konzentriert, die Kinder fordern nicht selten große Aufmerksamkeit ein. „Wir müssen dann auf die Kinder eingehen, nicht jeder ist jeden Tag gleich gut drauf“, wacht sie mit Argusaugen über ihre Schäfchen.

Aber diese Freiheiten müssen sein, schließlich gilt es auch, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein zu fördern. „Die Kinder kommen nicht selten den ganzen Tag nicht dazu, sich zu bewegen. Viele Therapien und häufiges Hin- und Hertransportieren nehmen viel Zeit in Anspruch“, weiß sie um die Alltagsprobleme ihrer Gruppe. Deshalb ist allen der Dienstag so wichtig. Auch die Elternteile, die aufmerksam zuschauen, haben etwas Zeit zum Luftholen. „Laura ist viel selbstsicherer geworden, seit sie hier ist“, berichtet eine Mutter über ihre siebenjährige Tochter, die im elektrischen Rollstuhl einem Jungen mit einem großen Ball hinterherfährt und versucht, ihn einzuholen.

Dass das Projekt funktioniert, hat zu verstärkter Wahrnehmung auch außerhalb der Turnhalle geführt. Erst im September konnten sich alle über den 1. Platz beim „Starke-Kids-Förderpreis der AOK“ und 3000 Euro freuen, Geld, das benötigt wird und gut tut. Aber auch die Anerkennung für ihre Arbeit freut das Team um Streuf. „Auch hinter den Kulissen helfen viele mit, dass wir hier den Kindern helfen können“, freut sie sich über tatkräftige Unterstützung ihrer Vorgesetzten und wäre glücklich, wenn sich noch weitere, auch finanzielle Unterstützer bei Streuf melden würden. Die sportliche Ausstattung ist teilweise kostspielig und wird nicht immer über Spenden ganz gedeckt.

Natürlich sind auch neue junge Sportler willkommen. „Einfach montags vorbeikommen und zuschauen, dann besprechen wir alles Weitere“, wirbt sie für weitere Kursteilnehmer. Denn Spaß sollen so viele Kinder wie möglich haben.

Kontakt: mastreuf@gmail.com

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