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Aachen: Tunnel an der Adenauerallee muss neu gebaut werden

Aachen : Tunnel an der Adenauerallee muss neu gebaut werden

Manchmal muss man eben Glück im Unglück haben. Seit 40 Jahren rollen Autos, Busse, Schwerlaster durch den Verbindungstunnel zwischen Madrider Ring und Adenauerallee und auf der Trierer Straße darüberhinweg. Zig Millionen Fahrzeuge sind es mit steigender Tendenz insgesamt gewesen. Passiert ist nichts. Der 215 Meter — mit Ein- und Ausfahrten rund 400 Meter — lange Tunnel hat stets standgehalten.

Dabei fehlt ihm etwas nicht ganz Unwesentliches. Wo aus statischen Gründen eigentlich im Beton Stahlarmierungen sein sollten, da sind keine. Was auch für Arndt Meyer, Bauleiter beim Landesbetrieb „Straßen.NRW“ die Vermutung nahelegt: Beim Bau des Tunnels in den 1970er Jahren könnte offenbar gepfuscht worden sein.

Deutlich aktueller ist die Frage: Was jetzt? Eigentlich sollte bereits 2016 oder 2017 mit einer Sanierung begonnen werden. Doch die ist aufgrund der neuen Erkenntnisse nun gar nicht mehr möglich, da die Genehmigung einer Tunnelkonstruktion ohne Stahlbewährungen völlig undenkbar wäre. Mit anderen Worten: Der Tunnel muss völlig neu gebaut werden.

Anlass der seinerzeitigen Sanierungsüberlegungen war, dass nach aktueller Vorschriftenlage neue Technik — wie etwa Kameras — in den Tunnel hätte eingebaut werden müssen. Da jedoch Feuchtigkeit eindrang und hier und da Beton bröckelte beziehungsweise Wandfliesen herunterfielen, fasste der Landesbetrieb die Sanierung ins Auge: „Es wäre ein Schildbürgerstreich gewesen, Millionen in Tunneltechnik zu stecken, wo es gleichzeitig durch die Decke tropft“, so Meyer. Und da man gerade dabei war, schaute man noch genauer hin, nahm zum Beispiel Probebohrungen vor. Und entdeckte nicht, was man hätte entdecken müssen — nämlich die Stahlbewehrung.

Dass der Tunnel nicht mehr saniert werden kann, teilte man nun am Donnerstag — auch aufgrund von Medienanfragen — der Stadt mit. Die nämlich hängt im Falle eines Neubaus kostenmäßig am Fliegenfänger. Für Arndt Meyer steht fest: „Die Stadt hat den Tunnel damals gebaut. Zudem ist sie Baulastträgerin für die Trierer Straße.“ Das ist eine Bundesstraße, doch im innerörtlichen Bereich ist die Kommune zuständig. Der Landesbetrieb sei lediglich wegen einer damals abgeschlossenen Zusatzvereinbarung für den Unterhalt des Tunnels verantwortlich. Ein Neubau zählt naturgemäß nicht zum Unterhalt.

Die Experten bei der Stadt dürfte das ziemlich umgehauen haben. Kostete der Bau damals sechs Millionen D-Mark, so würde ein Neubau ein Vielfaches davon verschlingen. Die Stadt will deswegen jetzt erstmal prüfen, ob das alles so seine Richtigkeit hat und schnellstmöglich Gespräche mit dem Landesbetrieb führen. „Das Ergebnis der Untersuchungen kennen wir bis auf die Nachricht von Donnerstag gar nicht im Detail“, sagt Harald Beckers vom Presseamt.

Und die Stadt als Bauherrin des Tunnels wird sich jetzt, da die schweren Baumängel bekannt sind, die Frage stellen müssen: Muss der Tunnel aus Sicherheitsgründen geschlossen werden? Arndt Meyer ist felsenfest von einem Nein auf diese Antwort überzeugt: „Der Tunnel hält seit 40 Jahren und hat sogar Erdbeben überstanden. Er würde auch noch viele weitere Jahre halten.“ Sollte entgegen dieser Annahme aber dennoch etwas passieren, stünde die Stadt in der Verantwortung. Und sie weiß jetzt anders als zuvor von den gravierenden Mängeln. „Man wird sich in den kommenden Tagen die gesamte Lage anschauen müssen“, so Beckers. Das gehe erst, wenn man die nötigen Informationen habe.

Schon eine Sanierung wäre den Plänen nach mit Sperrungen und Umleitungen verbunden gewesen. Was ein Neubau für den Verkehr auf zwei der meistbefahrenen Achsen der Stadt, die Umleitungsstrecken wie Neuenhof- und Debye—straße und die gesamte Umgebung bedeuten würde, kann man sich kaum ausmalen. Was natürlich auch für eine kurzfristige Schließung des Tunnels gelten würde.

Wobei sich in den Diskussionen, die nun kommen werden, noch eine weitere Frage stellt: Sollte man heute noch einmal einen solchen Tunnel bauen? Oder sollte man ihn zuschütten und sich eine andere, ungleich preiswertere Lösung mit einer normalen Kreuzung überlegen? Nach der Nachricht vom Donnerstag hat es dem Vernehmen nach solche Gedanken schon gegeben. Es werden noch viele weitere auf den Tisch kommen . Ende offen.