TÜV: In Aachen warten Fahrschüler weiter lange auf Fahrprüfungen

Lange Wartezeiten für Fahrprüfungen : TÜV Rheinland gelobt Besserung bis Mitte September

Der Berg wird zwar kleiner, abgearbeitet ist er aber noch lange nicht: Noch immer müssen Fahrschüler im Raum Aachen ungewöhnlich lange auf einen Termin für ihre Fahrprüfung warten. In Einzelfällen seien es in den vergangenen Monaten bis zu sieben Wochen gewesen, berichtet Sebastian von Helden, Leiter der Aachener Fahrschule von Helden mit drei Standorten im Stadtgebiet.

Jahrelang war ein Zwei-Wochen-Rhythmus die Regel. Von Helden spricht von „unhaltbaren, katastrophalen Zuständen“ beim TÜV Rheinland. Auch heute noch.

Im Juni hatten Fahrlehrer aus der Region Alarm geschlagen, weil der TÜV, der hierzulande das Monopol bei der Abnahme von Fahrprüfungen hat, mit den Terminen nicht hinterher kam. Lange Wartezeiten sorgten dafür, dass Fahrschüler mehr Fahrstunden nehmen und damit auch mehr Geld bezahlen mussten. Kurzfristig verlegte Prüfungstermine brachten den Terminkalender sowohl der Fahrschulen als auch der Schüler durcheinander – Termine, die Wochen im Voraus geplant sind. Die Arbeitsagentur Aachen-Düren musste sogar Bildungsmaßnahmen verlängern, weil Fahrschüler, denen der Führerschein von der Arbeitsagentur bezahlt wird, ihre Prüfung nicht ablegen können.

Dass Fahrlehrer aus der Region zu einer Berichterstattung beigetragen haben, hat nach Aussagen von Ralf Dovermann einen Beitrag dazu geleistet, dass der TÜV Rheinland die Problematik ernsthaft angegangen ist. Dovermann ist der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes im Bezirk Aachen, am Montag hat er an einer Gesprächsrunde mit dem TÜV teilgenommen. Jetzt kann er auf Anfrage mitteilen: „Ab den Kalenderwochen 37/38 soll beim TÜV wieder alles in Ordnung sein. Das war die Frist, die wir als Fahrlehrerverband mit dem TÜV vereinbart haben.“ Die KW 37 beginnt am 16. September, also spätestens ab dem 23. September (KW 38) sollte sich die Wartezeit auf die gewohnten zwei Wochen reduzieren.

Derzeit seien es noch zwei Wochen und fünf Tage, wie die Prüforganisation auf Anfrage mitteilte. Dass die Probleme im September behoben sein sollen, sei intern „eine klare Vorgabe“. Im Juni war allerdings noch die offizielle Aussage, dass sich die Lage bis zum Ende der Sommerferien entspannt haben sollte. Das neue Schuljahr begann am Mittwoch.

Dass sich die Wartezeit mittlerweile auf rund drei Wochen reduziert haben soll, ist für Sebastian von Helden indes „an den Haaren herbeigezogen“. „Ein Vorlauf von vier bis fünf Wochen ist immer noch normal“, sagt er verärgert. Fahrlehrersprecher Ralf Dovermann gibt sich seit Montag dennoch optimistisch: „Der TÜV wird die Frist einhalten. Der TÜV hat das Problem nach der überregionalen Berichterstattung eingesehen und angepackt. Das System hat einfach nicht mehr funktioniert.“

Lückenfüller aus der oberen Etage

Um den angestauten „Prüfungsberg“ abzuarbeiten, terminiere der TÜV Prüfungen nun auch auf Samstage. Als weitere Maßnahme seien Führungskräfte, wie zum Beispiel Leiter der einzelnen Prüfstellen, als Prüfer eingesprungen, berichtet Dovermann. Quasi als Lückenfüller aus den oberen Etagen des TÜV.

Über die Gründe der entstandenen Problematik gibt es mehrere Ansichten. Für Sebastian von Helden ist klar: „Die Führungsebene hat verschlafen, für Nachwuchs zu sorgen.“ Hinzu komme die interne Umstrukturierung des TÜV Rheinland zu Beginn des Jahres, weil seitdem die Anfragen aus der Aachener Umgebung zentral von Bonn aus koordiniert werden. Der TÜV selbst räumte im Juni auf Anfrage ein, dass der zweite Aspekt zu der aktuellen Situation beigetragen hat – der vermeintliche Fahrlehrermangel aber nicht. Stattdessen seien die verkürzten Feiertagswochen im Frühjahr und saisonal bedingt viele Motorradprüfungen für die Wartezeiten verantwortlich.

Sollte der TÜV es nicht wie versprochen hinbekommen, die Warteschleifen bis September auf das gewohnte Minimum zu reduzieren, hat der Fahrlehrerverband kein richtiges Druckmittel, das weiß Ralf Dovermann natürlich. Aber es habe in den vergangenen Wochen Wirkung gezeigt, dass sich das Verkehrsministerium nach der deftigen Kritik des Fahrlehrerverbandes eingeschaltet hat. Erst das für NRW zuständige in Düsseldorf, dann der große Bruder aus Berlin.

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