Aachen: TÜV bremst Achterbahn auf dem Bend aus

Aachen: TÜV bremst Achterbahn auf dem Bend aus

Auf Sicherheitsbedenken fährt hier niemand ab. Sie gibt es auf dem Öcher Bend nicht. Die Technik läuft fehlerlos. Trotzdem steht die riesige Hauptattraktion des diesjährigen Frühjahrsbends — die Achterbahn „Spinning Coaster“ — still.

Der Grund: Der zuständige TÜV Süd findet auch in den kommenden Tagen keine Zeit, einen Experten für derlei „fliegende Bauten“ von München nach Aachen zu schicken, um hier vor Ort einen fehlenden deutschen Prüfstempel unter die elektrotechnischen Unterlagen der niederländischen Achterbahn von Colin Buwalda zu setzen. So will das nämlich die Vorschrift.

Enttäuscht: Schausteller-Chef Peter Loosen hofft, dass der TÜV die technisch einwandfreie Achterbahn doch noch freigibt. Foto: Michael Jaspers

„Wir bitten um Verständnis, das klappt frühestens nächste Woche“, erklärt Dr. Thomas Oberst vom TÜV Süd auf Anfrage unserer Zeitung. Man müsse schließlich in ganz Deutschland Fahrgeschäfte prüfen. Und da habe man eben gerade im Frühjahr, wenn vielerorts das Kirmesgeschäft beginnt, nicht immer Personal verfügbar, erklärt er. Zumal man den Betreiber des „Spinning Coasters“ bereits Ende vergangenen Jahres schriftlich aufgefordert habe, fehlende Unterlagen zur Elektrotechnik nachzureichen.

Denn eigentlich sollte die Achterbahn mit kreiselnden Gondeln am vergangenen Osterwochenende in der Kaiserstadt Deutschland-Premiere feiern. Doch daraus wurde nach der gescheiterten Erstabnahme vom Wochenende nichts, obwohl Achterbahn-Chef Colin Buwalda am Mittwoch persönlich beim TÜV Süd in München vorstellig wurde — mit sämtlichen nachgeforderten Zertifikaten für sein Fahrgeschäft im Gepäck. Das bestätigt auch Dr. Oberst.

Bloß: Abnahme und Prüfung — quasi der amtliche Stempel — müssen in Aachen stattfinden. Wohlgemerkt: Es gibt offenbar keinerlei Sicherheitsbedenken, nur eben noch keine offizielle Freigabe gemäß der Vorgaben deutscher Behörden. Also bleibt der Coaster gesperrt.

In den Niederlanden hat sich der brandneue „Spinning Coaster“ im Wert von über einer Million Euro 2015 bereits als Publikumsliebling etabliert — natürlich mit allen sicherheitstechnischen Genehmigungen. „Wir dürfen drei Kilometer von hier direkt hinter der Grenze problemlos unsere Achterbahn betreiben — nur hier geht das ohne diese Freigabe nicht“, sagt Buwaldas Ehefrau Willemien. Die erfahrene Schausteller-Familie versteht die Welt nicht mehr: „Ich begreife nicht, warum man uns das Überleben so schwer macht. Es ist zum Verzweifeln“, sagt sie. Man schäme sich, dass man nun direkt hinter dem Bend-Haupteingang an der Kühlwetterstraße nur Stillstand bieten könne.

Finanziell ist das Aachen-Gastspiel ohnehin ein Fiasko. Rund 30.000 Euro kostet der Aufbau eines so großen Fahrgeschäfts nach Einschätzung des Schaustellerverbandes. Dann werden Standmieten, Versicherungsprämien, Personalkosten etc. fällig — auf der Einnahmenseite steht nichts. Frühestens Mittwoch wolle der TÜV Süd einen Mann nach Aachen zur endgültigen Abnahme schicken, kündigt Buwalda an. „Der Betreiber ist unheimlich engagiert. Er tut alles, was er kann“, sagt Markus Schöning, der fürs Eurogress den Bendplatz vermarktet. „Wir können nicht nachvollziehen, warum es solche Unstimmigkeiten gibt. Die Familie Buwalda ist als sehr seriöses Unternehmen in der Branche bekannt, seit Jahren auch hier in Aachen“, sagt Schausteller-Chef Peter Loosen.

Auch er betont, dass es mitnichten irgendwelche Sicherheitsbedenken gebe. Bis der entscheidende TÜV-Stempel die Achterbahn freigibt, könnte der Bend fast vorbei sein. Dabei sollen nach den besucherarmen Regentagen zum Wochenende jetzt erstmals die Massen strömen. „Über 120 Schausteller freuen sich auf die Besucher — gemäß Vorhersage bei bestem Wetter“, wirbt Loosen.

Mit dem 60 Meter hohen Kettenkarussell „Around the world“, mit der größten Schienengeisterbahn Europas, mit dem Hightech-Karussell „Ghostrider“ und mit dem Nostalgie-Fahrgeschäft „Evas Fahrt ins Paradies“ habe man einzigartige Attraktionen zu bieten, sagt der Schausteller-Chef. Spätestens zum Familientag am kommenden Mittwoch, wenn die Fahrgeschäfte zum halben Preis locken, sollte auch die Achterbahn „Spinning Coaster“ zum Höhenflug ansetzen, hofft Loosen. Nur: Mit Sicherheit sagen könne man das derzeit noch nicht, gibt er zu bedenken.