Aachen: „Tuchmacherviertel“ ein Renner

Aachen : „Tuchmacherviertel“ ein Renner

Der erste Spatenstich ist längst noch nicht erfolgt. Und auch die alten Gebäude stehen noch. Nicht einmal der Bebauungsplan ist vollends in trockenen Tüchern. Und doch: Das neue „Tuchmacherviertel“ erfreut sich jetzt schon großer Beliebtheit.

„Wir haben bereits jetzt ungewöhnlich viele Anfragen“, sagt Nisse Neßeler. Er ist der Projektverantwortliche für dieses riesige neue Wohngebiet, das auf dem Gelände der ehemaligen Tuchfabrik Becker entstehen wird. Wobei dieses große Interesse auf den zweiten Blick nicht so überraschend ist. Das „Tuchmacherviertel“ entsteht am Brander Ortsrand in direkter Nachbarschaft zum Vennbahnradweg — und jenseits dessen gibt es nur Natur und Wiesen, soweit das Auge reicht.

In ditrekter Nachbarschaft zum Vennbahnweg und zur Natur: Mehr als fünf Hektar soll das neue "Tuchmacherviertel groß werden. Auch eine neue Kita wird gebaut. Darstellung: Tuchmacherviertel GmbH.

Auf dem 54.000 Quadratmeter großen ehemaligen Fabrikgelände entstehen fast 100 Einfamilienhäuser und rund 170 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern. Der städtischen Quote entsprechend sollen 30 Prozent davon öffentlich geförderter Wohnraum sein. Außerdem ist eine große Kindertagesstätte geplant. Projektträgerin ist die „Tuchmacherviertel GmbH & Co. KG“. Sie wird je zur Hälfte vom Aachener Projektentwickler „Neßeler Projektidee“ und der „Brack Capital Germany“ getragen.

Im Verwaltungsverfahren für das Wohnviertel geht es ganz aktuell in die nächste Phase — die Beschlüsse zur Aufstellung und Offenlage des Bebauungsplans. Darüber beraten am 2. Mai die Bezirksvertretung Brand und am 17. Mai der Planungsausschuss. Eine Bürgerbeteiligung gab es bereits vor rund einem Jahr. Damals gab es insbesondere Bedenken wegen der zusätzlichen Verkehrsbelastung. Die Verwaltung sieht anhand der Eingaben jedoch keinen Grund für eine Abkehr von den Plänen. Auch Neßeler sagt, es habe keine grundlegenden Änderungen an den ursprünglichen Planungen gegeben.

Das Planungsrecht ist die eine Seite, die Umweltbelange sind die andere. Deswegen wird sich der Umweltausschuss am 8. Mai mit einer diesbezüglichen Analyse befassen. Die kommt zu dem Fazit, dass auch aus Umweltsicht nichts Wesentliches gegen das Projekt spricht. Lediglich einige Auflagen und Vorgaben soll es geben, etwa in Bezug auf Fledermausbrutstätten. Ein Thema sind wie so oft die Bäume. Ein großer Teil der auf dem Gelände stehenden Gehölze, nämlich 116, fallen unter die Baumschutzsatzung der Stadt Aachen. Von diesen 116 blieben aber bei einer Realisierung der Pläne nur ganze drei stehen.

Der Satzung nach müssten für die 113 gefällten Bäume 187 neu gepflanzt werden. Ein Drittel davon soll auf dem Gelände selber gepflanzt werden, ein Drittel außerhalb des Gebietes und das letzte Drittel soll durch Geldzahlungen abgegolten werden. Die drei Meter hohe, 300 Meter lange Buchenhecke entlang des Vennbahnradweges soll „als wesentliches ortsbildprägendes Element“ bleiben, noch erweitert und dann dauerhaft unter Schutz gestellt werden. Das gilt auch für den Bergahorn am Wegekreuz im Bereich des Kreisverkehrs an der Niederforstbacher Straße.

Wenn das Bebauungsplanverfahren weiter problemlos verläuft, könnte der Bebauungsplan Ende Oktober verabschiedet werden. Mit dem Abriss der alten Becker-Gebäude will der Bauherr wahrscheinlich bereits im September beginnen. Aus Lärmschutzgründen sollen dabei keine klassischen „Abrissbirnen“ zum Einsatz kommen. „Die Gebäude bestehen aus Fertigbauteilen, die wir Stück für Stück abtragen können“, erklärt Nisse Neßeler. Mit der Vermarktung der Häuser und Wohnungen soll dann — voraussichtlich — im nächsten Frühjahr begonnen werden. Wobei sich die Frage stellt, ob es angesichts der jetzt schon großen Nachfrage überhaupt noch großer Vermarktungsbemühungen bedarf.

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