Domspringen: Trotz Regens die sportliche Krönung

Domspringen : Trotz Regens die sportliche Krönung

Ein kolossaler Kaiser Karl steckt zwischen den Bestleistungen – so man Damen mit Herren vergleicht und den Karlsbrunnen auf dem Markt zu Rate zieht.

Was nicht nur wegen des spritzigen Wassers passt. 1,80 Meter misst die Karolinger-Statue auf dem knapp sieben Meter hohen Brunnen. Beim 15. NetAachen-Domspringen gewinnt Stefanie Dauber am Mittwochnachmittag die Frauen-Konkurrenz mit 4,21 Meter – während die deutsche Rekordmarke 6,01 Meter von Björn Otto aus dem Jahr 2012 am Abend buchstäblich unangetastet bleibt. Um exakt 21.33 Uhr siegt Melker Jacobsson mit übersprungenen 5,61 Metern. Dafür gibt’s Extra-Applaus.

Wechselhafter Wind und vorab reichlich Regengüsse machen Rekorde 2019 unmöglich. Was die Stimmung am Rande der Sprunganlage zum Glück kaum eintrübt. Rund 5000 Menschen – davon 1200 auf zwei Sitztribünen und rund 500 im VIP-Bereich auf der Rathaustreppe – verfolgen das regenbedingt verspätet gestartete Event. Unter Schirmen, teils in komplette Plastikpelle verpackt, fiebern die Hochsprungfans mit. Es gibt Fritten und Bratwurst, wahlweise edle Häppchen für die Ehrengäste. Der Eintritt ist wie immer kostenlos. Die Musikanlage tönt laut und knackig, die Kommentatoren Dirk Bartholomy und Robert Moonen halten das Publikum bei Laune, Organisator Michael Leers und sein Team leisten unter diesen feuchten Bedingungen Schwerstarbeit. Die Verantwortung ist so groß wie die Sprunghöhen.

Das Publikum belohnte die Leistungen der Athleten umso mehr mit lauten Applaus. Foto: Andreas Steindl

„Wir freuen uns über den Zustrom bei diesem Hochsprungevent auf Weltklasse-Niveau – das gilt für das fantastische Publikum genauso wie das erlesene Starterfeld mit Ausnahme-Athleten“, sagt NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider. Unter fliegendem Flutlicht, das aus leuchtenden Ballons auf die mobile Sprunganlage strahlt, geben die Hochspringer alles.

Die Stars des Abends sind – neben der Aachener Springerin Laura Giese (17) mit 3,71 Metern – Hallen-Weltrekordhalter und Olympiasieger Renaud Lavillenie aus Frankreich und Vizeweltmeister Piotre Lisek aus Polen. Belohnt werden aber alle Teilnehmer der Konkurrenz. Mit stehenden Ovationen, rhythmischem Klatschen und viel Jubel. Die Zuschauer in Aachen sind vielfach vom Fach. Die Kulisse ist trotz widrig-kühler Witterung einzigartig – die sportliche Krönung mitten in der Kaiserpfalz Karls des Großen. Der wäre unter den Springern des gestrigen Abends mit seinen tatsächlich 1,84 Meter Körperlänge übrigens der Kleinste gewesen...

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