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Aachen: Trommeln für mehr Gerechtigkeit beim Weltfest in Aachen

Aachen : Trommeln für mehr Gerechtigkeit beim Weltfest in Aachen

In Zeiten, in denen man Dank des Internets zu Menschen (fast) überall auf der Welt Kontakt aufbauen kann, entsteht schnell der Eindruck, es gebe keine Grenzen — zumindest virtuell. Alles scheint greifbar, offen und möglich zu sein.

Doch tatsächlich herrscht auf der Welt ein großes Ungleichgewicht. Chancen und Möglichkeiten sind für viele Menschen auf der Erde gar nicht oder kaum zugänglich. Das 32. Weltfest unter dem Motto „Offenes Aachen, verschlossenes Europa — Wir in der Einen Welt“ widmete sich den komplexen Themen der Weltoffenheit und Gleichbehandlung aller Menschen.

Denn trotz der Tatsache, dass es überall in Deutschland Zivilgesellschaften engagierter Bürger gibt, die sich für ein demokratisches und solidarisches Miteinander einsetzen, zeigen politische Bewegungen und wirtschaftliche Strukturen, dass nicht jeder das Privileg der Gleichbehandlung genießen kann.

„Aachen ist eine offene Stadt“, betonte Maryam Aliakbari, „Eine Welt“-Promotorin des Eine Welt Forums und ergänzte: „Wir sind hier nicht nur offen für Flüchtlinge, sondern auch für den Wandel. Es gibt immer mehr Akteure, Vereine und Institutionen, die sich für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen einsetzen und aktiv sind. Auf der anderen Seite werden in Europa immer mehr Grenzen geschlossen, und darunter leidet auch Aachen.“

Die Akteure des Weltfestes, das unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Marcel Philipp stand, informierten die Besucher auf dem Informationsmarkt über die Arbeit in den jeweiligen Vereinen und Institutionen. Erstmals fand das Fest in Kooperation mit der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen statt, die dieses Jahr sehr erfolgreich ihr Projekt „Offenes Aachen — Initiative für Demokratie und Menschenwürde“ umgesetzt hat.

32 Mitgliedsgruppen des Eine Welt Forums präsentierten sich insgesamt, darunter auch viele neue, wie beispielsweise „Pro Kongo“ oder der Verein „Regionale Resilienz Aachen.“ Dieser setzt sich auf kommunaler Ebene mit Partnern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft für die Entwicklung eines zukunftsfähigen, interdisziplinären Transformationskonzeptes zur Erneuerung der Wirtschaft und Gesellschaft ein. Heißt konkret: Innovative Ökonomieansätze, Technologieentwicklungen und der wachsende Wunsch vieler Bürger nach einem umweltverträglichen, sozialgerechten Gesellschaftskonzept sollen miteinander vereinbar sein.

„Wir feiern mit allen Mitgliedsgruppen des Eine Welt Forums ein Fest der internationalen Solidarität, der Menschenrechte und der Völkerverständigung sowie des Eintretens für eine bessere und gerechtere Welt“, betonte Peter Kämmerling, Vorstandsmitglied des Eine Welt Forums. Und der engagierte Aachener fügte hinzu: „Wir fordern eine nachhaltige Wirtschaft, die weder Mensch noch Natur ausbeutet. In der es keine globalen Wettbewerbsvorteile aufgrund von Menschenrechtverletzungen gibt.“

Dass große und vielleicht schwierige Themen und Probleme bereits schon mit kleinen Dingen verbessert werden können, machte unter anderem Maryam Azad deutlich. Sie fertigte aus alten Kleidungsstücken neue Dinge an. Aus Hosen wurden Röcke und aus einer alten Bluse eine kleine Tasche. „Jeder kann etwas tun, Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen“, so Aliakbari.

Neben vielen ernsthaften Inhalten kam der Spaß aber auch nicht zu kurz. Das politische Kabarett „Muita Merda“ beleuchtete im Rahmen seines Programms „Geist ist geiler“ Ungereimtheiten, Gaunereien und Schlimmeres aus Politik und Alltag. Die vier Musiker „TUF“ sowie Joe & David Spencer sorgten für musikalische Unterhaltung. Traditionelle afrikanische Tänze und Trommelklänge machten die Vielfalt der Kulturen auf bunte Art und Weise sichtbar.