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Suchthilfe eröffnet neue Anlaufstelle: „Troddwar“ ist zurück am Kaiserplatz

Suchthilfe eröffnet neue Anlaufstelle : „Troddwar“ ist zurück am Kaiserplatz

Die Suchthilfe der Caritas ist mit einem neuen „Kiosk“ für Schwerstabhängige jetzt direkt an St. Adalbert präsent.

Seit einiger Zeit bereits teilt die Aachener Suchthilfe das traurige Schicksal von zahlreichen ihrer Schützlinge zumindest in dieser Hinsicht: Bei der Suche nach einer geeigneten Bleibe mussten und müssen die Sozialarbeiter der Caritas improvisieren, fanden neue Unterkünfte mit Hilfe der Kirche (in St. Peter) und der Stadt (in der Beginenstraße), um ihre wichtige Arbeit nahtlos fortzusetzen. Denn bereits Ende 2020 musste das „Troddwar“ als Anlaufstelle für Suchtkranke am Kaiserplatz wegen Sanierungsbedarfs bis auf Weiteres geschlossen werden, während im Café Plattform am Veltmanplatz angesichts der Pandemie zu wenig Platz zur Beherbergung und Beköstigung von Menschen ohne festen Wohnsitz blieb.

Jetzt ist das „Troddwar“ nur ein paar Meter um die Ecke „gewandert“, um sich als Kontaktstelle unter dem neuen Namen „Kiosk Troddwar“ zumindest vorübergehend wieder im gewohnten Umfeld zu etablieren, bevor die angestammten Räume wieder bezogen werden können.

Und zur Eröffnung der neuen „Basis“ am Adalbertstift 2 konnte Caritas-Geschäftsführer Bernhard Verholen aus gegebenem Anlass zunächst vor allem zahlreiche Sozialpolitiker sowie Vertreter von Polizei und Ordnungsamt begrüßen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir nach diversen Irrungen und Wirrungen wieder einen wichtigen Baustein unseres Hilfesystems am Kaiserplatz setzen können“, sagte Verholen. Erneut habe man dabei vor allem auf die Unterstützung des Gemeindeverbunds Franziska von Aachen zählen können – nachdem die Pfarre St. Peter Ende 2020 ihre Kirche für zentrale Versorgungsangebote zur Verfügung gestellt hatte.

Tatsächlich habe sich das ehemals leerstehende Ladenlokal im Schatten von St. Adalbert, in dem bis vor ein paar Jahren eine Schuster-Werkstatt beheimatet war, in den vergangenen Wochen von einer veritablen Baustelle in ein „richtiges Schmuckstück“ verwandelt, meinte Gudrun Jelich, Geschäftsführerin der Suchthilfe, bevor die ersten Kuchenstücke und Kaltgetränke über die nagelneue „Kiosk“-Theke gereicht wurden. Hell und freundlich präsentiert sich der 130 Quadratmeter große Raum, eine Zwischenwand wurde entfernt, um Platz für Tische und Stühle zu schaffen, auf denen Schwerstabhängige sich bei einem Kaffee und einem Snack dem Druck der Straße entziehen, Spritzen tauschen und im Gespräch mit den Streetworkern Auswege aus dem Teufelskreis der Sucht aufgezeigt bekommen können, erläuterte Mark Krznaric, Leiter des „Troddwar“ und des Café Plattform.

 Anlaufstelle im Schatten von St. Adalbert: der „Kiosk Troddwar“ präsentiert sich neu eingerichtet. Bernhard Verholen, Gudrun Jelich und Mark Krznaric (kleines Bild, von links) begrüßen zahlreiche Gäste zur Eröffnung.
Anlaufstelle im Schatten von St. Adalbert: der „Kiosk Troddwar“ präsentiert sich neu eingerichtet. Bernhard Verholen, Gudrun Jelich und Mark Krznaric (kleines Bild, von links) begrüßen zahlreiche Gäste zur Eröffnung. Foto: MHA/Harald Krömer/Harald Krömer

Denn nach wie vor hält sich ein großer Teil der „Szene“ bekanntlich täglich im Umfeld des Kaiserplatzes auf. „Sie leben meist in der City und sind hier ständig präsent, und wir setzen gemeinsam mit den Behörden bewusst darauf, dass das so bleiben kann“, erklärte Verholen.

So wollen die Sozialarbeiter im „Kiosk Troddwar“ nun auch den regelmäßigen Austausch mit Polizei, Ordnungsamt und nicht zuletzt dem Stadtbetrieb vertiefen. „Wir möchten damit unseren Teil leisten, um eine neue ,Ermöglichungskultur‘ in der Innenstadt zu fördern. Und unsere Türen stehen selbstverständlich jedem offen“, betonte Verholen.

Schließlich habe sich das Verhältnis zu Anwohnern und Geschäftsleuten im Umfeld in den vergangenen Jahren durchaus entspannt, betonte Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die selbst in unmittelbarer Nähe des Kaiserplatzes wohnt. „Tatsächlich gibt es nur selten Beschwerden, und wenn, dann suchen wir das Gespräch mit den Betroffenen.“ Die meisten Nachbarn aber zeigten Verständnis für die Situation der schwerstkranken „Troddwar“-Klientel und akzeptierten, dass die weiterhin vornehmlich am Kaiserplatz anzutreffen ist.

Gleichwohl ist die aktuelle Diaspora in Sachen Suchthilfe mit dem neuen Interimsquartier am Adalbertsstift längst nicht beendet. Mittelfristig soll das „Troddwar“ als angestammte Anlaufstelle wieder öffnen. Auch das Notquartier in St. Peter werde die Caritas in absehbarer Zeit – möglicherweise noch vor Ende des Jahres – wieder verlassen, erklärte Verholen im Gespräch mit unserer Zeitung. Und die Suche nach einem neuen zentralen Standort ist hinter den Kulissen seit Längerem in vollem Gang.