Altstadtquartier Büchel: Tristesse zwischen Lust for Life und Kaiserbad wird immer größer

Altstadtquartier Büchel : Tristesse zwischen Lust for Life und Kaiserbad wird immer größer

Ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt genügt, um zu erkennen: Aufbruchstimmung will sich rund um den Büchel einfach nicht einstellen. Im Gegenteil: Die Tristesse scheint im sogenannten Altstadtquartier zwischen Lust for Life und Kaiserbad immer weiter um sich zu greifen. Ist der weitere Niedergang eines ganzen Viertels, für den das gammelig-stinkige Parkhaus Büchel geradezu beispielhaft ist, noch abzuwenden?

Um das herauszufinden, kommen am Mittwoch die städtischen Planer und Planungspolitiker sowie maßgebliche Grundstückseigentümer und Investoren in großer Runde zusammen.

Wie sehr es insbesondere zwischen der Verwaltung und Politik auf der einen Seite und den Investoren auf der anderen Seite hakt, hat sich eindrucksvoll vor einem Jahr in der Debatte um die Bordelle an der Antoniusstraße gezeigt. Die Investoren wollen sie weghaben, Politik und Verwaltung sehen dafür keine Chance und haben sich mehrheitlich längst dagegen entschieden. „Dieses Fass wird nicht mehr aufgemacht“, versichert SPD-Planungspolitiker Norbert Plum. Schließlich sei von Anfang an jedem klar gewesen, worauf man sich beim Projekt Altstadtsanierung einlasse.

Alle weiteren strittigen Punkte — angefangen bei der Abschottung der Rotlichtmeile, über den Bau einer Kita bis hin zum sozialen Wohnungsbau — sollen jedoch in einer vermutlich mehrstündigen Veranstaltung besprochen werden. Herausfinden möchte man nicht nur, warum der vor gut acht Jahren angestoßene Sanierungsprozess stockt. Auch „Arbeitsfortschritte“ sollen erzielt werden, erklärt Harald Baal für die CDU, der sich nicht zuletzt auch endlich einen konkreten Zeitplan für den Abriss des Parkhauses und die Neubebauung erhofft. Wenn jetzt nichts passiere, drohe der „absolute Stilstand“, fürchtet er. „Das wäre fatal für den ganzen Bereich.“

Der inzwischen auffallend hohe Leerstand vieler Geschäfte und auch ganzer Häuser am Büchel, an der Mefferdatisstraße und im engeren Umfeld zeigt längst, wie groß die Probleme sind. „Da ist viel Spekulation dabei“, sagt Baal. Das Schlimme sei, dass Investoren derzeit auch mit Nichtstun viel Geld verdienen können, weil die Grundstückspreise immer weiter steigen.

Zweckentfremdungsverbot

Auch Plum beklagt, dass einige Investoren ihre Häuser komplett leergezogen haben. „Das ist so nicht hinzunehmen“, sagt er. Doch mehr, als an das Verantwortungsgefühl und „an die Aachener Seele“ zu appellieren, bleibt ihm kaum. Ein Zweckentfremdungsverbot wäre eine gute Sache, findet er. Doch diesen Hebel hat die Stadt nicht.

Wie groß der Ärger insbesondere über die beiden Aachener Immobiliengrößen Norbert Hermanns und Gerd Sauren bei einigen Politikern inzwischen ist, machen vor allem Oppositionspolitiker wie Michael Rau von den Grünen und Marc Beus von den Linken deutlich. Wenn Investoren nicht mehr bauen wollen, weil sie ihren Willen nicht kriegen, sollten sie endlich ihre Grundstücke weiterverkaufen, meint Beus.

Auch er weiß, dass die Stadt letztlich in einer schwachen Position ist. Dennoch müsse seiner Meinung nach nun der Druck gegen jene erhöht werden, die in bester Lage ihre Grundstücke einfach brachliegen lassen. „Das hat auch eine soziale Komponente“, sagt er. Denn nicht nur in der Altstadt haben sich die großen Player Grundstücke gesichert, auf denen trotz drückender Wohnungsnot nicht gebaut wird — siehe Adalbertstraße, siehe Alfons­straße.

Ob Investoren ihre wirtschaftliche Macht ausnutzen oder ob die Politik falsche Erwartungen formuliert hat oder die Verwaltung zu schwerfällig arbeitet — all das wollen die Beteiligten bei ihrem Treffen am Mittwoch besprechen. Ob und wann es am Büchel dann vielleicht doch mal vorwärts geht, wird auch nach Ende der Sitzung niemand sagen können. Ihr weiteres Vorgehen wollen Politik und Verwaltung jedoch gleich am darauffolgenden Tag im Planungsausschuss beraten.