Aachen: Tresore und 400 Nieten im Hangeweiher

Aachen: Tresore und 400 Nieten im Hangeweiher

Die Enten haben sich an diesem Donnerstagmittag vorsichtshalber ans andere Ufer begeben. Merkwürdige Dinge tun sich an „ihrem” Hangeweiher. Blaue Lastwagen rollen an. Und die Polizei ist auch da. Ein ungewöhnlicher Fund macht eben ungewöhnliche Maßnahmen nötig.

Rückblende: Es ist ein Tag vor Weihnachten, als sich Daniel Costard und seine Freunde in den Kaiser-Friedrich-Park aufmachen. Sie wollen angeln. So wie sie es als Mitglieder des Angelsportvereins Forelle öfters tun. Brasse, Schleie, Hecht, Barsch, Karpfen, Wels, Zander - das alles und noch mehr schwimmt in dem 17.000 Quadratmeter großen und im Schnitt 2,1 Meter tiefen See. Doch an diesem Tag findet sich noch mehr im Uferbereich. Die Petrijünger machen eine merkwürdige Entdeckung.

Knapp unter der Oberfläche liegen Stahlschränke. „Und eine Kassette war da noch”, erzählt der elfjährige Daniel. „30 Cent waren noch drin”, erinnert er sich. „Aber wir haben uns zunächst nichts dabei gedacht.” Das ändert sich bei einem nachweihnachtlichen Spaziergang mit den Eltern. „Wir haben uns das angeschaut und dann die Polizei verständigt”, berichtet Daniels Vater Axel Costard, der beim städtischen Pressebüro arbeitet. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

Nicht tief, nicht kalt, aber düster

Doch so einfach herausholen - das ist angesichts des Gewichts der Stahlschränke nicht machbar. Die Polizei wendet sich hilfesuchend ans Technische Hilfswerk (THW). Und dieses ist nun kurzfristig mit seinen Spezialisten angerückt. Die Einbruchsexperten der Kripo sind natürlich dabei. Und blicken mit Spannung darauf, was da zum Vorschein kommen wird. Zu vermuten ist, dass die Fundstücke aus Beutezügen einer Bande stammen. Wer sonst kippt gleich mehrere Tresore in einen See?

Die vielen staunenden Zuschauer - es werden von Minute zu Minute mehr - fragen sich ohnehin, wie eine solche Aktion kurz vor Weihnachten unbeobachtet vonstatten gehen konnte. Schließlich liegt der Hangeweiher mitten im Wohngebiet. Aber nun liegen sie eben da drin, die Objekte der Räuberbegierde.

Und so „besteigt” Frank Nelles seine Arbeitskluft. Er ist THW-Taucher und wird den Hangeweiher erkunden. Verbunden mit einer Sicherheitsleine, bahnt er sich seinen Weg durch das Wasser. Die Sicht im Hangeweiher ist schlecht. „Aber es ist nicht tief und auch nicht kalt”, zählt Heinz Vonder-stein die Vorteile dieses Einsatzortes auf. Dass sein Team einmal mehrere Tresore aus einem See geholt hat, daran kann sich der Taucheinsatzleiter nicht erinnern - auch wenn man schon so manches aus Gewässern wieder zum Vorschein brachte.

Wenige Meter von seinem Startpunkt entfernt taucht Frank Nelles auf und hat eine Geldkassette in der Hand. Und dann noch eine und noch eine und noch eine. Alle sind aufgebrochen. Bereits jetzt ist für Kriminalhauptkommissar Helmut Hetzer und seinen Kollegen Ralf Breuer klar, dass es sich tatsächlich um Diebesgut handelt. In den Kassetten sind teils noch Papiere. Sie könnten helfen, die Beute Taten zuzuordnen.

Verbindung zu anderen Fällen?

Während Frank Nelles wieder abtaucht, macht sich sein THW-Kollege Jörg Flachskampf ans Werk. Er steht an der Steuerung des Lkw-Krans. Einer der Tresore hängt an seiner „Angel”, und er fischt das schwere Teil sicher aus dem Hangeweiher. Später folgen noch zwei weitere. In Geldschrank Nummer drei wird ein „Schatz” geborgen - Schmuck, eine Uhr, ein paar Münzen. Allerdings nichts Wertvolles.

Ein Ermittlungsergebnis zeichnet sich schon vor Ort ab. Anhand der gefundenen Papiere vermutet die Kripo, dass einer der Geldschränke aus einem Einbruch in eine Alteneinrichtung stammt. Gibt es hier etwa Zusammenhänge mit anderen Beutefunden? Wie berichtet, sind in den vergangenen Monaten in einem Aachener Parkhaus zwei hinter einer Säule abgestellte Tüten gefunden worden - voll mit Schmuck und Uhren. Offenbar waren sie dort von einem Täter „zwischengelagert” worden, bis ein anderer sie dort abholt. Allerdings waren Angestellte des Parkhauses schneller. Teilweise konnten diese Funde ebenfalls Einbrüchen in Altenheime zugeordnet werden. Ob beide kuriose Fälle miteinander zu tun haben?

Ob die Täter in den Tresoren tatsächlich fette Beute gemacht haben, ist im Moment noch nicht überliefert. Eine Tüte, die Frank Nelles ebenfalls birgt, haben sie jedenfalls zurückgelassen. Sie ist voll mit Losen, wie man sie von der Kirmes kennt. Und ein Zettel liegt darin. Aufschrift: „400 Nieten”.