Aachen: Traumatisierte Flüchtlinge: CDU fordert neue Unterbringungskonzepte

Aachen: Traumatisierte Flüchtlinge: CDU fordert neue Unterbringungskonzepte

Alle Welt frohlockt über die klassischen „Mega-Events“ wie den CHIO, mit denen die Stadt massenhaft Gäste lockt, um die Kassen zum Klingeln zu bringen? Stimmt — aber nur fast. Es gibt nicht wenige städtische Mitarbeiter, die den Besucherströmen auch mit Sorge entgegensehen — vor allem im Jugendamt.

Denn vor der Kür in Gestalt eines prosperierenden Tourismus‘ kommt bekanntlich die Pflicht: Laut Gesetz muss die Stadt minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung ins Land geschleust werden, Unterkunft und Betreuung geben. Doch die Heimkapazitäten sind längst erschöpft. Also müssen Hotels, Pensionen, Gästehäuser in Anspruch genommen werden, um den meist 14- bis 17-Jährigen — zumindest vorübergehend — Obdach zu geben.

Das ist teuer — und pädagogisch alles andere als sinnvoll. Deshalb hat die CDU-Fraktion die Verwaltung nun per Ratsantrag gebeten, neue Wohn-Modelle zu entwickeln, um zugleich mehr Geld für eine ausreichende psychosoziale Begleitung freizusetzen.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die aus Kriegsgebieten wie Afghanistan und Syrien, verstärkt auch aus nordafrikanischen Ländern kommend im Dreiländereck stranden, wächst kontinuierlich. Allein im Mai hat die Bundespolizei 24 Heranwachsende an der Grenze aufgegriffen. Insgesamt benötigen derzeit 141 solcher „Findelkinder“ Ansprache, Verköstigung, Betten, Bildung, weiß CDU-Ratsherr Peter Tillmanns. „Sie sind oft schwer traumatisiert, brauchen neben einer adäquaten Unterkunft viel Fürsorge.“

Mehr Personal dringend gefragt

Auch die Mitarbeiter von Behörden und Heimen selbst seien jedoch längst an der Grenze der Belastbarkeit angelangt, betont auch CDU-Fraktionschefin Maike Schlick: Maximal 50 junge Menschen dürfen laut Gesetz von einem Vormund betreut werden — auch in personeller Hinsicht bestehe damit dringender Handlungsbedarf. Kurzum: Die Verwaltung müsse ein Konzept entwickeln, um den Teufelskreis aus wachsendem finanziellem Druck und humanitärem Anspruch zu durchbrechen.

Zwar komme das Land letztlich für die Unterbringungskosten auf, doch die Erstattung lasse vielfach bis zu zwei Jahre auf sich warten. Hinzu komme, dass minderjährige Flüchtlinge bei einer Unterbringung im Hotel Anspruch auf „Taschengeld“ haben — „und das spricht sich herum“, sagt Tillmanns. Im Ganzen müsse die Stadt so rund 20 Prozent der Betreuungskosten selbst stemmen — was pro Jahr ohne Weiteres mit mehreren hunderttausend Euro zu Buche schlage.

In jeder Hinsicht sinnvoller sei es aber, „strukturierte“ Angebote in städtischen Objekten wie ehemaligen Schulgebäuden zur Verfügung zu stellen: Tillmanns: „Diese Jugendlichen brauchen keine goldenen Wasserhähne, aber ein zweckmäßiges und zugleich menschenwürdiges Quartier, in dem auf ihre Bedürfnisse und Probleme eingegangen wird.“

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