Aachen: Trauer um „Vater“ des Aachener Friedenspreises Albrecht Bausch

Aachen: Trauer um „Vater“ des Aachener Friedenspreises Albrecht Bausch

Vielen galt er als der „Vater“ des Vereins Aachener Friedenspreis, so formulierte es Karl Heinz Otten, einer seiner Nachfolger, am Mittwoch. Doch er war auch ein Mann, der Konflikte zu keiner Zeit scheute und aus seiner politisch linken Einstellung niemals einen Hehl machte. Im Gegenteil.

Zweifellos hat Pfarrer Albrecht Bausch den Aachener Friedenspreis maßgeblich mit zu dem gemacht, was er bis heute ist: eine der wenigen Auszeichnungen, die auch international regelmäßig besondere Beachtung finden und mit prominenten Preisträgern aus vielen Ländern der Welt von sich reden machen. Am 16. Dezember ist Albrecht Bausch im Alter von 88 Jahren gestorben, wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde.

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um den vordem so streitbaren und ungemein engagierten Geistlichen. Spätestens nach einem schweren Verkehrsunfall hatte Bausch sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Als Mitbegründer des Vereins Aachener Friedenspreis und langjähriger Seelsorger der Studierendengemeinde im Evangelischen Kirchenkreis meldete er sich immer wieder zu Wort, wenn es darum ging, Krieg und Gewalt entgegenzutreten. Er war ein Mann mit Ecken und Kanten.

Als sich Ende der 1980er Jahre zahlreiche Gruppierungen aus der Friedensbewegung entschlossen, einen gewichtigen „Gegenentwurf“ zum Aachener Karlspreis aus der Taufe zu heben, war Bausch einer der entscheidenden Impulsgeber. Zwei Jahre nach der Gründung des Vereins Aachener Friedenspreis im Jahr 1988 übernahm er dessen Vorsitz, den er bis 1997 innehatte.

Unter seiner Führung gewann die Initiative kontinuierlich an Profil, indem sie alljährlich am 1. September, dem Antikriegstag, bedeutende Frauen und Männer ehrte, die sich mit besonderer Zivilcourage für Verständigung und gegen jede Gewalt eingesetzt hatten — unter ihnen der spätere Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi aus Indien, die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana, die „Frauen in Schwarz“ aus Israel oder auch der Aachener Pfarrer Herbert Kaefer und der bekannte Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann. Bis heute findet bereits die Verkündigung der Preisträger am 8. Mai, dem Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, bundesweite Beachtung.

Heftige Auseinandersetzungen scheute Bausch indes auch in den eigenen Reihen keineswegs — so geriet er Mitte der Neunziger wegen angeblich antisemitischer Äußerungen ins Kreuzfeuer der Kritik; ein Vorwurf, den er voller Empörung als „Ungeheuerlichkeit“ zurückwies. An prominenten Fürsprechern mangelte es dem resoluten Geistlichen und Vater von zwei Söhnen dabei zu keiner Zeit. Der Schriftsteller Günter Wallraff etwa würdigte Bausch anlässlich von dessen 70. Geburtstag als „ein Vorbild wie Heinrich Böll oder Ernesto Cardenal“.

„Frieden ist keine Harmoniesoße! Wer keinem wehtun mag, tut auch keinem mehr wohl — und nutzt der Sache gar nichts“: Zitate wie dieses kennzeichneten den Theologen auch in seiner Eigenschaft als Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde Aachen, die er von 1969 bis 1979 leitete. Immer wieder gelang es ihm, auch dort prominente Vertreter der Friedensbewegung aufs Podium zu locken — vielfach mit enormer Resonanz. Neben Wallraff stellten sich Persönlichkeiten wie Klaus Traube, Robert Jungk, Walter Jens und Margarete Mitscherlich der Diskussion.

Bausch selbst bezog nicht zuletzt als Leserbriefschreiber oft dezidiert Position gegen jeglichen Einsatz von Waffen und skrupellosen Machtmissbrauch. „Im Aachener Friedenspreis wird seine streitbare Stimme und sein energischer Einsatz für den Frieden fehlen“, heißt es in einem Nachruf des Vereins auf Albrecht Bausch, der im Rückblick auf seinen zuweilen provozierenden Mut zur politischen Auseinandersetzung einmal von sich sagte: „Ich wollte nicht lammfromm sein.“

(mh)
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